13 Katzen vor die Tür gesetzt …
aktion tier Kitty
Wir verabredeten uns vor Ort, um die Situation besser einschätzen zu können. Normalerweise werden solche Fälle immer dramatischer beschrieben als sie in Wirklichkeit sind und somit fuhren wir mit gemischten Gefühlen los. Vor Ort mussten wir feststellen, dass die Situation genauso schlimm war (wenn nicht noch schlimmer), wie die Tierfreundin am Telefon beschrieben hatte. Vor einem Mehrfamilienhaus lungerten Katzen herum, die extrem abgemagert waren. Die Tiere wogen größtenteils um oder unter 2 Kilo. Eine normale Hauskatze hat ein Gewicht von ca. 4 Kilo. Die Katzen waren größtenteils sehr nett und zutraulich und versuchten permanent durch die Eingangstür wieder ins Haus zu kommen. Zunächst versuchten wir Kontakt mit dem Besitzer aufzunehmen, der in einer Kellerwohnung in dem Haus wohnt. Nach mehrmaligem Schellen kam er dann auch vor die Tür, sehr zur Freude der zahlreichen Katzen, die ihm um die Beine schnurrten und in die sichere Wohnung zurück wollten. Wir fragten ihn, ob das seine Katzen sind. Er erklärte uns, dass sie in seiner Wohnung gelebt haben und ihm und seiner Ex Freundin gehört haben. Seine Freundin habe sich von ihm getrennt, er sei schwer krank und musste ins Krankenhaus. Da er nicht wusste wohin mit den Katzen, hat er alle 13 Wohnungskatzen (!) vor die Tür gesetzt. Er habe kein Geld, um sie zu füttern und zu versorgen und außerdem würden sie eh seiner Ex Freundin gehören.
Wie so oft im Tierschutz hörten wir also das Argument, dass er nicht verantwortlich ist, weil es nicht seine Tiere sind. Dass die Tiere hungernd, durstend und vollkommen auf sich allein gestellt den ganzen Tag vor seiner Tür und seinen Fenstern sitzen, schien ihn nicht wirklich zu tangieren. Es handelte sich bei den 13 Katzen um 11 Kätzinnen und zwei Kater. Alle Tiere bis auf einen Kater waren unkastriert. Ich fragte den Besitzer wie sie das gemacht haben in der Kellerwohnung mit so vielen unkastrierten Tieren. Er zuckte nur die Schulter und äußerte sich dazu nicht weiter. Dass dort eine unkontrollierte Vermehrung stattgefunden haben musste, steht für uns außer Frage.
Ein Fall für das Veterinäramt
Da es sich bei diesem Fall um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz handelt, kontaktierten wir umgehend das Veterinäramt, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Der Amtsveterinär beauftragte uns mit der Aufnahme der Tiere in unserer Kitty Station. Somit fingen wir kurzfristig an, die Katzen abzufangen. Leider konnten wir von den 13 Katzen nur 9 aufnehmen, da die anderen nicht mehr auftauchten. Wir hoffen sehr, dass auch diese Katzen ein Zuhause gefunden haben und ihnen nichts zugestoßen ist.
Ein Verfahren gegen die ehemaligen Besitzer ist eingeleitet worden.
Nach dem Einfangen der Tiere fuhren wir zunächst zu unserem Tierarzt, um eine gründliche Untersuchung durchführen zu lassen. Dort wurde bei fast allen Katzen ein extremes Untergewicht festgestellt, außerdem Befall mit Endo- und Ektoparasiten, massiver Giardienbefall sowie Zahnentzündungen. Eine Katze hatte so massive Mittelohrentzündungen, dass sie eine Schiefkopfhaltung entwickelt hatte. Weiterhin noch Ohr- und Rachenpolypen, Husten… Alle Katzen waren zunächst sehr traumatisiert. Wer kann ihnen das auch verübeln. Als reine Wohnungskatzen einfach so vor die Tür gesetzt und plötzlich auf sich allein gestellt zu sein, war für diese Tiere ein enormer Schock. Die Haltung vorher war auch alles andere als optimal, lebten dort doch 13 Katzen in einer Kellerwohnung unkastriert zusammen. Wieviel Stress, Dauerrolligkeit, Streitigkeiten unter den einzelnen Tieren und auch die schlechte Versorgung durch die Besitzer den Alltag bestimmten, kann man sich gut vorstellen. Bei den Besitzern handelt es sich um arbeitslose Menschen, die nicht über den finanziellen Background verfügen, der für eine gute Tierhaltung unerlässlich ist. Jeder Katzenhalter weiß, wieviel gutes Streu, Futter und Tierarzt für seine Tiere kosten, und wenn man das dann für 13 Katzen aufbringen muss, ist das schon eine hohe finanzielle Belastung.
