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Bullycat – extreme Qualzucht aus den USA
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Bullycat – extreme Qualzucht aus den USA

aktion tier informiert

Bullicats sind eine besonders bullige und faltige Kreuzung aus Shynx- und Munchkin- Katze. Foto: instagram.com/bullycatsuk
Die Gier der Menschen nach etwas Besonderem, Ausgefallenem macht auch vor Hunden und Katzen nicht Halt. Es erscheinen immer abnormere Kreationen von Tieren mit angezüchteten Defekten, die für eine außergewöhnliche Optik und lebenslange Qualen sorgen. Aktuelles trauriges Beispiel: die Bullycat.
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Die Nachfrage nach extrem aussehenden Haustieren fördert Qualzuchten, die online Aufmerksamkeit erregen und skrupellosen Züchtern hohe Gewinne bringen. Beispiele bei Katzen sind Perserkatze (kurze Nase, kurzer Kopf), Manx (schwanzlos), Scottish Fold (Kipp- und Faltohren) und Pudelkatze (Fellanomalie).

Die neuste Schöpfung im Qualzuchtsektor heißt Bullycat und stammt aus den USA. Angeblich war das Zuchtziel, eine der Hunderasse `American XL Bully´ ähnlich sehende Katze zu erschaffen, und tatsächlich haben die für viele Menschen eher schaurig aussehenden Bullycats mit ihren kurzen, gekrümmten Beinen und dem kompakten Körper, der von einer haarlosen, faltigen Haut überzogen ist, eine gewisse Ähnlichkeit mit diesen Hunden.

American Bully mit kupierten Ohren. Bild: © vlaaitje, pixabay
Bullycat. Bild: © screenshot tiktok

Mischlinge

Bullycats sind keine Rasse, sondern bewusst erzeugte Mischlinge aus Sphynx-Nacktkatzen und kurzbeinigen Munchkin-Katzen. Letztere sind in Europa nicht als Rasse anerkannt, da es sich größtenteils ebenfalls um Mischlinge handelt. Da ein Gendefekt die Ursache für die kurzen Beine ist, sterben bei der Verpaarung zweier kurzbeiniger Elterntiere die Embryonen mit 2 Kurzbein-Genen im Mutterleib ab. Daher wird zur Zucht immer eine Dackelkatze mit einer Katze ohne Genmutation gepaart.

Munchkin oder Dackelkatze mit angezüchteten Minibeinen. Foto: © 2METTG6_Dorling Kindersley ltd Alamy Stock
Sphynx- Katze. Foto: © Pixabay, Xaya

Das charakteristische Aussehen der Bullycats entsteht durch die Kombination des Haarlosigkeitsgens der Sphynx mit dem Kurzbeingen der Munchkin. Allerdings nur beim ersten Wurf, dessen Kitten sich auch relativ ähnlich sehen. Mit dieser ersten Kreuzungs-Generation wird in der Regel nicht weiter gezüchtet, da die Nachkommen meist wieder sehr unterschiedlich aussehen – eher wie Sphynx oder mehr wie Munchkin-Katzen. Züchter verwenden also immer aufs Neue die beiden Ursprungsrassen, um Bullycats zu produzieren.

Derartige Mischlings-Modetiere sind in der Regel nicht das Produkt von Profi-Züchtern, sondern werden meist von Privatpersonen produziert, die sich an keine Zuchtordnung halten und einfach vermehren, was das Zeug hält.

Bambino Katze: Nicht so bullige Kreuzungen aus Shynx- und Munchkin-Katze. Foto: © Linn Currie, shutterstock_67438024

Bullycat ist Bambino-Variante

Kreuzungen aus Sphynx- und Munchkin-Katzen gibt es unter dem Namen „Bambino“ bereits seit 2005. Bambinos, die ebenfalls zu den Qualzuchten zählen, sehen eher aus wie kurzbeinige Sphynx-Katzen mit relativ glatter Haut. Die jetzt unter dem Namen Bullycat kreierte Bambino-Variante ist dagegen extrem bullig, hat einen breiteren Kopf mit kleineren Ohren und sehr viele Hautfalten. Sie wird auch Bambino-Bully oder Bullbino genannt.

