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Sein Buch „Die grosse Sauerei“
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Sein Buch „Die grosse Sauerei“

Interview mit Hannes Jaenicke, deutscher Schauspieler

Foto: WDR Annika Fusswinkel
Im Interview gibt Hannes Jaenicke Tacheles Einblicke in seine Recherche für sein aktuelles Buch. So zeigt er uns die Werbelügen der Agrarindustrie auf und zeigt uns, wie es hinter den Kulissen der Tierhaltungsbetriebe aussieht.
Ein Bericht von Jan Peifer

Jan Peifer: Seit vielen Jahren sind Sie für Ihr Engagement im Tier- und Umweltschutz bekannt. Wie kam es zu der Idee für die „große Sauerei“? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Hannes Jaenicke: Das waren einerseits die Dreharbeiten zur ZDF-Doku „Im Einsatz für das Schwein“, einem Film über sogenannte „Nutztiere“ und Massentierhaltung. Und andererseits die Behauptung des mächtigsten Agrar-Lobbyisten in Deutschland, es gäbe hierzulande keine Massentierhaltung.

Jan Peifer: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Missstände, was ist die größte Sauerei?

Hannes Jaenicke: Dass das deutsche Tierschutzgesetz jeden Tag millionenfach gebrochen wird und absolut nichts dagegen unternommen wird. Es besagt, dass keinem Tier „ohne vernünftigen Grund Schaden, Schmerzen oder Leid“ zugefügt werden darf.

Jan Peifer: Im ersten Kapitel Ihres Buches sind Sie den Werbeslogans der Milchindustrie nachgegangen. Es heißt zum Beispiel „Die Milch machts“. Aber was genau macht sie denn nun?

Hannes Jaenicke: Laut den neuesten Studien eines deutschen Nobelpreisträgers oder von US-Universitäten fördert Milchkonsum das Krebsrisiko.

Jan Peifer: Ein weiterer Schwerpunkt des Buches ist das Thema Schweinemast. Gerade in diesem Sektor der Agrarindustrie gibt es viele Missstände, das ist für Tierschützer und die meisten Konsumenten nichts neues mehr, wenn sie sich den immer wiederkehrenden negativen Schlagzeilen nicht verschließen. Sie haben für Ihre Recherchen Tierrechtsaktivisten bei einer „nächtlichen Stallkontrolle“ begleitet. Wie waren Ihre Eindrücke?

Hannes Jaenicke: Der seit den 1990er-Jahren verbotene Kastenstand ist nach wie vor gang und gäbe, und die ohnehin absurd kleinen Mindestmaße werden oft nicht eingehalten. Das geht nur, weil die Zuchtanlagen im Schnitt nur alle 17 Jahre kontrolliert werden und das mit vorheriger Ansage.

Jan Peifer: Die Fleischindustrie steht angesichts der Entwicklung hin zu mehr Bewusstsein für Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz unter den Verbrauchern vor einer großen Herausforderung, wenn sie ihre Produkte vermarkten will. In diesem Zusammenhang sprechen Sie in Ihrem Buch von „kognitiver Manipulation“. Was ist damit gemeint?

Hannes Jaenicke: Um ihr Geschäftsmodell zu retten, investiert die Fleischindustrie Unsummen, um uns zu suggerieren Fleisch sei gesund und würde unter Rücksichtnahme auf Tierschutz und Tierwohl hergestellt.

Jan Peifer: Immer wieder werden Sie für Ihre Dokumentationen (von den jeweiligen Betroffenen wie z.B. Jägern) kritisiert, weil Sie angeblich Zusammenhänge nicht richtig darstellen würden. Im Abschnitt über die PR-Aktionen der Fleischlobby berichten Sie auch in Ihrem neuen Buch darüber. Wie gehen Sie mit solchen Attacken um?

Hannes Jaenicke: Ich habe nicht nur ein großartiges Recherche-Team, eine strenge und hochprofessionelle ZDF-Redaktion, sondern auch die besten wissenschaftlichen Berater, die man finden kann. Deshalb wurden sämtliche Klagen und Beschwerden gegen die Dokus und Bücher von den Gerichten bisher immer abgelehnt. Ich weiß ja warum diese Lobbyisten mich attackieren: Betroffene Hunde bellen. Und das gerne laut, am liebsten mit unfundierten Shitstorms im Netz.

Jan Peifer: Das Thema Fleisch und Gesundheit wird seit Jahren heftig diskutiert, nicht erst seitdem die WHO rotes Fleisch bzw. Fleischprodukte als (wahrscheinlich) krebserregend eingestuft hat. Welches Bild zeigen Ihnen Ihre Recherchen vom Umgang der Fleischlobby mit diesen Vorwürfen?

