left 
Pediküre für Paarhufer
reload
arrow_down

Pediküre für Paarhufer

Kein Spleen, sondern notwendig:

Bild: Rita E/Pixabay
Man stelle sich vor, monatelang mit Schuhen durch die Welt zu laufen, die nicht passen. Es drückt und zwickt, überall hat man Blasen, die sich entzünden. Zu guter Letzt sind die Füße bedeckt mit chronischen Schwielen und suppende Hühneraugen. So geht es Kühen, Schweinen und Ziegen, wenn ihre Klauen nicht ordnungsgemäß gepflegt werden. Leider weiß das nicht jeder Tierhalter und schenkt deshalb diesem wichtigen Körperteil seines Tieres nicht die notwendige Aufmerksamkeit. Die Klauen tragen genau wie unsere Füße das gesamte Körpergewicht und beeinflussen damit die Mobilität und somit das gesamte Wohlbefinden eines Tieres.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Klauen sind biomechanische Wunderwerke. Sie agieren wie gut gedämpfte Turnschuhe als Stoßdämpfer und verteilen das Körpergewicht gleichmäßig. Das funktioniert jedoch nur bei gesunden Klauen. Erkranken die Zehen, steht das zuvor gesündeste Tier im wahrsten Sinne des Wortes auf wackeligem Boden.

Doch was führt überhaupt zu Problemen mit den Klauen?

Schwierigkeiten entstehen oft aus einem Zusammenspiel von Umweltfaktoren, genetischer Veranlagung und Pflegefehlern. Ein Grundproblem ist die Feuchtigkeit des Untergrundes, auf dem die Tiere gehalten werden. Hier können sich Bakterien gut vermehren und in kleinste Spalten des Hornes eindringen. Siedeln sie sich dort an, spricht der Fachmann von Klauenfäule. In Rinderhaltungen tritt leider oft eine besonders hartnäckige Form dieser Zwischenzeheninfektion mit dem zunächst lustig klingenden Namen „Mortellaro“ auf. Diese Infektionsvariante wird auch „Erdbeerkrankheit“ genannt, weil die Veränderungen an den Klauen an die Form von Erdbeeren denken lassen. Auch hier sind Bakterien die Ursache, denen es gelungen ist, in das Klauenhorn einzudringen. Die Krankheitserreger verursachen schmerzhafte, schwer zu therapierende Entzündungen. Ein zweiter gewichtiger Faktor, der zu Erkrankungen der Zehen der Paarhufer führt, sind überlange Klauen. Sie entstehen durch mangelnde Abnutzung und führen zu Fehlstellungen der Gliedmaßen. Das Abfedern des Körpergewichtes funktioniert nicht mehr wie eigentlich vorgesehen. Es entstehen Schwielen und in der Folge wiederum schmerzhafte Entzündungen. Die dritte Komponente der möglichen Ursachen betrifft die Ernährung der Tiere. So führt beispielsweise Zinkmangel zu qualitativ schlechtem und damit anfälligem Klauenhorn.

Klauenpflege beim Rind. Bild: Flominator, CC BY-SA 3.0

Wie können Klauen gesund erhalten werden?

Vorab das „A und O“: Es sollte erst gar nicht zu einer Erkrankung kommen! Prävention ist der goldene Schlüssel. Es ist viel einfacher, Klauen gesund zu halten, als daran herum zu laborieren, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Daher gilt es, die Füße der Tiere alle sechs, besser alle vier Wochen, einer gründlichen Inspektion zu unterziehen. Sind Risse oder Spalten erkennbar, sind die Klauen womöglich zu lang, riecht die Unterseite modrig, fühlt sich weich an und sieht schwammig aus? Erkennt man Defizite, darf nicht gezögert werden. Ein Fachmann muss ran. Die Klauen gehören gekürzt, eventuell mit Bädern, Desinfektionsmitteln und Salben behandelt. Im schlimmsten Fall bedarf es sogar einer systemischen Therapie, sprich einer Medikamentengabe über das Futter oder in Form einer Injektion.

Klauenpflege beim Schaf. Bild: © AdobeStock/lmar Gubisch

Eine entscheidende Rolle spielt in der Vorbeugung der Untergrund. Er muss trocken und sauber sein. Die Struktur ist für die jeweilige Tierart bedarfsgerecht einzurichten. Studien belegen, dass Tiere auf strukturierten Böden – eventuell zusätzlich mit Matten ausgelegt – eine bessere Klauengesundheit aufweisen. Ohne Feuchtigkeit haben es Bakterien schwer.

Die Ernährung sollte an die jeweilige Tierart angepasst und bedarfsgerecht sein. Die Klauen betreffend spielen Biotin, Zink und Kupfer eine große Rolle. Aber bitte: Ein Zuviel ist hier auch nicht richtig, sondern das richtige Maß ist entscheidend. Und last but not least – kein Stress im Stall. Ausgeglichene Tiere mit niedrigem Stresslevel weisen weniger Klauenprobleme auf, als Vierbeiner, in deren Stall Unfrieden und Unruhe herrscht.

Fazit

Klauenpflege mag auf den ersten Blick wie eine lästige Pflicht erscheinen, aber sie ist ein unverzichtbarer Baustein für die Gesundheit von Paarhufern. Gute Haltungsbedingungen und solide Grundkenntnisse bezüglich der Klauenpflege sind das Fundament gesunder Klauen und damit auch der Schlüssel zu einer glücklichen Tierpopulation. Klauengesundheit ist also keine Hexerei, sondern eine Frage von Regelmäßigkeit und Aufmerksamkeit und letzten Endes ein Gewinn für alle Beteiligten.