Qualzuchtmerkmale Bullycat

Die für die extreme Optik angezüchteten Defekte verursachen den Tieren lebenslange Schmerzen und Leiden. Außerdem sind Bullycats krankheitsanfällig und haben mit durchschnittlich 6 Jahren eine wesentlich geringere Lebenserwartung als etwa eine europäische Kurzhaarkatze, die bis zu 22 Jahre alt werden kann.

  • Wimpern fehlen: Die Augen der Bullycats sind nicht vor Staub, Schmutz oder Wasser geschützt und können schnell gereizt oder entzündet sein.
  • Tasthaare/Schnurrhaare (Vibrissen) fehlen: Bullycats fehlt ein wichtiges Sinnesorgan, wodurch sie sich z.B. im Dunkeln nur eingeschränkt orientieren und auch schlechter mit anderen Katzen kommunizieren können.
  • Kein Fell: Die nackten Bullycats sind vor Verletzungen, Kälte und Wärme sowie Wasserverlust kaum geschützt und können bei starker Sonneneinstrahlung leicht Sonnenbrand bekommen. Außerdem ist das Sozialverhalten gestört, da zum Beispiel das Sträuben des Fells wegfällt.
  • Hautfalten: Die zu große, faltige Haut kann von den Bullycats selbst kaum gereinigt werden und führt oft zu Ausschlag und zu durch Bakterien oder Pilze verursachten Infektionen.
  • Kurz- und Krummbeinigkeit: Durch die kurzen, deformierten Beine können sich Bullycats nur eingeschränkt bewegen und es ist mit Bandscheibenvorfällen sowie anderen Knochen- und Gelenkproblemen zu rechnen.
Die angezüchtete Optik verursacht ein Leben lang gesundheitliche Probleme. © screenshot tiktok
Von der geschmeidigen Beweglichkeit und dem verspielten Temperament, welches Katzen auszeichnet, ist bei den armen Bullycats nichts mehr zu merken. Bild: © screenshot Instagram

Ist die Haltung von Bully-Katzen in Deutschland verboten?

Nein, und es gibt auch keine Meldepflicht, denn die Ursachen für die Schmerzen und Leiden sind zuchtbedingt, nicht haltungsbedingt. Allerdings sind Bullycats wegen ihrer Beeinträchtigungen sehr pflegeintensiv und müssen aufgrund der erwartbaren Erkrankungen häufiger zum Tierarzt. Vernachlässigen Halter diese Pflicht, verstoßen sie gegen § 2 Tierschutzgesetz und machen sich strafbar.

Ist die Zucht von Bully-Katzen in Deutschland verboten?

Aus Tierschutzsicht sollte die Zucht von Bullycats verboten werden, da sie eine Mischung aus zwei Qualzuchten sind. Munchkin-Katzen leiden an einer vererbten Veränderung des Knorpelgewebes, welche zu den gewollt kurzen Beinen führt und gesundheitliche Probleme wie Bandscheibenleiden und Arthrose verursachen kann. Sphynx-Katzen haben eine genetisch bedingte Haarlosigkeit, die unter anderem Wärmeverlust und eine stärkere Neigung zu Pilzbefall nach sich zieht.

Obwohl Bullycats aus zwei Defektzuchten hervorgehen, selbst viele Qualzuchtmerkmale aufweisen und unter nachweislichen Gesundheitsproblemen leiden, liegt die Frage nach der Zuchterlaubnis in Deutschland aufgrund der schwammigen Gesetzeslage im Ermessen der Veterinärämter und Richter.

Was sagt das Tierschutzgesetz?

Laut Tierschutzgesetz §11b (Qualzuchtparagraph) ist die Zucht von Wirbeltieren verboten, wenn Nachkommen erblich bedingt Schmerzen, Leiden oder Schäden erleiden, ihr Sozialverhalten beeinträchtigt wird oder ihre Haltung nur unter Schmerzen möglich ist. Der Gesetzestext bleibt jedoch vage, und das veraltete Gutachten des BMELF von 1999 zur Auslegung des Qualzuchtparagraphen ist ebenfalls wenig hilfreich.

