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Walfangverbot bleibt bestehen
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Walfangverbot bleibt bestehen

Ende des kommerziellen Walfangs in Sicht?

Der Süd- und Nordkaper Wal besitzt eine bis zu 40 cm dicke Fettschicht und hat bis zu zweieinhalb Meter lange Barten. Zudem liefert er mit bis zu 50 Tonnen Gewicht relativ viel Fleisch und war somit eine leichte und lohnende Beute. Foto: Michaël CATANZARITI, CC BY-SA 3.0
Das wichtigste Ergebnis der 68. internationalen Walfangkonferenz im slowenischen Portorož ist wohl dieses: Das seit 1986 in Kraft getretene Moratorium bleibt bestehen, der Walfang bleibt weiterhin verboten. Ein Zusammenschluss mehrerer karibischer und afrikanischer Länder hatte (mutmaßlich unter dem Einfluss Japans) unter anderem gefordert, den Walfang als Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit wieder zu erlauben, doch konnten sie dafür keine Mehrheit finden. Auch eine Resolution, die die Rahmenbedingungen zum Schutz der Wale aufheben sollte, konnte nicht genügend Unterstützer hinter sich sammeln.
Ein Bericht von Jan Peifer

Angenommen wurde hingegen ein EU-Abkommen gegen die Plastikvermüllung der Meere. Mit Japan, Island und Norwegen gibt es aktuell weltweit nur noch drei Walfang-Nationen, hinzu kommen die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln. Japan war 2019 aus dem internationalen Komitee ausgetreten und hat seitdem den kommerziellen Walfang wieder aufgenommen. Island hatte den Walfang 2006 nach 14-jähriger Pause wieder begonnen, Norwegen hatte das Moratorium von Beginn an nicht unterstützt. Alleine norwegische Jäger erlegten im vergangenen Jahr knapp 580 Zwergwale und damit die höchste Menge weltweit. Der größte Teil des von Norwegen und Island gejagten Walfleisches wird seit Jahren nach Japan exportiert. Lange hatte Japan den kommerziellen Walfang offiziell eingestellt und nur noch den Fang für wissenschaftliche Zwecke erlaubt. An dieser Darstellung zweifelten jedoch Kritiker weltweit. Denn welche angeblich wissenschaftlichen Zwecke hinter den großen Fangzahlen standen, wurde nie offiziell thematisiert.

Geschlachtete Weißseitendelfine auf den Färöern, wo jedes Jahr noch etwa 1000 Tiere getötet werden. Foto: Erik Christensen, CC BY-SA 3.0
Walfleisch in einem Restaurant in Bergen, Norwegen. Foto: Armin Kübelbeck, CC BY-SA 4.0

Die Nachfrage nach Walfleisch ist stark rückläufig.

So hielt sich auch das Erstaunen in Grenzen, als Japan 2019 den kommerziellen Fang wieder erlaubte. Die ältere japanische Bevölkerung kennt Walfleisch noch aus den Nachkriegsjahren, als mangels anderer Eiweißquellen Walfleisch auf dem Speiseplan der Schulkantinen stand. Die meisten jüngeren Japaner allerdings haben noch nie Walfleisch konsumiert – im Gegenteil, der Umweltund Artenschutz ist ein so wichtiges Thema, dass viele jüngere Menschen den Walfang ihres Landes offen kritisieren und in Frage stellen. So wundert es nicht, dass die Nachfrage stark rückläufig ist. Die offizielle kommerzielle Fangmenge ist geringer als zu Zeiten des aus wissenschaftlich begründeten Walfanges. Auch wenn vereinzelt auf Auktionen – ähnlich wie beim Handel mit Thunfisch – wahnwitzige Preise für Walfleisch erzielt werden, gibt es insgesamt doch mehr Fleisch, als verkauft werden kann. Das führte dazu, dass auch die Abnahmemenge für isländisches und norwegisches Walfleisch einbrach.

Getötete Entenwale auf den Färöern. Foto: Erik Christensen, Porkeri CC BY-SA 3.0
Walfangharpune. Goto: Stahlkocher, CC BY-SA 3.0

Island kündigte bereits an, die kommerzielle Waljagd ab 2024 nicht mehr zu unterstützen und die Fangquoten nicht zu verlängern.

Der wichtigste Grund hierfür dürfte die fehlende Nachfrage aus Japan sein. Auch in Island selbst hat Walfleisch keinen besonders guten Ruf: 84% der Bevölkerung gab in einer Umfrage einer internationalen Tierschutzorganisation an, noch nie Walfleisch gegessen zu haben. Nur 1% der Menschen auf Island aßen hingegen regelmäßig Walfleisch. Vor allem die japanische Walfangindustrie wird bis heute hauptsächlich durch Subventionen aufrechterhalten, die sich bisher auf etwa 40 Millionen Euro belaufen. Insider berichten jedoch, dass die japanische Regierung diese in den nächsten Jahren einzustellen plane. Dies wäre ein herber Schlag für die Walfangflotte und könnte das Ende des kommerziellen Walfangs einläuten. Gleichzeitig könnte ein solcher Schritt auch die internationale Walfangkommission IWC endgültig in eine Organisation zum Schutz der Wale transformieren.

 

Die IWC – ursprünglich eine Vereinigung der waljagenden Staaten – hatte mit dem Walfangmoratorium 1982 einen der noch immer größten Erfolge im internationalen Artenschutz erzielt.

Der Beschluss zum Schutz der Wale war 1986 in Kraft getreten und schützt seitdem die großen Meeressäuger, nachdem sie bis ins 20. Jahrhundert hinein so stark bejagt worden waren, dass eine Ausrottung teilweise kurz bevorstand. Mit großer Spannung schauen wir daher der nächsten IWC-Konferenz im kommenden Jahr entgegen und hoffen, dass die Erwartungen vieler Tier- und Umweltschützer endlich erfüllt werden und der Walfang weltweit beendet wird.