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Koppen und Weben
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Koppen und Weben

Wenn Pferde „Nägel kauen“ …

Foto: Paulbr. CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)
Auch wenn es lustig aussieht, es ist es nicht. Das Pferd hält den Kopf etwas gesenkt und nach vorne gestreckt und verlagert dabei sein Gewicht immer von seinem linken Vorderbein auf sein rechtes und umgekehrt. Dabei schwenkt der Kopf hin und her wie das Pendel einer Schwarzwälder Kuckucksuhr, nur langsamer. Das Ganze geht nicht nur Minuten, sondern manchmal Stunden so. „Weben“ nennt der Fachmann diese Bewegung. Hierbei handelt es sich um eine Verhaltensstörung, die sich entwickelt, wenn das Leben der Pferde zu eintönig verläuft, ähnlich wie ein Löwe stundenlang in seinem Käfig auf- und abtigert, um etwas gegen seine Langeweile im Zoo zu unternehmen.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Es handelt sich hierbei um eine Übersprungshandlung, um die angestaute Energie loszuwerden, die sich im Tierkörper befindet. Entdeckt der Pferdefreund diese Verhaltensweise an seinem Liebling, ist das ein Alarmzeichen. Denn durch das Weben wird nicht nur offensichtlich, dass es dem Pferd psychisch nicht gut geht. Langfristig schadet die monotone Bewegung auch den Hufen und Gelenken.

Neben dem Weben gibt es noch eine weitere Verhaltensauffälligkeit bei Pferden, die recht häufig zu sehen ist: das „Koppen“. Auch das sieht beinahe komisch aus. Das Pferd setzt die Schneidezähne des Oberkiefers auf der Boxenwand oder den Koppelzaun auf, schluckt Luft und rülpst dabei ordentlich. Was auf den ersten Blick wie schlechte Manieren wirkt, ist in Wahrheit eine Verhaltensstörung, die vor allem auch auf Langeweile oder aber Stress zurückzuführen ist. Da diese Unart schädlich für die Zähne ist und sich durch das Luftschlucken folgenschwere Koliken entwickeln können, versuchen viele Tierbesitzer durch sogenannte „Koppriemen“ um den Hals das Koppen zu unterdrücken. Einige Pferdehalter lassen ihr Tier sogar operieren. Dabei werden die Halsmuskeln durchtrennt, die das Tier braucht, um überhaupt Koppen zu können. Neuere Untersuchungen raten von Koppriemen und diesen operativen Eingriffen jedoch eindeutig ab. Es hat sich herausgestellt, dass Kopper zwar insgesamt empfindlicher auf Stress reagieren, aber es konnte auch eindeutig belegt werden, dass sie eben diesen Stress durch das Koppen abbauen.

Deshalb sollte man Kopper besser koppen lassen und zeitgleich versuchen, die Ursache für das Koppen zu finden und zu beseitigen. Denn wie eigentlich immer ist es auch beim Koppen und Weben falsch, die Symptome zu unterdrücken. Besser man packt das Übel bei der Wurzel. Verbessert der Pferdefreund die Lebensumstände der Vierbeiner, dann lässt sich auch das unerwünschte Verhalten reduzieren. Viel Weidegang ist ein Grundpfeiler der Therapie. Ausreichend Rohfaserfütterung und abwechslungsreiches Training, das das Pferd nicht überfordert, runden die optimale Pferdehaltung ab. Dann gehören Koppen und Weben der Vergangenheit an, und Ross und Reiter sind glücklich.