Völlig unverständlich ist beispielsweise, dass darin die Zucht von Nacktkatzen nicht generell als Verstoß gegen §11b gewertet wird. Nur das Fehlen von Tasthaaren (Vibrissen) bei diesen Tieren gilt als eindeutig erbliches Qualzuchtmerkmal, das Leiden und Verhaltensstörungen verursacht. Das Gutachten empfiehlt ein Zuchtverbot, welches durch das Veterinäramt angeordnet werden kann, einschließlich der Unfruchtbarmachung der Tiere. Verstöße gegen ein solches Verbot gelten als Ordnungswidrigkeit nach §18 TierSchG und können mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro geahndet werden.

Bei den tasthaarlosen Bullycats ist anzunehmen, dass deutsche Amtstierärzte die Zucht ebenfalls untersagen würden – sofern sie davon erfahren.

2008 hatte aktion tier eine Qualzucht von Peakeface-Perserkatzen aufgedeckt, die daraufhin verboten wurde. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Informationen? Nein danke!

Trotz leicht zugänglicher Informationen bleibt die Nachfrage nach Extremzuchten wie Bulldoggen, Möpsen, Chihuahuas, Perserkatzen, ScottishFold-Katzen oder Nacktkatzen ungebrochen. Interessenten ignorieren bewusst Warnungen und suchen stattdessen Quellen, die die Problematik verharmlosen und die Vorzüge dieser Tiere betonen. Das Internet ist voll davon. Besitzer von Bullycats posieren dort stolz mit den armen Tierchen und schwärmen von ihren angeblich kerngesunden und idealen Hausgenossen.

Verbreitung im Internet

Extreme Tiere wie die Bullycat bekommen im Internet immer viel Aufmerksamkeit und werden auf Plattformen wie TikTok, Instagram und Facebook weltweit verbreitet. Einzelne Beiträge über Bullycats erzielen zum Teil über 200.000 positive Bewertungen (Likes). Erschreckend, wie viele Menschen diese gehandicapten Tiere „so süß“ und „superniedlich“ finden. Ein Grund hierfür könnte sein, dass die meisten Extremzuchten wie auch die nackten, mit ihren kurzen Beinchen recht hilflos wirkenden Bullykatzen einem gewissen Kindchenschema entsprechen. Außerdem haben Psychologen festgestellt, dass das, was man häufig sieht, gemocht wird. Daher fördert schon allein eine hohe Medienpräsenz von Qualzuchten deren Beliebtheit. Und was gerade „gehyped“ wird, weckt bei vielen Menschen den Wunsch, es auch zu besitzen. Sei es Dubai-Schokolade oder eben ein faltiges „Nacktmonster“.

Posts von Bullycats erhalten zum Teil über 200.000 Likes. © screenshot Instagram

Qualzucht stoppen

Aufgrund der unbefriedigenden Rechtsgrundlage und dem großen Ermessensspielraum der Amtstierärzte, welche offensichtlich immer in Einzelfällen entscheiden, was eine Qualzucht ist und diese dann vielleicht mit einem Zuchtverbot belegen, kommt es zu massiven VollzugsDefiziten. Wir empfehlen daher, den Sumpf der Qualzüchtungen auszutrocknen. Denn nur die mangelnde Nachfrage und der fehlende Absatz wird Vermehrer davon abhalten, weiter Tiere zu produzieren, die dazu verdammt sind, ein kurzes, leidvolles Leben zu ertragen.

Die Französische Bulldogge gehört zu den 10 beliebtesten Hunderassen, obwohl sie eine Qualzucht ist. © Ursula Bauer

Das können Sie tun

  • Keine Extremzucht-Tiere kaufen, auch nicht aus Mitleid.
  • Vor der Anschaffung eines Tieres bei einem Tierarzt über rassetypische Probleme informieren.
  • Keine Likes für Qualzüchtungen und keine Weiterverbreitung entsprechender Inhalte.
  • Verdachtsfälle von Bullycat-Zucht oder -Verkauf in Deutschland beim Veterinäramt anzeigen.