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Straßentiere im Urlaubsland
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Straßentiere im Urlaubsland

aktion tier informiert

In den meisten Urlaubsländern sind Straßenhunde und -katzen allgegenwärtig. Sie leben auf Campingplätzen, am Strand, in Parks oder mitten in der Stadt, wo sie durch den dicksten Verkehr laufen und im Müll nach Nahrung suchen
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Viele Tierfreunde würden am liebsten alle einsammeln und mitnehmen. Doch die gut gemeinte Rettungsaktion kann schnell schiefgehen, wenn sie spontan und unüberlegt erfolgt. So lehnen zum Beispiel viele Fluggesellschaften den Transport von Hunden und Katzen ganz ab oder erlauben nur die Mitnahme von Tieren bis 8kg als Handgepäck in der Kabine.

Vorsicht bei der Mitnahme 

Auf jeden Fall müssen die oft sehr strengen gesetzlichen Ausund Einreisebestimmungen beachtet werden. Innerhalb der EU sind ein im Urlaubsland ausgestellter EU-Heimtierausweis, die Kennzeichnung mittels Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung Pflicht. Die Tollwutspritze muss beim Antritt der Rückreise mindestens 21 Tage zurückliegen, um wirksam und somit gültig zu sein. Wer also nur zwei Wochen Urlaub macht, kann die Voraussetzung für eine legale Einreise gar nicht erfüllen.

Ein absolutes Einreiseverbot gilt für diverse Hunderassen, die als gefährlich gelten, sowie deren Kreuzungen wie etwa American Staffordshire-Terrier, Bullterrier oder Pitbull.

Eine Tollwutimpfung muss mindestens 21 Tage zurückliegen, um wirksam zu sein. Foto: © LightFieldStudios, Istock
Heimtierpass © aktion tier
Hund am Flughafen in einer Transportbox. Foto: © aktion tier

Hunde- und Katzenwelpen dürfen grundsätzlich erst mit 12 Wochen geimpft werden. Plus den 21 Tagen Wirkzeit bedeutet dies, dass Welpen unter 15 Wochen nicht nach Deutschland importiert werden können.

Sonderregelungen für Drittländer

Möchte man eine Katze oder einen Hund aus einem sogenannten nicht gelisteten Drittland wie beispielsweise Ägypten, Türkei, Marokko oder Thailand mit nach Deutschland nehmen, wird es noch komplizierter. Neben den geschilderten Voraussetzungen muss hier auch noch ein Test auf TollwutAntikörper in einem zugelassenen EULabor durchgeführt werden. Das zu testende Blut darf frühestens 30 Tage nach der Tollwutimpfung von einem autorisierten Tierarzt entnommen und an das Labor geschickt werden.

Vom Tag der Blutentnahme an muss weitere 3 Monate gewartet werden, bis das Tier nach Deutschland einreisen darf. Von der ersten Tollwutimpfung bis zum Reiseantritt vergehen also mindestens 4 Monate. Welpen sind in diesem Fall mindestens 7 Monate alt, da sie erst im Alter von 3 Monaten geimpft werden dürfen.

Konsequenzen

Wer die jeweiligen Einreisebestimmungen nicht einhält, bekommt Ärger. Illegal eingeführte Tiere werden vom Zoll beschlagnahmt und für drei Monate unter Quarantäne gestellt – ein Horror für die freiheitsgewohnten Straßentiere und ein teurer Spaß für den neuen Besitzer, der nicht nur Strafe zahlen muss, sondern außerdem die Kosten für die Unterbringung zu tragen hat.

Entspannte Straßenhunde im Touristentrubel. Foto: © Ursula Bauer
Straßenkatzen schlafen vor einem Hoteleingang. Foto: © Ursula Bauer

Straßentieren vor Ort helfen

Bevor über die Adoption und Mitnahme eines Straßentieres nachgedacht wird, sollte man sich die Situation vor Ort genau ansehen. Zum Teil geht es den Hunden und Katzen gar nicht so schlecht. Sie leben zwar nicht im Haus, haben jedoch oft eine Futterstelle, die von Anwohnern betreut wird. Wer helfen möchte, kann dort am besten Dosenfutter deponieren, welches dann von den lokalen Tierfreunden nach und nach verfüttert wird.

Wem ein ganz bestimmtes Tier am Herzen liegt, kann auch Einheimische bitten, die Betreuung gegen einen monatlichen Geldbetrag zu übernehmen. Diese Regelung kann mit der regelmäßigen Übermittlung von Fotos des Tieres zur Kontrolle verknüpft werden.

