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Wie neue Methoden das Leid ersetzen könnten
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Wie neue Methoden das Leid ersetzen könnten

Tierversuche an Universitäten: Tradition mit Schmerz

Bild: © Jan Peifer
Tierversuche sind ein höchst umstrittenes Thema, das stark polarisiert. Einerseits werden sie von vielen Wissenschaftlern als unverzichtbar für den medizinischen Fortschritt gesehen. Aus dieser Perspektive spielen sie eine wichtige Rolle bei der Gewinnung neuer Erkenntnisse über das Leben allgemein sowie für die Verbesserung der Gesundheit und des Lebens von Mensch und Tier. Andererseits gibt es zahlreiche Argumente gegen die Durchführung von Tierversuchen. Tierversuche bedeuten Leid und Schmerz. Tiere werden extra für die Durchführung von Versuchen unter artfremden Bedingungen gezüchtet und gehalten.
Ein Bericht von Jan Peifer

Die Übertragbarkeit von Versuchsergebnissen auf Menschen ist zumindest zweifelhaft – Menschen sind weder Mäuse noch Ratten, Affen oder Schweine (die allesamt häufig verwendete Versuchstiere sind). Und: Es gibt seit langem zahlreiche Alternativmethoden wie Computersimulationen oder auch Experimente mit Zellen oder Gewebeproben aus lebenden Organismen, sogenannte in-vitro-Verfahren. Im Jahr 2022 wurde nach offiziellen Zahlen EU-weit rund 9,3 Millionen Tiere getötet, in Deutschland 1,7 Millionen Tiere.

Seit Jahren werden erfolgreich Alternativen zu Tierversuchen entwickelt. Bilder: © Jan Peifer

Für Tierversuche verwendet wurden in Deutschland im Jahr 2023 insgesamt rund 3,5 Millionen Tiere. Dies waren 17% weniger als im Vorjahr.

Neben dem Einsatz in Forschung und Medizin finden Tierversuche auch im Bereich der Produktentwicklung statt, etwa für Kosmetika, außerdem für die Entwicklung von bestimmtem Futter für Haustiere wie Hunde und Katzen. Einen weiteren Schwerpunkt für Tierversuche bilden Studium und Lehre an Universitäten. Obwohl es mittlerweile zahlreiche Alternativmethoden gibt, werden hier noch immer Versuche an lebenden Tieren durchgeführt. Darüber hinaus werden auch Tiere „verbraucht“, die zuvor getötet wurden und in Sezierkursen und ähnlichen Veranstaltungen zum Einsatz kommen. Besonders im Biologie- und Medizinstudium sollen Studenten so den Aufbau der Organismen lernen. Hierfür werden die unterschiedlichsten Tiere genutzt. Dazu gehören verschiedene Wirbellose wie größere Insekten oder Würmer. Außerdem werden Fische und Amphibien wie Frösche gerne eingesetzt. Kleinsäuger wie Mäuse und Ratten gehören zu den bekanntesten Versuchstieren, aber auch Kaninchen, Katzen und Hunde werden für Versuche und Übungen genutzt. Eher selten, aber dennoch als Versuchstiere verwendet (sowohl tot als auch lebendig) werden auch Schweine, Schafe oder Kühe. Der ethische Aspekt ist wohl das schwerwiegendste Argument gegen Tierversuche. Denn die Tiere fühlen Leid und Schmerz, was ihnen angetan wird. Sie leiden unter Angst, Stress und teils wohl unvorstellbaren Schmerzen, weshalb nicht nur im Tierschutz aktive Menschen diese Versuche ablehnen.

Vor allem Mäuse und Ratten werden für Tierversuche eingesetzt. Bild: © Jan Peifer

Abgesehen davon, dass sie dieses Leid vermeiden, bieten alternative Methoden zahlreiche weitere Vorteile. Versuche mit Computersimulationen oder lebensechten haptischen Modellen lassen sich in der Regel beliebig oft wiederholen.

Versuche am lebenden Tier oder auch Sezierübungen bieten dabei nur eine einzige Chance, eine bestimmte Prozedur zu erlernen. Für jede Wiederholung wird ein neues Tier benötigt, tot oder lebendig. Tierfreie Methoden sind damit nicht nur effizienter, sondern auch kostengünstiger. Denn nicht nur wird kein Tier benötigt, sondern auch keine Zucht, Haltung, Versorgung, Personal wie Tierpfleger und -ärzte etc. Kein Studierender wird gezwungen, gegen sein Gewissen zu handeln, nur um einen Kurs zu bestehen. Erfreulicherweise verzichten immer mehr Universitäten aus diesen Gründen auf den Einsatz von Tieren.

Frettchen werden in der biomedizinischen Forschung in bestimmten, spezialisierten Bereichen als Versuchstiere eingesetzt. Bild: © Jan Peifer

Nach offiziellen Angaben haben z. B. in den USA bereits alle medizinischen Fakultäten auf den Einsatz von Tierversuchen im Unterricht verzichtet, darunter auch die EliteUniversitäten Harvard, Yale und Stanford. Diese Entwicklung greift auch ein Kinofilm auf, der im Laufe dieses Jahres anlaufen wird. Die Filmemacher begleiten Forschende, die mit künstlicher Intelligenz, Multi-OrganChips und 3D-Bioprinting die biomedizinische Forschung revolutionieren und so ein Ende der Tierversuche einleiten wollen. 

Tierversuche an deutschen Universitäten müssen nicht sein!

Angesichts moderner, wissenschaftlich anerkannter Alternativmethoden wie in-vitro-Verfahren, Computersimulationen und 3DModellen sollte die Lehre an deutschen Universitäten zunehmend auf Tierversuche verzichten. Diese Methoden ermöglichen nicht nur eine ethisch verantwortungsvollere Ausbildung, sondern sind oft auch effizienter, kostengünstiger und wiederholbar. Zahlreiche internationale Hochschulen haben diesen Wandel bereits vollzogen. Es ist an der Zeit, dass auch deutsche Universitäten vermehrt tierfreie Lehrformate nutzen und so Forschung und Lehre zukunftsorientiert und tierschonend gestalten.