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Elf Leben in Not
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Elf Leben in Not

Projekt Kitty Paderborn, Nordrhein-Westfalen

Katze Clara nach Zahnsanierung. Bild: © aktion tier, Susan Smith
Als ihr Besitzer verstarb, änderte sich für elf scheue Katzen auf einem alten Resthof im ländlichen Raum alles. Der Mensch, den sie kannten – der sie fütterte, der da war – war plötzlich nicht mehr. Innerhalb von drei Monaten verloren sie ihren vertrauten Alltag, ihren einzigen Bezugspunkt. Was für uns Menschen bereits ein harter Schicksalsschlag ist, bedeutet für Tiere häufig den absoluten Ausnahmezustand.
Ein Bericht von Susan Smith

Der Hof, in einem kleinen Dorf gelegen, war ein absolutes Paradies für Katzen, in vielen leerstehenden Scheunen und Garagen konnten sich die Katzen frei bewegen. Die Katzen waren keine typischen Schmusetiger – viele von ihnen waren scheu, manche misstrauisch aufgrund von schlechten Erfahrungen in ihrer Vergangenheit, und alle waren schon in die Jahre gekommen. Keine Tiere, die man „mal eben“ irgendwo unterbringen oder vermitteln kann. Als sich die erwachsenen Kinder des Verstorbenen hilfesuchend an uns wandten, war klar: Hier braucht es mehr als nur einen Platz im Tierheim – zumal es in dem betreffenden Landkreis noch nicht einmal ein Tierheim gibt.

Projekt Kitty Paderborn wurde zur letzten Hoffnung

Doch wir wären nicht wir, wenn wir nicht auch in scheinbar ausweglosen Fällen alles versuchen würden. Dank unseres engagierten Netzwerks konnten wir schnell Kontakt zu unseren Freunden von Hilfe für Katzen in Not e.V. Hamm aufnehmen. Dort gibt es ein liebevoll geführtes Katzendorf, in dem gerade scheue, traumatisierte Katzen zur Ruhe kommen können und sich dann entscheiden können, wie viel Kontakt sie zu Menschen aufnehmen möchten. 

Dort fanden die meisten der Tiere schließlich ein sicheres Zuhause – fernab von Angst und Isolation.

Und ja – es gibt auch Lichtblicke!

Drei der Katzen konnten wir selbst in ein neues, fürsorgliches Zuhause vermitteln. Ihre Geschichten zeigen wie viel Potential in diesen Tieren steckt, wenn Mitgefühl und Geduld zusammenkommen.

Rosi, eine sanfte grau-weiße Katzendame, durfte in den Kreis Höxter ziehen. Dort lebt sie bei einer älteren Dame, die sie liebevoll umsorgt. Rosi blüht sichtbar auf und hat sich längst zur Königin ihres neuen Reiches entwickelt. Die beiden sind ein Herz und eine Seele.

Bruce, ein stattlicher roter Kater mit Ataxie – einer leichten neurologischen Einschränkung – fand ein wundervolles Zuhause in Gießen. Anfangs noch etwas zurückhaltend, schläft er heute mit im Bett und wird von seiner neuen Familie innig geliebt. Sein Handicap? Spielt dort keine Rolle mehr.

Nancy, elegant, anschmiegsam und wunderschön, lebt nun bei einem älteren Herrn, der ihr seine ganze Aufmerksamkeit schenkt. Sie zeigt, wie viel Zuneigung auch scheue Tiere geben können – wenn man ihnen Zeit, Raum und Respekt schenkt.

Kater Bruce bei der Aufnahme. Bild: © aktion tier, Susan Smith
Nancy, noch ziemlich geschockt, bei ihrer Aufnahme bei uns. Bild: © aktion tier, Susan Smith

Doch hinter diesen Happy Ends stehen große Herausforderungen

Viele der elf Katzen litten an teilweise gravierenden gesundheitlichen Problemen, wie vereiterten Zähnen oder schlecht durchgeführten Kastrationen. Das jahrelange freie – vom Menschen bis auf die regelmäßige Fütterung – unabhängige Leben hat Spuren hinterlassen.

Alle Tiere wurden mittlerweile tierärztlich untersucht, behandelt und – soweit möglich – gesund gepflegt. Diese medizinische Versorgung war essenziell und teuer.

Herzlichen Dank, liebe Mitglieder, für Ihre Unterstützung!

Durch Ihre Hilfe ist die Arbeit im aktion tier-Kitty Forum Paderborn überhaupt erst möglich. Nur gemeinsam können wir dafür sorgen, dass kein Tier vergessen wird - auch dann nicht, wenn der Mensch, der sich einst kümmerte, plötzlich nicht mehr da ist.

Denn Tierschutz endet nicht an der Haustür – er beginnt dort, wo Hilfe gebraucht wird.