Happy End für die Polarfüchse Bonnie und Clyde
aktion tier Reptilienschutzzentrum Brandenburg
Denn die beiden sind bei Marko Hafenberg im aktion tier-Reptilienschutzzentrum in Brandenburg gelandet. Dort leben nicht nur Schlangen und Echsen, sondern auch diverse Säugetiere. Es sind alles Tiere aus schlechter Haltung, die hier artgerecht untergebracht und betreut werden. Manchmal vorübergehend, bis ein endgültiges Zuhause gefunden wurde. Oft aber auch dauerhaft, da niemand dazu bereit ist, die teilweise recht hohen Ansprüche der meist exotischen Tiere zu erfüllen.
Den Preis für die schlechte Haltung zahlen immer die Tiere
Unsere beiden Polarfüchse wurden zusammen mit einigen weiteren Leidensgenossen in kleinen Drahtkäfigen in einem dunklen Schuppen gehalten. Die Pelze von Polarfüchsen lieferten dem Halter schon seit vielen Jahren einen schönen Nebenverdienst. Schließlich konnten ihn Bekannte von Marko Hafenberg dazu bewegen, diese illegale und tierquälerische Zucht aufzugeben. Wahrscheinlich war es weniger die Einsicht als vielmehr die Angst vor einer Anzeige, die den ehemaligen Landwirt dazu bewegte, die Tiere herauszugeben. Bis auf Bonnie und Clyde mussten alle Füchse aufgrund von Krankheiten und Verletzungen eingeschläfert werden. Auch bei den beiden Überlebenden hat die üble Haltung in Drahtkäfigen dauerhafte körperliche Schäden hinterlassen. Vor allem der Rüde hat stark deformierte Vorderbeine und Probleme beim Laufen. Um die Auflagefläche im Käfig möglichst groß und somit weniger schmerzhaft zu halten, hat Clyde seine Füße so lange verbogen, bis sie irgendwann in dieser Fehlstellung geblieben sind. Neben schweren Verletzungen wie offene Wunden, abgebissene Schwänze und fehlende Augen sind verformte Beine eine der häufigsten Folgen der Haltung in engen Drahtkäfigen. Außerdem sind beide Polarfüchse aufgrund des Bewegungsmangels ziemlich übergewichtig.
Kleine Nebenerwerbs-Pelztierzuchten sind in Deutschland immer noch vereinzelt anzutreffen. Allerdings werden meistens die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllt, sondern die Tiere in zu kleinen Drahtkäfigen in dunklen Kellern, Scheunen oder Ställen für Dritte nicht sichtbar gehalten. Ein Fuchskäfig beispielsweise müsste eine Grundfläche von mindestens drei Quadratmeter pro Tier sowie Grabmöglichkeiten aufweisen. Das ist den meisten Züchtern von Füchsen, Nutrias, Marderhunden, Nerz & Co. jedoch zu aufwändig und zu teuer. Außerdem hat man die Tiere ja schon immer so gehalten, und schließlich merkt es ja niemand.
Entstehung der Kleintierzucht
Nach dem Ende des ersten Weltkriegs herrschte Not und Unsicherheit in der Bevölkerung. So begannen viele Menschen mit der Kleintierzucht. Vorrangig zur Selbstversorgung, Überschüsse wurden meistens auf den lokalen Märkten angeboten. Während anfangs vor allem Ziegen, Kaninchen, Geflügel und Bienen in kleinem Umfang gehalten und gezüchtet wurden, kamen im Laufe der Zeit Hunde, Fische, Seidenraupen und Pelztiere hinzu.Gerade die Pelztierzucht im Nebenerwerb wurde bis in die 90er Jahre hinein stark beworben. Ich erinnere mich noch an Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, in denen Pelzhändler Privatpersonen gesucht haben, die Pelztiere in kleinen Käfigen im Keller oder Schuppen halten würden. Das Ganze wurde als kinderleicht und lukrativ angepriesen. Im Rahmen eines Praktikums entdeckte ich Anfang der 1980er Jahre dann voller Entsetzen auf einem kleinbäuerlichen Anwesen übereinandergestapelte Drahtkäfige mit etwa 10 Nutrias in einem dunklen Stall. Der Halter ließ sich nicht überreden, die Tierquälerei zu beenden, woraufhin ich den Hof verließ.
Ende gut, alles gut.
Wahrscheinlich werden die beiden Polarfüchse Bonnie und Clyde bei Marko Hafenberg alt werden, denn in der Regel können Privatpersonen die Vorgaben des Säugetiergutachtens zur Haltung von Hundeartigen, zu denen auch alle Füchse zählen, nicht erfüllen. Während bei der Haltung als Pelzlieferant (also als Nutztier) die Regeln der Tierschutz-Nutztierverordnung greifen, sind bei einer haustierähnlichen Privathaltung die Vorschriften des Säugetiergutachtens zu erfüllen. Hier ist unter anderem ein Gehege von mindestens 30 Quadratmeter pro Polarfuchspaar vorgeschrieben. Bei Marko haben die Füchse sogar noch mehr Platz. Das Gehege ist außerdem vielfältig strukturiert und mit Versteck- und Beschäftigungsmöglichkeiten ausgestattet. Täglich gibt es artgerechtes Futter und menschliche Zuwendung. Denn alle Mitarbeiter lieben die pummeligen Fellbündel und verbringen gerne Zeit bei den zutraulichen Tieren.
Die Nutria
Die ursprünglich aus Südamerika stammende Nutria, die auch Sumpfbiber oder Biberratte genannt wird, wurde seit 1926 in deutschen Pelzfarmen gehalten. Bereits 1930 wurden hierzulande Exemplare in freier Wildbahn gesichtet. Nachkommen dieser Gefangenschaftsflüchtlinge sind inzwischen in ganz Deutschland anzutreffen. Die Nutria ist in der Liste der invasiven, gebietsfremden Arten der Europäischen Kommission von 2016 aufgenommen worden. Daher ist die Einfuhr und Zucht dieser Tiere verboten.