Immer mehr Pferdekutschen verschwinden aus Großstädten
Endlich passiert etwas!
Denn der Alltag eines Kutschpferdes hat mit einem artgemäßen Leben der Tiere nicht viel zu tun. Das Stehen und Gehen im Straßenverkehr, sowohl unter der sengenden Sonne im Sommer als auch auf Glatteis im Winter, bedeutet für die Tiere großen Stress. Lärm und Abgase setzen ihnen ebenso zu wie die asphaltierten Straßen, die für Pferdehufe kein geeigneter Untergrund sind. Viele Pferde werden während des Tages kaum oder gar nicht verpflegt und getränkt, um keine Zeit zu verlieren; Videos von Pferden, die unter der Belastung zusammenbrechen, kursieren mittlerweile zuhauf im Internet. Regelmäßig kommt es darüber hinaus auch zu Unfällen mit Personenschaden.
Nach Angaben von Tierschutzvereinen wurden in den letzten Jahren rund 100 Menschen bei Unfällen mit Beteiligung von Pferdekutschen teils schwer verletzt.
Ein großer Kritikpunkt sowohl in Deutschland als auch im Ausland ist zudem die Unterbringung der Tiere, die vor allem in Städten oft nicht artgerecht erfolgt.
Pferde sind Fluchttiere, sie benötigen neben ständigem Zugang zu Wasser und Futter (was während des Kutschbetriebs meist nicht möglich ist) vor allem Platz. Immer wieder aber ist es Tierschützern in der Vergangenheit gelungen, Aufnahmen von Kutschpferden in ihren Ställen anzufertigen, wo sie teilweise in völliger Dunkelheit, manchmal auch noch angebunden in sogenannter Ständerhaltung auf viel zu engem Raum stehen müssen und keine Möglichkeit haben, ihren nötigen Auslauf zu bekommen.
Auch aufgrund der massiven Kritik zeichnet sich zur Freude vieler Tierschützer seit einigen Jahren ein Wandel ab. Pferdekutschen werden zunehmend aus dem Stadtbild vieler Städte verdrängt. Ein gutes Beispiel hierfür ist Berlin: Mehr als 100.000 Menschen hatten sich mit einer Petition für ein Ende der Kutschfahrten eingesetzt. Hier wurden zunächst neue Leitlinien für Pferdekutschen erlassen, deren Nichteinhaltung mit einem Bußgeld kontrolliert wird. Fahrten auf dem großen Platz vor dem Brandenburger Tor wurden verboten. Bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius dürfen auch in den restlichen Teilen der Stadt keine Fahrten mehr durchgeführt werden. Außerdem wurde das Regelwerk zum Schutz von Tier und Mensch vor Unfällen um einen wichtigen Punkt ergänzt: Jedes Gespann muss – zusätzlich zur kutschführenden Person – von einer Person mit Pferdeerfahrung begleitet werden. Damit ist Berlin aber nicht allein. Viele Metropolen haben den touristischen Betrieb der Pferdefuhrwerke bereits untersagt, hierzu zählen Paris, London, Toronto und Peking. Auch in Rom, Tel Aviv, Montreal oder Barcelona wurden kommerzielle Kutschfahrten verboten, andere Städte wie New York oder Palma de Mallorca sowie weitere Ferienorte auf Mallorca haben ein Verbot für 2024 beschlossen.
Gerade auf Mallorca stehen die Kutschfahrten schon lange in der Kritik. Das Fass zum Überlaufen brachte aber das Handyvideo eines Touristen. Darauf ist zu sehen, wie der Fahrer eines Fuhrwerkes ein in der Hitze zusammengebrochenes Pferd minutenlang am Zaumzeug zerrt, um es wieder aufzurichten, bevor Passanten eingriffen. Der spanische Staatssekretär für Tierschutz kündigte im Zuge des Verbotes an, dass der Umstieg auf zeitgemäße elektronische Kutschen von der Regierung vollständig finanziert werde, die Arbeitsplätze der Kutscher also auch bei einem Ende der Pferdekutschen gesichert seien. Dieser Umstieg wurde in einer anderen deutschen Großstadt bereits vollzogen: Schon seit mehr als zehn Jahren gehören elektronische Fuhrwerke zum Alltag im Verkehr von Dresden. Das Angebot wurde sowohl bei Touristen als auch Einheimischen so gut angenommen, dass es bereits in andere Städte ausgeweitet wurde. Der Umstieg auf E-Mobilität könnte also eine große Chance sein, die Tradition fortzuführen und gleichzeitig auf die Ausbeutung von Tieren verzichten zu können. Bis dahin sollte sich jeder Tourist bewusst sein, dass eine kurze Fahrt im Fiaker, wie die Kutschen in Österreich heißen, niemals die Tierquälerei rechtfertigen kann, die oft dahintersteckt.