Weitere Tierquälerei im Schweinehochhaus
Keine Ende in Sicht
Mit einer nur kurzen Unterbrechung zur Zeit der Wende leben hier ständig rund 500 Zuchtsauen, die jedes Jahr Tausende Ferkel zur Welt bringen müssen. Dass Schweine in der industriellen Massentierhaltung so gut wie nie ein artgerechtes Leben führen können, ist den meisten Menschen mittlerweile bekannt. Doch Zuchtsauen leiden besonders unter der grausamen Haltung, denn sie verbringen fast die Hälfte ihres Lebens fixiert in sogenannten Kastenständen.
In diesen engen Käfigen können die Tiere sich kaum bewegen, ein Umdrehen ist unmöglich. Sie stehen, essen und schlafen in ihren eigenen Exkrementen, oft können sie sich nicht einmal ablegen.
Die Kastenstände sollen offiziell Verletzungen durch Rangkämpfe verhindern – doch dienen sie vor allem dazu, möglichst viele Schweine auf möglichst wenig Platz unterzubringen und den Profit der Mäster so zu steigern. Mit der Dokumentation eben dieser Haltungsform im Schweinehochhaus sorgten Tierschützer für Aufsehen, sie zeigten den Betreiber der Anlage an. Denn die Kastenstände an sich sind zwar (noch) nicht verboten, doch die durch sie verursachten Missstände verstoßen regelmäßig gegen eine Reihe von Vorschriften. Die einzelnen Käfige im Schweinehochhaus waren zu eng, die hygienischen Bedingungen eine Katastrophe. So wurden auch bei einer amtlichen Kontrolle zahlreiche Mängel und Verstöße gegen Tierschutzrecht und Hygieneverordnung festgestellt, dem Züchter wurden strenge Auflagen erteilt. Schon wenig später aber wurde das Verfahren wieder eingestellt, die Staatsanwaltschaft sah die Mängel als behoben an.
Neue Aufnahmen aus dem Inneren der Anlage zeigen nun jedoch, dass diese nach wie vor den Alltag der Zuchtschweine bestimmen. Erneut stellten Tierschützer deshalb jetzt Strafanzeige gegen den Betreiber des Schweinehochhauses. Schon 2015 hatten sie eine Großdemonstration vor dem Betrieb organisiert, an einer Folgeveranstaltung nahmen auch 2016 wieder mehrere hundert Tierschützer aus ganz Deutschland teil und machten ihrer Forderung nach einer Schließung der Anlage lautstark und medienwirksam Luft.
Für ein Ende der Haltung in Kastenständen
Für weiteres Aufsehen sorgte zeitgleich eine Gerichtsposse im vergangenen Jahr: Der Betreiber des Schweinehochhauses hatte nach der Dokumentation und Veröffentlichung der Zustände in seiner Anlage Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet, doch wegen eines Formfehlers wurde der Prozess vor dem Amtsgericht Köthen schon nach zwanzig Minuten wieder beigelegt. Schon lange beschäftigt das Schweinehochhaus auch die Politik. Zwar werde die Anlage offiziellen Angaben nach regelmäßig kontrolliert, um Missstände auszuschließen. Doch auch Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert hat sich mittlerweile für ein Ende der Kastenstände in der Sauenhaltung und damit auch im Schweinehochhaus ausgesprochen. Die Grünen-Politikerin setzt stattdessen auf das Modell Dänemarks, wo die Kastenstände bereits abgeschafft wurden und Zuchtschweine in Gruppen gehalten werden.
Mit dieser Forderung folgt sie auch einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, welches im vergangenen Jahr entschieden hatte, dass Schweinen mehr Platz angeboten werden muss als bisher. Statt auf starre Vorgaben an die Breite der Kastenstände zu achten, müssen Schweinezüchter danach gewährleisten, dass den Tieren jeweils individuell ein ungehindertes Ablegen und Ausstrecken der Gliedmaßen möglich ist. Da moderne Schweinerassen deutlich größer werden als in der Vergangenheit, sich dennoch in der Widerristhöhe und damit der zum Ablegen benötigten Breite deutlich unterscheiden können, seien demnach die Haltungsbedingungen den einzelnen Tieren anzupassen und nicht länger umgekehrt – ein Meilensteinin der Geschichte der Massentierhaltung.
Als erstes Bundesland hat Hessen daraufhin bereits Ende des Jahres eine Umbaufrist für die veralteten Kastenstände bis Mitte 2017 beschlossen und will damit Vorreiter für die übrigen Länder werden. Ein Umbau des Schweinehochhauses gemäß neuer Haltungsverordnungen hin zur Gruppenhaltung ist aber eher unwahrscheinlich, da dieser mit hohen Kosten verbunden wäre, die sich in einer so alten Anlage wohl kaum rentieren würde. Tierschützer in ganz Deutschland hoffen daher, dass die erneute Strafanzeige ein großer Schritt auf dem Weg zur Schließung des ehemaligen DDR-Betriebs sein wird.