Tierleid für den Weltmarkt
Wie Deutschlands Exporte Tiere und lokale Märkte belasten
Zwar sind die aktuellen Zahlen insgesamt rückläufig, der Export in Drittstaaten jedoch steigt. Möglich ist das nur durch eine hochintensive Tierhaltung – die industrielle Massentierhaltung. Schweine leben hier oft auf engstem Raum, ohne Beschäftigung und mit wenig Bewegung. Ihre natürlichen Bedürfnisse wie Wühlen, Erkundung oder Sozialkontakt in stabilen Gruppen können sie in der Regel kaum bis gar nicht ausleben. Rücksicht wird hierauf nicht genommen.
In der Milchproduktion zeigt sich ein ähnliches Bild. Kühe werden auf hohe Leistung gezüchtet. Hochleistungskühe müssen heutzutage bis zu 10.000 Liter Milch pro Jahr und Tier liefern, einzelne Züchtungen sogar noch darüber hinaus. Seit 1950 hat sich damit die Milchleistung pro Tier vervierfacht. Damit das wirtschaftlich bleibt, müssen Betriebe möglichst kostengünstig produzieren. Das bedeutet häufig: große Bestände, wenig Weidegang und ein enormer Leistungs- und Leidensdruck für die Tiere. Mit über 30 Millionen Tonnen Kuhmilcherzeugung liegt Deutschland in der EU auf dem Spitzenplatz. Rund die Hälfte wird als Milch oder Milcherzeugnis exportiert. Insbesondere Milchpulver wird für den Export in Länder des globalen Südens produziert. Die Folgen spüren nicht nur die Tiere hierzulande, die nach wenigen Jahren ausgelaugt sind und im Schlachthof landen. In westafrikanischen Staaten etwa konkurriert importiertes Milchpulver aus Europa mit frischer Milch von lokalen Bäuerinnen und Bauern.

Die europäischen Produkte sind oft billiger. Das liegt nicht daran, dass sie nachhaltiger oder effizienter wären, sondern an politischen Rahmenbedingungen. Subventionen im Rahmen der Europäische Union sowie Exportförderungen senken die Preise künstlich. Für lokale Erzeuger in Ländern wie Ghana oder Senegal wird es dadurch schwer, ihre Produkte kostendeckend zu verkaufen. Ganze Wirtschaftszweige geraten unter Druck. Wer von der Viehhaltung lebt, verliert Einkommen. Das schwächt die regionale Landwirtschaft und gefährdet die Ernährungssouveränität. Statt unabhängiger Versorgung wächst die Abhängigkeit von Importen. Der globale Handel verstärkt so ein System, das auf Masse statt Klasse setzt.

Tiere werden zu Produktionsfaktoren in einem internationalen Wettbewerb.
Je billiger produziert wird, desto besser sind die Chancen auf dem Weltmarkt. Tierwohl spielt dabei oft nur eine untergeordnete Rolle, wenn überhaupt. Gleichzeitig leiden Klima und Umwelt unter den hohen Emissionen und dem Ressourcenverbrauch der Massentierhaltung. Es ist wichtig, diese Zusammenhänge offen zu benennen. Wer Tierleid wirksam reduzieren will, muss auch die wirtschaftlichen Strukturen hinterfragen. Dazu gehört die Forderung, Exportförderungen für tierische Produkte zu beenden. Ebenso braucht es einen schrittweisen Abbau von Subventionen, die Fleisch und Milch künstlich verbilligen. Stattdessen sollten pflanzliche Alternativen stärker gefördert werden, auch im internationalen Handel. Hülsenfrüchte, Getreide oder pflanzliche Eiweißprodukte können einen wichtigen Beitrag zu Ernährungssicherheit leisten, ohne Tiere auszubeuten. Eine faire Handelspolitik müsste lokale Märkte stärken, statt sie durch Billigexporte zu schwächen. Tierleid entsteht nicht im luftleeren Raum. Es ist eng verknüpft mit politischen Entscheidungen und globalen Handelsstrukturen. Wer genauer hinsieht, erkennt: Fleisch für den Weltmarkt hat einen hohen Preis, für Tiere hier und für Menschen anderswo – und ist dabei viel zu billig.
