left 
Vom treuen Begleiter zur lebenden Waffe?
reload
arrow_down

Vom treuen Begleiter zur lebenden Waffe?

Tiere im Dienst

Animals in War Denkmal in London. Bild: Iridescenti, CC BY-SA 3.0
Seit der Antike spielen Tiere als enge Gefährten des Menschen auch im militärischen Einsatz eine wichtige Rolle. Hannibal überquerte mit der Hilfe von Elefanten die Alpen, die Römer setzten Dickhäuter in den Arenen als lebende Kampfpanzer ein. Bis heute werden Tiere überall dort eingesetzt, wo menschliche Fähigkeiten entweder nicht ausreichen oder ein Einsatz ein zu hohes Risiko birgt. Für den Einsatz zu Lande, zu Wasser oder in der Luft wurden und werden Tiere aufgrund ihrer speziellen Fähigkeiten und besonders scharfen Sinne trainiert.
Ein Bericht von Jan Peifer

Mit Sprengstoff bepackt wurden Hunde als lebende Bomben ins Schlachtfeld geschickt. Kleinwale und Delfine, die sich ebenfalls gut ausbilden lassen, wurden als Torpedos oder Minensucher eingesetzt. Brieftauben wurden im Ersten Weltkrieg zur Nachrichtenübermittlung eingesetzt, Glühwürmchen wurden von den Soldaten als Lichtquelle in den Schützengräben genutzt. Unzählige Tiere sind menschlichem Kriegstreiben zum Opfer gefallen. An sie erinnert heute ein Mahnmal im Zentrum von London. Das „Animals in War Memorial“ wurde 2004 von Prinzessin Anne zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 90 Jahren eingeweiht. Es zeigt Elefanten, Kamele, Hunde, Katzen, Tauben und Glühwürmchen. Eine Inschrift darauf lautet: „Sie hatten keine Wahl“.

War Dog Memorial New Jersey. Bild: Peter Schleutner via Wikimedia Commons

Besondere Eigenschaften der Tiere machten sie für den Kriegseinsatz interessant, an diese Fähigkeiten erinnern heute noch die Namen der Kampfmittel in der Bundeswehr. Das Schnellboot Gepard soll so schnell und wendig sein wie das schnellste Raubtier an Land, der Pionierpanzer Dachs sich wie Grimbart durch den Untergrund wühlen. Der Kampfpanzer Leopard soll die Aggressivität einer Raubkatze zeigen, ebenso der Tiger, einer der modernsten Kampfhubschrauber der Welt. Im Zuge der technischen Entwicklung wurden die meisten Tiere durch Panzerfahrzeuge oder Roboter, etwa für die Bomben- bzw. Minensuche und -entschärfung ersetzt. So sind bei der Bundeswehr nur noch wenige Pferde und Maultiere im Einsatz, die vor allem in den Gebirgsregionen beim Materialtransport helfen. Außerdem zählt die Bundeswehr noch rund 300 Diensthunde (Angabe von 2024).

Hier dargestellt: Hannibals Übergang überdie Alpen 218 v. Chr. mit Kriegselefanten. Bild:Heinrich Leutemann_gemeinfrei

Hunde werden jedoch auch heute noch von anderen Diensten eingesetzt, vor allem bei der Polizei, aber auch in der Katastrophenhilfe bei der Suche nach Verschütteten etc.

Mit ihren scharfen Sinnen helfen sie dort, wo technische (und menschliche) Spürnasen an ihre Grenzen stoßen. Sie spüren Sprengstoff, Drogen oder geschmuggeltes Bargeld auf. Sie werden aber auch zur Unterstützung von Einsatzkräften genutzt, sei es zur Einschüchterung oder tatsächlich als Waffe. In diesem Zusammenhang sorgte jüngst ein Vorfall für Kritik. Die Polizei war bei der Absicherung eines Parteitages der in Teilen rechtsextremen AfD in Riesa auf großen Protest gestoßen. Ein Polizist wurde dabei gefilmt, wie er einen Demonstranten über eine Leitplanke drängte und dabei seinen Diensthund vor sich hielt und auf den Demonstranten schubste, ganz offensichtlich mit der Absicht, diesen beißen zu lassen. Der bekannte Hundetrainer Martin Rütter äußerte sich in den sozialen Medien zu dem Fall und sprach von „Tiermissbrauch in höchster Form“. Der Vorfall sei der Polizei bekannt, heißt es. Nach einer Strafanzeige wird nun ermittelt. Auch wenn es sich hier nach Meinung vieler Experten um einen Einzelfall handelt, tragen Fälle wie dieser dazu bei, dass ein Bild vom Tier als Waffe in vielen Köpfen weiter besteht.

Ein Militär-Husky in kugelsicherer K9-Weste sucht im Feld nach Minen. © AdobeStock/Uliana (Generiert mit KI)

Der wichtigste Grund jedoch liegt wohl in einer anderen Eigenschaft als der guten Nase oder der physischen Kraft. Tiere, besonders Hunde, sind ihrem Führer treu ergeben und fügen sich seinem Willen, ohne diesen zu hinterfragen. Aus diesem Grund ist das Risiko so groß für sie, ausgenutzt zu werden.

Wasserrettungshund. Bild: PaterMcFly, CC BY 4.0
Bombensuchhund. Bild: © AdobeStock/M.Dörr & M.Frommherz

Es liegt also schlicht in der Verantwortung des Menschen, diese Abhängigkeit nicht zu missbrauchen und das Tier nicht als Werkzeug, sondern vielmehr als fühlendes Wesen zu respektieren und entsprechend verantwortungsvoll mit ihm umzugehen.