Die vergessenen Hühner
Verbraucherschutztipps
Im Jahr 2010 wurde in Deutschland die Haltung von Hühnern in konventionellen Käfigen verboten; zwei Jahre später trat das Verbot EU-weit in Kraft. Die Käfige wurden von der Kleingruppenhaltung abgelöst, in dieser Haltungsform leben bis zu 60 Tiere gemeinsam in einem Käfig. Diese werden in mehreren Etagen übereinandergestapelt. Zwar verfügen sie über Sitzstangen und Einstreu, der Boden besteht aber in der Regel weiterhin aus Lochblech oder Gitter. Ein artgerechtes Verhalten ist auch in den ausgestalteten Käfigen nicht möglich, seine Grundbedürfnisse kann ein Huhn hier nicht befriedigen.
In Deutschland wurde die Kleingruppenhaltung 2016 verboten – übergangsweise dürfen bestehende Haltungseinrichtungen nach EU-Recht noch bis 2025 betrieben werden. Der Anteil der Hühner in Kleingruppenhaltung in Deutschland nimmt daher immer weiter ab und liegt derzeit bei weniger als 10%. Allerdings: Nach Österreich ist Deutschland das EU-Land mit dem kleinsten Anteil von Hühnern in Kleingruppenhaltungen. Denn obwohl seit 2012 die herkömmliche Käfighaltung EU-weit verboten ist, wurde dieses Verbot nicht flächendeckend umgesetzt. Schätzungen zufolge leben in der EU trotz Verbot noch 50-100 Millionen Legehennen in den alten Käfigen. Aus diesem Grund hat die EU-Kommission Vertragsverletzungsverfahren gegen 13 Staaten eingeleitet.
Ein sogenannter ausgestalteter Käfig muss seit 2012 pro Huhn 750 cm2 Platz bieten, das entspricht weniger als eineinhalb DIN-A4-Seiten.
Die Haltung von Legehennen in Käfigen ist besonders tierquälerisch
Hühner im Käfig können kein artgerechtes Verhalten ausleben, können nicht scharren oder picken und haben keinen Rückzugsort. Die Einführung des Eierstempels 2004 wurde daher von Tierschützern als Riesenerfolg gefeiert, die Entwicklung gab ihnen Recht: Vor der Einführung der Kennzeichnungspflicht betrug der Anteil von Legehennen in Käfighaltung über 90%, seither sinkt der Wert stetig.
Doch sind Käfigeier noch immer nicht vollständig aus den Regalen verschwunden, auch wenn die allermeisten Supermärkte keine frischen Eier mit der Kennzeichnung „3“ als Herkunftsstempel für den Käfig mehr verkaufen. Dies liegt vor allem daran, dass in Back- und Teigwaren aufgrund der niedrigeren Kosten – und wegen der fehlenden Verpflichtung zur Herkunftsangabe auf dem fertigen Produkt – überwiegend Käfigeier verarbeitet werden. Dass jedoch auch bunte Ostereier, die fertig gekocht und gefärbt jetzt wieder in vielen Supermärkten, Bäckereien, Tankstellen und Kiosken angeboten werden, von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind, wissen viele Verbraucher nicht. Diese Ostereier zählen zu den „verarbeiteten“ Eiern, weil sie vor dem Verkauf gekocht werden. Einige, wenige Anbieter informieren den Kunden über die Form der Haltung. Fehlt diese Information jedoch, stammen die bunten Eier meist aus dem Käfig. Wer ganz sicher gehen möchte und das Leid in Europas Legebatterien nicht unterstützen möchte, sollte generell auf den Verzehr von Eiern verzichten und auch an Ostern lieber zum veganen Schokoladenei greifen.