Für Billigfleisch leiden auch Pferde
Verbraucher – aufgepasst!
D Die Schweinemast steht dabei wie kaum eine andere Sparte oft als Vorzeigemodell der Intensivtierhaltung, nicht nur in Deutschland. Den Zyklus der Zuchtsauen zu steuern und damit die Abläufe der Trächtigkeiten zu vereinheitlichen, hat einen enormen Einfluss auf die Steigerung der Effizienz. Genau dies ist mit Hilfe eines bestimmten Hormons möglich: Das Pregnant Mare Serum Gonadotropin wird Zuchtsauen gespritzt, um zu bestimmen, wann sie trächtig werden bzw. wann sie Ferkel zur Welt bringen.
Zu Beginn der Trächtigkeit stimuliert es die Funktion der Eierstöcke der Zuchtsauen. So lassen sich Betriebsabläufe vereinfachen, da viele Sauen gleichzeitig besamt werden können, Ferkel gebären, diese eingestallt werden etc. Allerdings: Das PMSG ist ein Hormon, welches nicht künstlich erzeugt, sondern aus dem Blut von trächtigen Pferden gewonnen wird. Diese Stuten leben auf sogenannten Blutfarmen, meist in Südamerika, aber auch in Europa, wie z. B. in Island. PMSG kann nur in einer zwei- bis dreimonatigen Phase der Trächtigkeit mit erhöhter Konzentration im Blut nachgewiesen werden. Daher werden den Stuten in einem Zeitraum von etwa elf Wochen wöchentlich mehrere Liter Blut abgepumpt. Das ist eine höhere Menge, als selbst für nicht trächtige Pferde als unbedenklich gilt. Die Prozedur bedeutet für die Stuten sowohl psychisch als auch körperlich extremes Leid. Durch die enorme Belastung weit über verträgliche Grenzen hinaus erleiden viele von ihnen eine Fehlgeburt. Häufig allerdings werden die Fohlen ohnehin abgetrieben, da sie für die Blutindustrie wertlos sind und die Stuten so schnell wie möglich erneut trächtig werden sollen. Hinzu kommt, dass viele der Stuten hungern müssen. Vor allem in Südamerika ist die Annahme weit verbreitet, dass Hunger die Tiere mehr PMSG ausschütten lässt.

Das Medikament „Pregnant Mare Serum Gonadotropin“ wird Zuchtsauen verabreicht, um zu steuern, wann sie trächtig werden bzw. wann sie Ferkel zur Welt bringen.

Immer wieder veröffentlichen Tierschützer Aufnahmen aus dem Inneren von Blutfarmen, die das Leiden der Tiere sichtbar machen. PMSG gilt als tierisches Nebenprodukt, der Einsatz als Hormonpräparat ist nicht meldeoder anzeigepflichtig. Für den Verbraucher ist der Einsatz also nicht nachvollziehbar. Aufgrund der mit der Gewinnung verbundenen Grausamkeit ist der Einsatz von PMSG in der Schweinemast in der Schweiz seit 2022 verboten. Fleisch, das unter Zuhilfenahme des Hormons erzeugt wurde, darf allerdings weiter importiert werden. Dies hat einen bitteren Beigeschmack, da rund 80% des in die Schweiz importierten Schweinefleisches aus Deutschland stammt, wo der Einsatz nach wie vor erlaubt ist. Anders als der Schweizer Bauernverband lehnt der Deutsche Bauernverband es ab, seine Mitglieder zu einem Verzicht auf PMSG aufzufordern. Mit dem Verweis auf Umweltschutz werden deutsche Landwirte hingegen sogar aufgefordert, mit dem Hormon in den Zyklus der Tiere einzugreifen.
Denn durch die effektivere Zucht würden Futtermittel, Platz und Energie eingespart und damit der ökologische Fußabdruck minimiert, also der Umweltschutz gefördert. Laut Umweltschützern ist allerdings bereits wissenschaftlich erwiesen, dass das Gegenteil der Fall ist.
Ein Zusammenhang des Einsatzes oder Verzichts von bzw. auf PMSG mit ökologischen Auswirkungen besteht nicht. Hinzu kommt: Zuchtsauen, denen PMSG gespritzt wird, bringen im Schnitt deutlich größere Würfe zur Welt. Oft sind sie aber körperlich gar nicht in der Lage, alle Ferkel zu versorgen. Die Folge: Die schwächsten Ferkel können sich beim Kampf um die Zitzen der Mutter nicht durchsetzen und verhungern. Kadavertonnen voller toter Ferkel vor Schweinezuchtbetrieben sind daher keine Ausnahme, sondern die Regel, und werden oft von Tierschützern dokumentiert. Wieder einmal gilt hier: Wer kein Tierleid unterstützen möchte, sollte auf eine pflanzliche Ernährung umsteigen.


