Immer mehr Exoten werden ausgesetzt
Gefährlich und leider beliebt
Handelt es sich allerdings um Nachzuchten und keine Wildfänge, gibt es auch hier Ausnahmen. Die Haltung von Exoten erfreut sich wohl deshalb so großer Beliebtheit, weil sie ein Stück Wildnis in die eigenen vier Wände bringt. Tierschützer kritisieren diese Haltung jedoch seit vielen Jahren, da eine artgerechte Haltung – ob gesetzlich vorgeschrieben oder nicht – der allermeisten exotischen Tierarten in Privathaushalten schlicht unmöglich ist. Vielen Haltern von Schlangen oder Echsen fehlt die nötige Sachkenntnis zum Umgang und zu den Bedürfnissen ihrer Tiere, dies gilt allerdings ebenso für die Anbieter solcher Arten. Gerne werden Exoten im Internet und auf Tierbörsen gehandelt, wo sie in kleinen Plastikboxen ohne Aufklärung oder Kontrolle den Besitzer wechseln. Exotische Tiere wie Schlangen oder Echsen haben logischerweise andere Bedürfnisse als Katzen und Hunde. Allein durch ihre Größe können sie ihren Haltern schnell über den Kopf wachsen. So kann z.B. ein grüner Leguan, der als kleines Jungtier günstig im Tierhandel erworben werden kann, ausgewachsen eine Länge von bis zu zwei Metern erreichen. Mehrere Meter lang werden schnell auch ausgewachsene Schlangen. Zudem haben diese Tiere besondere Ansprüche an ihre Nahrung, die sie in freier Wildbahn selbst jagen und hierbei weite Strecken zurücklegen.
Als wechselwarme Tiere benötigen sie außerdem besondere Zonen zum Abkühlen und Aufwärmen, einige Tiere fühlen sich nur bei konstanten Temperaturen von 30° oder noch mehr wohl. Gerade dieses Bedürfnis scheint aktuell vielen Tieren zum Verhängnis zu werden: Tierheime berichten von zunehmenden Abgabezahlen von exotischen Tieren, auch die Zahl der ausgesetzten Schlangen und Reptilien steigt auffällig an. Einer der Hauptgründe scheint die aktuelle Energiepreisentwicklung zu sein, die für viele Halter offenbar zum Problem wird. Denn insbesondere Wärmelampen und Klimaanlagen verbrauchen extrem viel Energie und verursachen so zusätzlich hohe Kosten. Dieser Trend stellt jedoch auch die Tierheime vor große Herausforderungen, denn auch sie sind in der Regel für die Unterbringung von Schlangen, Echsen und anderen Exoten nicht vorbereitet. Bessere Möglichkeiten gibt es in Auffangstationen, doch auch hier kann nach Angaben von Betreibern lediglich ein Bruchteil der Fund- und Abgabetiere wieder vermittelt werden.
Die Haltung von Exoten ist mit vielen Problemfeldern verbunden.
Der Handel mit exotischen Wildtieren, das belegt eine Studie, die 2020 vom Bundeministerium für Umwelt und Naturschutz veröffentlicht wurde, trägt massiv zum weltweiten Artensterben bei. Dies ist vor allem auf Einfuhr und Schmuggel von Wildfängen zurückzuführen. Viele Tiere überleben die oft weite Reise nicht; es werden daher viel mehr Tiere gefangen als tatsächlich gehandelt. Ihren Bedürfnissen können Privathalter kaum gerecht werden, darauf weisen auch die immer wiederkehrenden Meldungen von entflohenen Giftschlangen und anderen Exoten hin, die durch Feuerwehr und andere Spezialisten wieder eingefangen werden müssen. Wir appellieren daher an alle Menschen, keine exotischen Tierarten im Privathaushalt zu halten und den Handel mit ihnen nicht zu unterstützen.