Nachhaltige Alternativen sind gefragt
Landwirtschaft boomt:
Die wirtschaftlich bedeutendste Gruppe sind die Haupterwerbsbetriebe in der Landwirtschaft, die von Einzelunternehmern und Personengesellschaften bewirtschaftet werden. Hier lag das durchschnittliche Einkommen bei rund 61.000 Euro je Arbeitskraft. Neben den Einkommen stiegen auch die Gewinne. Am deutlichsten machte sich dies bei den Ackerbaubetrieben im Haupterwerb bemerkbar, denn hier stiegen die Gewinne auf rund 118.000 Euro je Unternehmen. Daneben profitierten vor allem Milch- und Nutztierbetriebe, die Fleisch und Eier erzeugen, mit einem Gewinnplus von über 55 %. Insgesamt lag der durchschnittliche Gewinn mit 113.900 Euro rund 39 % über dem Vorjahreswert. Dies war das mit Abstand höchste Ergebnis der letzten zehn Jahre.
Die Gründe für die positive Entwicklung sind mehrschichtig. Zunächst nennen Marktforscher vor allem die gestiegenen Preise.
Hierfür nicht allein verantwortlich, aber dennoch maßgeblich beteiligt, ist der Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine vor drei Jahren. Zu den direkten Kriegsfolgen gehören teils massive Verknappung und damit verbundene Preissteigerungen für Rohstoffe, Energie, Futter- und Düngemittel, aber auch deutlich höhere Transportkosten. Neben zahlreichen Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung und ukrainische Partner in der Landwirtschaft hat das BMEL daher auch die deutsche Landwirtschaft direkt unterstützt, um diese Folgen abzufedern. Hierzu gehörten insbesondere zwei Hilfsprogramme in Höhe von 180 Millionen Euro, die als Anpassungshilfe im ersten Kriegsjahr ausbezahlt wurden. Außerdem subventioniert das BMEL unter anderem gezielt den heimischen Eiweißpflanzenanbau mit rund 11 Millionen Euro, um den Wegfall von entsprechenden Futtermitteln aus der Ukraine aufzufangen. Doch auch abgesehen von diesen Subventionen wurde und wird in der Landwirtschaft und insbesondere in der Tierhaltung viel Geld verdient. Eine im Jahr 2024 veröffentlichte offizielle Statistik zeigt auf, dass der Nettoumsatz in der Tierhaltung in Deutschland im Zeitraum 2002-2022 von knapp 4,5 Milliarden Euro auf fast 17,5 Milliarden Euro angestiegen ist. Dies entspricht einer Steigerung von mehr als 280 %. Berücksichtigt wurden in der Statistik dabei lediglich die Betriebe, die einen einzelnen Umsatz von mehr als 22.000 Euro erzielten, und dies ausschließlich mit Tierhaltung.
Tierquälerei ist kein Einzelfall
Tierquälerei in landwirtschaftlichen Betrieben, insbesondere in der Schweinemast, Putenzucht und in Schlachthäusern, ist leider keine Seltenheit. Immer wieder werden grausame Zustände dokumentiert, die das Wohlbefinden der Tiere gefährden. Überfüllte Ställe, unzureichende Pflege und mangelhafte hygienische Bedingungen führen zu immensem Stress und Leiden bei den Tieren. Berichte von Tierschutzorganisationen und Enthüllungen zeigen, dass gesetzliche Vorgaben häufig missachtet werden. So hat die Website www.tierschutz-skandale.de über 230 Tierschutzverstöße aus den letzten Jahren aufgelistet.
Angesichts dieser Zahlen wird sehr schnell deutlich: Die Tierhaltung ist längst ein Massengeschäft geworden.
Die Zahl kleinerer Betriebe nimmt immer mehr ab, riesige Tierfarmen und Mastfabriken sorgen für immer härtere Preiskämpfe. Den Markt teilen sich wenige, dafür umso stärkere Anbieter untereinander auf. Der ehemalige Landwirtschaftsminister Özdemir lobte die Entwicklung von Einkommen und Gewinnen der Landwirte insgesamt, und er appellierte an eine weiterreichende Stärkung der Landwirtschaft über die Grenzen der Legislaturperiode hinweg. Hierfür sei es nötig, weitere Hürden abzubauen. Angesichts der zahlreichen Bauernproteste hat die EU-Kommission in der gemeinsamen Agrarpolitik bereits großes Entgegenkommen an die Landwirtschaft signalisiert.
Wichtig an dieser Stelle ist: Landwirtschaft besteht nicht nur aus Tierhaltung.
Auch für den Anbau heimischer Eiweißpflanzen gibt es Subventionen. Diese Pflanzen sollen zwar in erster Linie als Futterlieferanten dienen, aber auch die menschliche Ernährung soll von weiterer Entwicklung und von einer besseren Verwertung der Proteinlieferanten profitieren. Somit liegt es in der Verantwortung der Landwirte, auch Alternativen zum günstigen Fleisch zu schaffen – jedem Verbraucher liegt es selbst in der Hand, diese Alternativen auch zu nutzen.