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Bauchspeicheldrüsenentzündung
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Bauchspeicheldrüsenentzündung – Krankheit mit Tarnkappe

Aus der Tiermedizin

Hunde mit einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung sind sehr magenempfindlich und benötigen eine klare Diät. Foto: Alexandra Pfitzmann
Warum Tarnkappe? Das ist schnell erklärt – die Bauchspeicheldrüsenentzündung, in der Fachsprache Pankreatitis genannt, ist kaum zu fassen. Man sieht sie nicht, hört sie nicht. Sie läuft einfach in jeder Hinsicht unter dem Radar. Dabei ist sie gefährlich, sehr schmerzhaft, alles andere als selten und kann im schlechtesten Fall sogar tödlich enden. Wird sie nicht erkannt, verdaut die Drüse sich selbst und das Tier ist nicht mehr zu retten.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Es trifft Hunde wie Katzen, ältere Semester oder auch junge Hüpfer, eigentlich kann es jeden erwischen. Die Pankreatitis tritt akut oder chronisch auf, und auch der Tierarzt hat großen Respekt vor dieser Erkrankung. Sie macht es ihm wie gesagt besonders schwer herauszufinden, was der Vierbeiner hat. Die Ursachen für eine Pankreatitis sind mannigfaltig. Medikamente, Infektionen, Stress, Traumata, Operationen, Genetik und vieles mehr können eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen.

Die beginnenden Symptome sind sehr unspezifisch.

Das Tier mag auf einmal nicht mehr fressen, manche Vierbeiner müssen erbrechen, andere haben Durchfall oder sogar beides. Man merkt dem Tier an, dass es ihm richtig mies geht, aber was genau das Problem ist, kann auch der Tierbesitzer schlecht beschreiben. Manche Patienten liegen nur herum oder ziehen sich zurück, andere sind unruhig, stehen auf, legen sich wieder nieder und kommen einfach nicht zur Ruhe.

Ein besonderes Phänomen kann allerdings den entscheidenden Hinweis liefern: Der Vierbeiner bleibt auf einmal unvermittelt stehen, streckt die Vorderbeine weit nach vorne aus und reckt den Hintern in die Höhe. Dabei streckt er sich, als wäre er gerade erst aufgestanden. Hierbei hat er aber keinen wohligen Gesichtsausdruck wie beim Räkeln, sondern schaut sehr unglücklich währenddessen drein. Fachleute nennen diese Haltung „Gottesanbeterstellung“, weil es aussieht, als würde das Tier sein Vorderteil demütig vor einer virtuellen Gottheit in die Tiefe senken. In Wahrheit steckt etwas anderes dahinter. Durch die Streckung des Vorderbauches schafft das Tier Platz im Bauchraum. Dadurch wird die Bauchspeicheldrüse entlastet. Der Schmerz wird für das Tier in diesem Moment etwas erträglicher. Sollten Tierhalter bei ihrem Tier ein derartiges Verhalten in Kombination mit Fressunlust oder Apathie feststellen, muss hier unbedingt auch an die Bauchspeicheldrüse gedacht werden.

Für den Komplex aus MagenDarm-Symptomen und gestörtem Allgemeinbefinden kommen leider insgesamt auch noch etliche andere Ursachen in Betracht.

