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Arme Trixie
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Arme Trixie

aktion tier ZOSSEN, Brandenburg

Trixie im Tierheim Zossen. Foto: © aktion tier e.V./Bauer
Im Grunde könnte dieser Artikel auch mit „Armer Hugo“, „Armer Ajax“ oder „Arme Mona“ überschrieben sein, denn all diese Hunde sind im Tierheim gelandet. Passten aus diversen Gründen nicht mehr in das Leben von Herrchen und Frauchen, mussten weg, waren arm dran.
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Jeder einzelne Hund hätte es verdient, dass man über ihn schreibt, seine individuelle Geschichte erzählt, in der wir Menschen nie eine ruhmreiche Rolle spielen. Einzelschicksale bringen uns zum Nachdenken und wecken Mitgefühl. Und führen vielleicht dazu, dass wir selbst aktiv werden und uns tierschutzbewusst verhalten.

Stellvertretend für alle benachteiligten Tierheimhunde berichte ich über Trixie. Eine kleine Hündin, bei deren Anblick die meisten Menschen nicht in Verzückung geraten. Mit ihrem insgesamt sehr schütteren Haarkleid und dem fast nackten Hinterteil erweckt sie bestenfalls Mitleid. Das Aussehen ist allerdings genetisch bedingt. Trixie ist ein Nackthund-Mischling. Wahrscheinlich war ein Elternteil ein Chinesischer Schopfhund.

Dieses seltsame Wesen saß im vergangenen Sommer an einem heißen Tag in einem kleinen brandenburgischen Dorf unter einem Auto. Knurrte und biss um sich, so dass der Versuch, den kleinen Hund einzufangen, schnell aufgegeben wurde. Stattdessen rief man bei aktion tier ZOSSEN an, und unsere Mitarbeiterin Claudia Böhme schaffte es, den kleinen Fundhund mit einem Kescher zu erwischen. Im Tierheim waren wir dann über den Grad der Verwahrlosung entsetzt. Die etwa 7 Jahre alte Trixie war nicht nur stark abgemagert. Sie litt auch unter heftigem Flohbefall sowie einer beidseitigen Bindehautentzündung mit eitrigem Ausfluss. Ihr Fell war verfilzt und die Krallen extrem lang. Im Maul der Hündin wurde nicht nur massiver Zahnstein und eine starke Entzündung des Zahnfleischs festgestellt. Zwischen den Zähnen des Unterkiefers klebte auch noch ein großer, mit Futterresten vermischter Filzballen.

Der Chinesische Schopfhund wird in zwei Varianten gezüchtet. Eine mit und eine ohne Fell. Aber auch der „Hairless (haarlos)-Typ“ ist nicht vollständig nackt, sondern besitzt Haare am Kopf, Schwanz und an den Pfoten.

Chinesische Schopfhund. Foto: © Ursula Bauer

Trixie wurde umgehend tierärztlich versorgt, und schließlich meldeten sich auch die Besitzer. Es stellte sich heraus, dass die Hündin von klein auf bei einer alten Dame gelebt hatte, die in den letzten Jahren zunehmend dement wurde und sich daher immer weniger um ihr Tier gekümmert hat. Schließlich nahmen Verwandte die Hündin zu sich, und bei einem Spaziergang war Trixie dann weggelaufen. Da die neuen Besitzer den ungepflegten, kranken und im Umgang eher schwierigen Hund im Grunde auch nicht behalten wollten, waren sie froh, ihn an uns abgeben zu können.

Jetzt lebt Trixie auf einer Pflegestelle. Foto: © Ursula Bauer
Behandlung der Bindehautentzündung. Foto: © Ursula Bauer
Das verfilzte Fell wird geschnitten. Foto: © Ursula Bauer
Zahnstein, Zahnfleischentzündung, verklumpte Futterreste: Kein Wunder, dass Trixie starken Mundgeruch verströmte. Foto: © Ursula Bauer
Da Trixie wenig Bewegung hatte, waren ihre Krallen extrem lang gewachsen. Foto: © Ursula Bauer

Dass die Hündin derart verwahrloste, hätte verhindert werden können. Leider haben sich die Verwandten viel zu spät eingeschaltet. Wir versuchten im Tierheim mehrere Monate lang, nicht nur die körperliche, sondern auch die seelische Gesundheit des Hundes wiederherzustellen. Mit mäßigem Erfolg, denn vom Verhalten her ist Trixie bis heute sehr ängstlich und übervorsichtig. Versuche, sie zu streicheln, beantwortet sie mit Knurren und Zähne fletschen und schnappt auch zu, wenn ihr eine Hand zu nahe kommt. Für eine Vermittlung erschwerend kommt hinzu, dass Trixie nicht stubenrein ist und wegen diverser Krankheiten täglich Medikamente verabreicht werden müssen.

Umso glücklicher sind wir, dass sich Mitte November eine Tierfreundin als Pflegestelle angeboten hat und den Hund bei sich aufnahm – mitsamt allen Defiziten. Diese Frau gehört zur äußerst seltenen und vom Aussterben bedrohten Spezies der Selbstlosen. Denn sie betreut immer wieder ganz bewusst alte, kranke und schwierige Tiere liebevoll bis zu deren Tod. Wir sind sehr dankbar, dass Trixie das Glück hatte, einem solchen Menschen zu
begegnen.