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Der Impfpass – ein Buch mit sieben Siegeln
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Der Impfpass – ein Buch mit sieben Siegeln

Aus der Tiermedizin

Allen Pässen ist gleich, dass der Tierbesitzer keinerlei Eintragungen vornehmen darf! Das ist allein dem Tierarzt vorbehalten.
Kaum ein Tierbesitzer hat den vollen Durchblick. Versucht er, die Einträge im Impfpass seines Tieres zu verstehen, versteht er meistens nur eines – Bahnhof. Deshalb hier nun der Versuch, Klarheit zu schaffen. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Typen von Impfausweisen. Die einen sind meist gelb, die anderen blau. Die gelben Pässe stellen die einfachere Variante dar. Sie sind für Tiere, die Deutschland nicht verlassen, völlig ausreichend.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Die blauen Pässe benötigen Tierhalter, die mit ihrem Vierbeiner ins Ausland reisen möchten. Sie werden offiziell als Heimtierausweis bezeichnet. In diesem blauen Ausweis sind nicht nur die Impfungen verzeichnet, die das Tier bis dato bekommen hat. Darüber hinaus ist er gleichsam eine Art Reisepass für das Haustier. Jeder einzelne blaue Pass hat eine eigene Nummer, die am unteren Rand auf jeder Seite des Ausweises aufgedruckt ist. Mit seiner Hilfe können Tiere zweifelsfrei identifiziert werden. Denn im Ausweis ist neben den Impfungen auch die Nummer des Mikrochips verzeichnet, den das Tier trägt. Nur gechippte Hunde und Katzen bekommen auch den blauen Ausweis und dürfen ins Ausland reisen.

Beiden Passarten ist gemein, dass die am Tier vorgenommenen Impfungen mittels kleiner Aufkleber dokumentiert sind. Diese Aufkleber findet der Tierhalter auf den Seiten des Passes, die nach den Angaben zum Tier folgen. Nicht immer stehen alle Eintragungen direkt untereinander. Bei manchen Pässen muss man bisweilen weit nach hinten blättern, um noch Einträge zu finden. Das liegt daran, dass in einigen Pässen die Impfungen nach der jeweiligen Krankheit aufgeschlüsselt und auf verschiedenen Seiten zu finden sind.

Die im Pass befindlichen Aufkleber stammen ursprünglich von den Impffläschchen.

Der Tierarzt zieht die Impfspritze aus dem Fläschchen auf, injiziert die Vakzine und löst im Anschluss den Kleber vom der Impfflasche und klebt ihn in den Pass. So kann genau nachvollzogen werden, welches Tier welchen Impfstoff erhalten hat. Das ist im Falle einer Impfreaktion wichtig. Dies kommt glücklicherweise aber extrem selten vor. Anhand dieses Abziehaufklebers kann der Fachmann nun entschlüsseln, was geimpft wurde. Für den Laien ist das nicht ganz so einfach. Zunächst findet er immer den Namen des Herstellers auf dem eingeklebten Etikett. Darüber hinaus wird er auf eine Buchstabenkombination, eine Chargenbezeichnung und ein Haltbarkeitsdatum, bis zudem der Impfstoff verwendet werden darf, stoßen. Die Buchstabenfolge kann beim Hund zum Beispiel SHP sein. Dahinter verbirgt sich gegen welche Krankheiten eigentlich geimpft wurde. In diesem Fall ist das dann eine Impfung gegen Staupe, Hepatitis und Parvovirose. Es handelt sich also um die jeweiligen Anfangsbuchstaben der betreffenden Krankheiten. Möchte man genau wissen, welche Impfungen das Haustier nun schon bekommen hat, gibt man die Aufschrift am besten in eine Suchmaschine im Internet ein. Die spuckt dann in aller Regel genau aus, wogegen geimpft wurde. Dies funktioniert meistens sogar bei im Ausland durchgeführten Impfungen. Im Zweifelsfall hilft auch der Tierarzt beim Entschlüsseln der Impfaufkleber.

Rechts oder links dieser eingeklebten Eintragungen finden sich im Pass immer Daten, die entweder eingestempelt oder von Hand eingetragen wurden. In jedem Fall steht das Datum dabei, an dem geimpft wurde. Aufwändiger gestaltete Pässe bieten immer auch ein weiteres Feld, in dem verzeichnet wird, wie lange die Impfung Gültigkeit besitzt. Im Heimtierausweis findet sich darüber hinaus bei der Tollwutimpfung noch ein drittes Feld. Hier wird eingetragen, ab wann die Tollwutimpfung tatsächlich vor Tollwut schützt. Dies ist dann auch zeitgleich das Datum, ab wann das Tier reisen darf.

Abkürzungen für die gängigen Impfungen im Impfausweis

Hund
L= Leptospirose
L4 = Leptospirose mit 4 Unterarten
T oder R = Tollwut
S = Staupe
H = Hepatitis
P = Parvovirose
Pi = Parainfluenza

Katze
R = Rhinotracheitis durch Herpesvirus (Katzenschnupfen)
C = Calicivirus (ebenfalls Katzenschnupfen)
P = Parvovirose (Katzenseuche)
T oder R = Tollwut
FeLV = feline Leukose
Chlam = Chlamydien

Kaninchen
RHD 1 = Rabbit Haemorrhagic Disease 1
RHD 2 = Rabbit Haemorrhagic Disease 2
Myxo = Myxomatose

Impfung gegen Leischmaniose für Hunde, die Mittelmeeranrainerstaaten besuchen. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Impfung gegen Hepatitis, Staupe, Parvovirose und Grundimmunisierung alle drei Jahre fällig. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Leptospirose muss jedes Jahr nachgeimpft werden. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Oberes Datum: Impfdatum. Unteres Datum: Fälligkeitsdatum für die nächste Impfung. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Tollwut verschiedener Hersteller … Foto: © Alexandra Pfitzmann
… hier plus Leptospirose. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Stempel der Praxis und Unterschrift des Tierarztes, der geimpft hat. Foto: © Alexandra Pfitzmann