Die allgemeine Untersuchung gibt oft keinen Aufschluss. Das Tier hat kein Fieber, Herz und Lunge hören sich gut an, die Lymphknoten sind nicht geschwollen. Allenfalls die Schleimhäute können etwas trockener sein, und durch den Flüssigkeitsverlust ist der Patient eventuell etwas dehydriert. Fertigt der Tierarzt ein Röntgenbild an, hilft das wenig. Beim Röntgen ist die entzündete Bauchspeicheldrüse so gut wie nicht darstellbar, allenfalls Folgeerscheinungen davon. Eine Ultraschalluntersuchung kann deutlichere Hinweise auf eine Problematik der Bauchspeicheldrüse geben, allerdings bedarf es hier eines guten Ultraschallgerätes und eines versierten Untersuchers. Nur in dieser Kombination kann eine erkrankte Bauchspeicheldrüse im Ultraschall eindeutig erkannt werden. Wenn immer noch nicht klar ist, was dem Patienten fehlt, ist jetzt guter Rat teuer. Eine Blutuntersuchung ist nun der nächste Schritt, der der Aufklärung dienlich ist. Doch wohl dem Vierbeiner dessen Tierarzt spätestens jetzt an eine mögliche Bauchspeicheldrüsenentzündung denkt. Denn auf den Untersuchungsbögen für das Labor muss dieser Wert zusätzlich angekreuzt werden. Er ist in den Profiluntersuchungen nicht automatisch enthalten. Es gibt dort zwar Werte, die Hinweise auf eine Pankreatitis liefern, wirklich eindeutig ist aber nur ein konkreter moderner zusätzlicher Parameter. Er nennt sich Pankreasspezifische Lipase, verkürzt auch als Spec cPL (Hund) oder Spec fPL (Katze)-Wert bezeichnet. Ist der entsprechend erhöht, ist die Sache klar. Das Tier leidet an einer Pankreatitis. Nun muss schnell gehandelt werden. Eine Bauchspeicheldrüsenentzündung kann schließlich tödlich enden!

Blutentnahme. Foto: Alexandra Pfitzmann

Hierfür verabreicht der Tierarzt ein potentes Schmerzmittel. Hat der Vierbeiner durch Erbrechen und/oder Durchfall zu viel Flüssigkeit verloren, wird diese durch Infusionen aufgefüllt. Antibiotika oder Kortison werden gelegentlich verabreicht, der entsprechende Nutzen ist in der Fachwelt allerdings umstritten. Es muss alles dafür getan werden, dass das Tier – und hier vor allem die Katze – wieder Nahrung zu sich nimmt. Im schlimmsten Fall müssen Nahrungssonden zum Einsatz kommen. Hunde können etwas länger als Katzen ganz ohne Nahrung auskommen, doch auch sie sollten nach Abklingen des Erbrechens baldmöglichst wieder zum Fressen animiert werden, damit der Darm und somit der Stoffwechsel intakt bleiben.

Umstände, die zu einer Pankreatitis führen, können nicht immer verhindert werden. Aber ist die Erkrankung erst einmal abgeheilt, gilt es ein Wiederauftreten zu vermeiden. In diesem Zusammenhang ist eine wichtige Regel zu beachten: Die Kost muss fettarm und leicht verdaulich sein. Im Klartext bedeutet dies, dass Trockenfutter maximal um die 10% Fett enthalten darf, Nassfutter hingegen nur höchstens 2,5%. Gleiches gilt selbstverständlich auch für Leckerli. Schon ein Stück Schinken oder ein Teil einer Wiener Wurst kann das Teufelsrad der Pankreatitis wieder in Gang setzen. Das kann kein Besitzer wollen. Alternativ kann der Besitzer selbst kochen, sollte sich aber gewissenhaft über mögliche Rezepturen informieren. Und an diese Fütterungsempfehlung muss sich der Halter unbedingt halten, solange das Tier lebt! Das Damoklesschwert dieser Erkrankung schwebt nach einer einmal überstandenen Bauchspeicheldrüsenentzündung lebenslang über dem Tier.

Auf den Punkt gebracht sollen Leser dieses Beitrages bitte vor allem eines mitnehmen: Geht es einem Tier schlecht, und man findet mit normalen Untersuchungsmethoden nicht heraus, woran es liegt, bitte immer auch an die Bauchspeicheldrüse denken. Jeder Tierarzt wird den Hinweis, bei der Blutuntersuchung den erwähnten Zusatzparameter on top zu überprüfen, gerne annehmen. Denn dann gibt es im Zweifelsfall Klarheit, und dem Tier kann geholfen werden.