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Vernachlässigter Hund ausgesetzt
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Vernachlässigter Hund ausgesetzt

aktion tier Tierheim Zossen, Brandenburg

Linnek war in einem katastrophalen Zustand.
Am Abend des 23.10.2021 erwartete uns ein kleiner Tumult vor unserem Tor. Aufmerksame Spaziergänger konnten zwei Frauen dabei beobachten, wie sie einen kleinen Hund an einem Baum in der Nähe unseres Tierheimtores anbanden. Als sie merkten, dass sie beobachtet werden, flüchteten beide in den nahegelegenen Wald. Der Schock bei den Tierfreunden war groß, denn nicht nur die Tat an sich, auch der Zustand des armen Hundes war erschreckend.
Ein Bericht von Myriam Laser

Uns erwartete ein erbärmliches Häuflein Elend, völlig verwahrlost und mit der Situation komplett überfordert. Prompt nahmen wir uns des Hundes an und führten im warmen Büro eine Erstuntersuchung durch. Neben dem völlig verfilzten Fell und den fauligen Zähnen verlor der kleine Mischlingsrüde stetig blutigen Urin, sodass wir uns direkt auf den Weg zum tierärztlichen Notdienst machten. Dort angekommen befreiten wir den Hund in mühsamer, stundenlanger Arbeit vorerst von seinem Fell, da bereits Fliegenmaden aus dem Filz fielen als wir ihn auf den Behandlungstisch setzten und somit Eile geboten war. Nach und nach kam unter den dichten, urin- und kotverschmierten Filzplatten ein kleiner, abgemagerter Hunde-Opa zum Vorschein, der unendlich dankbar war, dass das schmerzende und ziepende Fell nun endlich runterkam.

Am ganzen Körper offenbarten sich nun Umfangsvermehrungen, wovon zwei bereits faustgroß waren. Unter dem Filz des rechten Hinterlaufs fanden wir dann auch die Ursache für den Madenbefall. Offene, nässende Wunden und teilweise schon nekrotische Hautareale kamen zum Vorschein und bereiteten unserem Hundesenior wahnsinnige Schmerzen, sodass eine weitere Versorgung des Beines ohne Sedierung nicht möglich war. Daher führte uns unser nächster Gang in die Tierklinik in der Linnek – wie wir ihn in der Zwischenzeit genannt hatten – schlafen gelegt wurde. Das Bein konnte nun vollständig geschoren und die Wunden versorgt werden. Im gleichen Atemzug wurden noch die lockersten Zähne gezogen und eine Röntgenaufnahme angefertigt, um sich einen Überblick zu verschaffen und auszuschließen, dass sich Metastasen gebildet haben, die eine spätere Operation der Tumore hinfällig gemacht hätten. Nachdem Linnek wieder wach war, durften wir uns nach einer langen Nacht und mit vielen Medikamenten im Gepäck auf den Heimweg machen.

Das Fell des Hundes musste erst einmal komplett geschoren werden. Foto: © aktion tier Tierheim Zossen
Nach der ersten Behandlung kam ein niedlicher Hund unter dem ganzen verfilzten Fell zum Vorschein. Foto: © aktion tier Tierheim Zossen
An den Beinen waren schmerzende und juckende Ekzeme. Foto: © aktion tier Tierheim Zossen

In den darauffolgenden Tagen setzten wir alles daran, den kleinen Opa wieder aufzupäppeln. Anfangs fütterten wir aus der Hand und machten mit ihm nur ganz kurze Spaziergänge über den Hof, aber nach und nach erwachten seine Lebensgeister und zeigten uns einen fröhlichen und unkomplizierten kleinen Gesellen, dessen größtes Bestreben war, bei seinem Menschen zu sein. Nach einigen Wochen der Rekonvaleszenz hatten sich Linneks Blutwerte weitestgehend normalisiert, und da auch eine eingeschickte Probe der Umfangsvermehrungen diese als harmlos deklarierte, konnte endlich operiert werden. Vor dem Eingriff war uns ganz mulmig zumute, denn Linnek war ja nun wirklich nicht mehr der Jüngste – aber die großen Tumore störten ihn schon sehr, sodass keine andere Möglichkeit blieb. Und Linnek zeigte uns wieder einmal, dass er ein Kämpfer ist und wackelte bereits am Abend wieder über unser Gelände. Mittlerweile hat sich Linnek vollständig erholt und ist ein wahrer Traumhund – er verträgt sich wirklich mit jedem und liebt es im warmen Büro in seinem Körbchen den Tag zu verschlafen. Seine neue Familie wird mit ihm einen wahren Goldschatz adoptieren.

Glücklicherweise konnte schnell die Identität von Linneks ursprünglicher Eigentümerin geklärt und seine Geschichte rekonstruiert werden. Das Aussetzen von Tieren ist eine Straftat und wir haben selbstverständlich Anzeige erstattet. Auch für seinen katastrophalen Zustand, der für eine monatelange Vernachlässigung spricht, wird sich die ehemalige Eigentümerin verantworten müssen.