Hannes Jaenicke: Wenn man wie die Fleisch-Lobby keine sachlichen Argumente, aber viel Geld hat, dann engagiert man teure PR-Profis und versucht die wissenschaftlichen Fakten mit unlauteren Werbekampagnen zu untergraben.

Jan Peifer: Sie haben sich auch mit dem Dschungel von Siegeln, Labels und Prüfzeichen beschäftigt, die Verbraucher beim Einkauf allerorts und besonders auf Verpackungen von Fleisch und Fleischverpackungen zum Kaufen bewegen möchten. Wie können Konsumenten sich in diesem Dschungel noch zurechtfinden? Ist das Biosiegel eine Lösung?

Hannes Jaenicke: Es ist zumindest eine Orientierung. Wer nicht auf dem Land lebt und in Hofläden und bei kleinen, nachhaltigen Anbietern einkaufen kann, sollte grundsätzlich nur Haltungsstufe 4 kaufen, wenn möglich Bio, und sich an die Siegel von Demeter, Bioland und Naturland halten.

Jan Peifer: Lassen Sie uns einen Blick in die Zukunft werfen: Wohin wird sich die Ernährung entwickeln, welches sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen?

Hannes Jaenicke: Die größten Herausforderungen sind der CO2-Ausstoß der Agrar-, insbesondere der Fleischindustrie, Ressourcen-Schonung, Überdüngung, Übergüllung, Pestizideinsatz, Wasserverbrauch. Diese Probleme kann nur der Gesetzgeber lösen, die großen Agrar-, Milch- und FleischKonzerne scheinen wenig Interesse an einer Agrar-Reform zu haben. Da wir aber weitgehend untätig auf eine Klimakatastrophe zusteuern, wird sich schon aus ökonomischen Gründen das Stammzellen-Fleisch, also Fleisch aus der Petrischale, ziemlich schnell durchsetzen.

Jan Peifer: Wenn Sie nach der Arbeit an diesem Buch einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Hannes Jaenicke: Die Liste wäre lang. Zunächst einmal das Anheben der MwSt. auf Fleisch auf die üblichen 19%. Die Senkung der MwSt. auf gesunde, nachhaltige Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Und das Einhalten der deutschen Tierschutzgesetze. Es wäre das Ende der industriellen Massentierhaltung,

Vielen Dank für das Gespräch – und noch einmal für Ihr Engagement!

Hannes Jaenicke; Fred Sellin: Die Grosse Sauerei

Wie Agrarlobby und Lebensmittelindustrie uns belügen und betrügen – und was es für unsere Ernährung bedeutet.

© 2023 by Yes Publishing

Wenn es um unser Essen und speziell um tierische Produkte wie Fleisch, Wurst, Eier und Milch geht, werden wir schamlos belogen und betrogen – von der Agrarlobby und der Lebensmittelindustrie, aber auch die Politik spielt auf verantwortungslose Weise mit. Staatlich finanzierte Ernährungswissenschaftler lassen sich von Lobbyorganisationen anheuern. Studien über Gesundheitsrisiken werden unterdrückt oder geschönt, andere von der Wirtschaft finanziert. Industrielobbys nehmen massiv Einfluss auf Gesetzgebung und Ernährungsempfehlungen – mit dem einzigen Ziel, die Profite zu maximieren. In der Diskussion über Tierwohl und entsprechende Zertifizierungen schiebt die Politik dem Verbraucher die Verantwortung zu, während die industrielle Massentierhaltung mit all ihren Auswüchsen erlaubt bleibt und faktisch kaum kontrolliert wird.

In diesem investigativen Enthüllungsbuch decken Hannes Jaenicke, Deutschlands bekanntester Umweltschützer, Schauspieler und Autor des »Spiegel«-Bestsellers »Die große Volksverarsche«, und der Journalist und Bestsellerautor Fred Sellin die dreistesten Industrie- und Werbelügen auf, geben Einblick in die skandalösen Produktionsbedingungen tierischer Lebensmittel und erklären, was Verbraucher unbedingt wissen sollten, um beim Einkauf und vor dem Essen die richtige Wahl zu treffen.

© 2023 by Yes Publishing – Pascale Breitenstein & Oliver Kuhn GbR
Türkenstraße 89
80799 München

ISBN-Print 978-3-96905-202-0; 24,99 EUR
ISBN-E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96905-204-4
ISBN-E-Book (PDF) 978-3-96905-203-7