Millionen Küken werden jährlich geschreddert
Verbraucherschutztipps
Sogenannte „käfiglose“ Alternativen, also Boden-, Freiland- und Ökohaltung, gewinnen seit Jahren riesige Marktanteile. Mit über 60% ist dabei die Bodenhaltung die Haltungsform mit den meisten Hennen. Vor wenigen Jahren sah das noch ganz anders aus: 2008 stammten etwa zwei Drittel aller deutschen Eier aus der Kleingruppenhaltung, noch ein paar Jahre früher wurden mehr als 90% der Eier in Käfigen gelegt. Doch trotz des Bewusstseinswandels und der Einführung von strengeren Anforderungen an die Haltung von Legehennen ist die Lust auf Eier in den letzten zehn Jahren stetig gestiegen. Rund 40 Prozent aller Legehennen in Deutschland leben in riesigen Betrieben mit mehr als 100.000 oder sogar mehr als 200.000 Tieren, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein- Westfalen.
Jedes Jahr trifft dieses grausame Schicksal fast 50 Millionen männliche Küken. Diese Zahl ist so unglaublich, dass nicht nur Tierschützer seit Jahren Sturm laufen. Auch die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt und verspricht seit langem, dem sinnlosen Massensterben einen Riegel vorzuschieben. Unter anderem hatte der damalige Bundesagrarminister Christian Schmidt mehrfach ein Ende des Kükenschredderns bis zum Jahr 2017 versprochen, doch dieses Versprechen konnte er nicht einhalten. Auch im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung wurde festgehalten, dass die grausame Praxis beendet werden soll, und zwar bis zur Mitte der Legislaturperiode (also etwa 2019). Eine von Wissenschaftlern der Universitäten Dresden und Leipzig entwickelte Technik soll dafür die Grundlage liefern. Offenbar steht diese nun kurz vor der Einführung. Sie soll ermöglichen, das Geschlecht des Kükens schon vor dem Ausbrüten festzustellen, damit männliche Küken sich gar nicht mehr entwickeln (und getötet werden „müssen“). Mit Hilfe eines Lasers soll dabei ein winziges Loch in die Eischale gebrannt werden, durch das Flüssigkeit entnommen werden kann. In der Eiflüssigkeit lassen sich schon zu Beginn der Brütezeit Geschlechtshormone feststellen, und nur noch weibliche Eier sollen dann ausgebrütet werden. Einerseits verspricht dieses Verfahren, das Kükenschreddern tatsächlich abzulösen. Andererseits aber müssen die Eier trotzdem weiter gelegt werden. Die Belastung für Legehennen bleibt also unverändert hoch. Ob der Detektor tatsächlich in großem Stil eingeführt werden kann, ist zudem weiterhin ungewiss.
Eine Legehenne wird meist nur wenig mehr als ein Jahr für die Eierproduktion genutzt, dann ist ihr Körper ausgelaugt. So werden nicht nur ständig Eier für den Verzehr produziert, sondern auch Eier benötigt, aus denen Nachwuchs für die großen Legefarmen schlüpfen soll. Doch naturgemäß werden nicht nur weibliche, sondern auch männliche Küken ausgebrütet. Diese aber sind für die Eierproduktion wertlos, auch als Masthähnchen eignen sie sich nicht und werden daher direkt nach dem Schlüpfen getötet. Vor allem aus Kostengründen werden sie vergast oder geschreddert.
Bei Initiativen wie dem Bruderhahn- Prinzip werden alle Küken aufgezogen.
Die aktuelle Bundesagrarministerin setzt auf eine freiwillige Übernahme durch die Brütereien. Die Kosten sollen durch den Handel aufgefangen und teilweise an Konsumenten weitergegeben werden. Sinnvoller erscheinen daher Initiativen nach dem Bruderhahn- Prinzip. Hier werden alle Küken aufgezogen, männliche Küken werden für die Fleischmast genutzt. Da sie allerdings weniger Fleisch ansetzen und auch langsamer wachsen als spezielle Fleischrassen, dauert die Mast länger und wird dadurch teurer.
Mehr unter www.bruderhahn.de
Wünschenswert wäre also aus vielen Gründen, Hühner nicht immer spezialisierter nur auf einen Nutzungszweck hin zu optimieren, sondern verstärkt sogenannte Mehrnutzungsrassen zu züchten. Diese Hühner können sowohl für die Eierproduktion als auch für die Mast genutzt werden. Es würden weniger ungenutzte Eier produziert werden, die nur noch als Tierfutter Verwendung finden. Im Umgang mit Eiern ist aber vor allem die Verantwortung der Konsumenten gefragt, denn mit ihrem Einkauf entscheiden sie, welche Eier und welches Fleisch nachgefragt und produziert werden – oder eben nicht.
Das können Sie tun
In fast allen Fertigprodukten wie z.B. in Back-, Süß-, und Teigwaren, Mayonnaise, Salatsoßen, Trockensuppen, Fleischprodukten, Eiscreme und Eierlikör werden Eier verarbeitet. Lesen Sie bitte die Zutatenlisten ganz genau. Flüssig-, Frost-, und Trockeneier sind fast immer aus Käfighaltung. Diese Produkte sollten Sie ganz vermeiden, außer es wurden nachweislich Öko- oder Freilandeier verwendet.
Verstecktes Tierleid – Käfigeier in Lebensmitteln
Laden Sie sich hier unseren Flyer zum Thema „Verstecktes Tierleid“ herunter oder fordern Sie ihn gerne kostenfrei telefonisch in unserer Berliner Geschäftsstelle unter Tel. 030 30103831 oder per E-Mail unter berlin@aktiontier.org an.download