Eine Junge streichelt liebevoll eine Straßenkatze. Foto: © Ursula Bauer
Friedliches Miteinander am Futterplatz. Foto: © Ursula Bauer

Tierarztbesuch spendieren

In vielen Ländern werden keine Tiermedikamente und Veterinärbedarfsmittel hergestellt. Alles muss importiert werden, was die Kosten für einen Tierarztbesuch natürlich extrem in die Höhe treibt und für die Einheimischen meist unerschwinglich macht. Es spricht also nichts dagegen, einem verletzten oder kranken Tier eine tierärztliche Behandlung zu spendieren. Dazu zählen natürlich auch Kastrationen, um die unkontrollierte Vermehrung zu verhindern.

Tierschutz vor Ort unterstützen

Man kann sich auch überlegen, einen lokalen Tierschutzverein finanziell zu unterstützen, wenn dessen Arbeit überzeugt. Ein heillos überfülltes Tierheim mit katastrophalen hygienischen Verhältnissen erweckt zwar Mitleid, bietet jedoch keine nachhaltigen Lösungen, sondern schafft eher neue Probleme. Hier Geld zu spenden, bedeutet Wasser in ein Fass ohne Boden zu gießen.

Auf dem richtigen, da nachhaltigenWeg sind dagegen Vereine, die Kastrationsprogramme durchführen, Futterstellen betreuen und die Bevölkerung aufklären.

Dieses magere Katzenbaby möchte man am liebsten mitnehmen. Foto: © Ursula Bauer
Straßenhunde in Agva am Schwarzen Meer. Foto: © Ursula Bauer
An dem selbstgebauten Futterhäuschen steht auf türkisch „Katzenhaus — nicht anfassen!“ Foto: © Ursula Bauer
Eine Futterspende und Wasser an Ort und Stelle helfen unmittelbar. Foto: © Peter Göttler
Säugende Hündin — die unkontrollierte Vermehrung ist das größte Problem. Foto: © Ursula Bauer
Nur die Kastration verhindert langfristig Tierleid. Foto: © Ursula Bauer

Achten Sie auf Tierschutz in der Unterkunft

Als „Kunde“ im Urlaubsland sollte man sich auch klar für den Tierschutz positionieren und Hotels, Campingplätze oder Ferienanlagen wählen, in denen Katzen und Hunde kastriert sind und gefüttert werden. Informationen dazu holt man sich am besten schon vor der Buchung, damit einem nicht angesichts großen Tierleids die Urlaubslaune vergeht.

Kastrierter und markierter Straßenhund.
Straßenkatze an einer betreuten Futterstelle in Athen (Griechenland).

In manchen Städten wie beispielsweise in Agva am Schwarzen Meer in der Türkei gibt es Futterautomaten, die von Tierschutzvereinen aufgestellt werden. Wirft man einen geringen Geldbetrag in den Schlitz, rieselt ein Häufchen Trockenfutter in eine Schale. Touristen freuen sich in der Regel darüber, Straßentieren so einfach helfen zu können, und auch wir waren anfänglich von der Idee angetan.

Dann haben wir jedoch beobachtet, dass es an den Automaten oft zu schlimmen Beißereien ums Futter kommt. Auch, dass so viele Hunde mit ihren unterschiedlichen Krankheiten in der Futterschale herumschlecken, erscheint uns ziemlich unhygienisch. So können zahlreiche Krankheiten verbreitet werden, selbst wenn regelmäßig gereinigt wird.

Straßenhunde an Futterautomat. Foto: © Ursula Bauer

Außerdem entzieht Trockenfutter dem Körper viel Wasser, und die Tiere bekommen Durst. Trinkwasser ist in den Küstenstädten jedoch meistens nicht einfach so verfügbar, so dass die Hunde Menschen anbetteln oder wartend an den Süßwasserduschen am Meer stehen. Ist dauerhaft nur wenig Wasser verfügbar, kann Trockenfutter unter anderem auch zu Nierenschäden führen. 

Die Automaten sollen theoretisch für Hunde und Katzen sein, aber das klappt gar nicht. Erstens haben die meisten Katzen Angst vor den Hunden und zweitens ist ein Futtermittel nie für beide Tierarten gleichermaßen geeignet. Ein gutes Katzenfutter muss einen hohen Proteinanteil haben, was Hunden jedoch nicht guttut. 

Der Wahrheit letzter Schluss sind die Münz-Futterstellen mit Sicherheit nicht, aber vielleicht besser als nichts und für manche Straßentiere auch die einzige Möglichkeit, an ein wenig Fressen heranzukommen.

Mehr Informationen zum Thema erhalten Sie durch unseren Informationsflyer „Urlaub im Ausland – Tipps zum Tier- und Artenschutz“,

den Sie kostenfrei im aktion tier Shop unter www.shop.aktiontier.org oder telefonisch unter 030 306211155 bestellen können. Alternativ können Sie sich den Flyer hier herunterladen.

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