Die Katzen fassten langsam wieder Vertrauen …
Nach einigen Tagen entspannten sich die Tiere bei uns und fingen an, die „All Inclusive“ Versorgung zu schätzen. Für uns ist es immer eine besondere Freude solchen Tieren dabei zu zusehen, wie sie langsam wieder Vertrauen fassen und sich von den körperlichen und seelischen Strapazen erholen. So nahmen sie täglich ein paar Gramm zu und fingen auch langsam wieder an, ein normales Fressverhalten zu entwickeln. Waren sie die ersten Tage nur damit beschäftigt sich auf ihr Futter zu stürzen bzw. es vor den anderen Katzen zu verteidigen, so wurden sie immer entspannter und ließen auch mal Futter übrig.
Nach der Erholungsphase wurden die Tiere kastriert und dann geimpft. Es war toll zu sehen, wie sie immer netter im Umgang untereinander und mit uns wurden. Gerade bei den unkastrierten Kätzinnen sorgen die Hormone immer wieder für Unstimmigkeiten in der Gruppe, die oft eskalieren und zu Verletzungen untereinander führen. Nach der Kastration brauchen die Tiere zwischen 4 bis 6 Wochen, um ins Gleichgewicht zu kommen und sind dann meist verträglicher und umgänglicher. Wir entdeckten die verschiedenen Charaktere in der Gruppe. Ob es die ruhige Finja war, die immer ihr Ding alleine machte und die anderen überhaupt nicht wahrnahm. Sie freute sich sehr über menschliche Zuwendung und genoss es, satt und still am Fenster zu sitzen und die Vögel zu beobachten. Oder unser Schiefköpfchen Ellie, sie war die lustigste in der Gruppe, immer am Spielen, Springen und Toben, wenn etwas los war, war sie immer dabei. Für acht der neun Tiere konnten wir schon ein neues Zuhause finden. Vier Katzen konnten jeweils zu zweit in ihr neues Zuhause ziehen, vier weitere wurden einzeln vermittelt. Wir haben guten Kontakt mit den neuen Besitzern. Sie sind alle sehr glücklich mit ihren neuen vierbeinigen Familienmitgliedern und wissen sie sehr zu schätzen. Wir freuen uns von Herzen, dass wir diesen armen Tieren so gut helfen konnten. Diese Hilfe ist nur durch Menschen wie Sie, liebe Leser, die unsere Arbeit unterstützen, möglich! Im Namen von all diesen armen Katzen sagen wir DANKE!
Junior sucht noch ein Zuhause!
Der einzig verbliebene der Gruppe ist unser lieber Kater Junior. Für ihn suchen wir ein geeignetes Zuhause ohne andere Katzen, mit Freigang und ganz viel Menschenkontakt. Er ist ca. 5 Jahre alt und ein wundervoller, sensibler, stattlicher Kater. Vielleicht haben Sie auf Ihrem Sofa noch einen Platz frei für ihn?
Kontaktadresse!
Kitty Forum Paderborn
Gogrevenstr. 38
33100 Paderborn
Tel.: 0178 2375424
Mail: susan.smith(at)aktiontier.org
Besuch in der Paderborner Kitty Station
Am 11. Dezember besuchte uns das aktion tier Aufklärungsteam Hannover in unserer Paderborner Kitty Station. Die Kollegen konnten sich dort ein Bild von unserer Arbeit machen und einige unserer Schützlinge kennen lernen. Das Paderborner Kitty Forum hat im Jahr 2018 fast 400 Katzen kastriert und tierärztlich behandeln lassen. Für die Kollegen war es interessant, sich über die Arbeitsabläufe unserer Kastrationsaktionen vor Ort zu informieren um so interessierten Menschen bei der täglichen Aufklärung besser Rede und Antwort stehen zu können. Wir haben uns über den Besuch sehr gefreut und hoffen einen guten Einblick in die Projektarbeit gegeben zu haben.