left 
Strukturvielfalt fördert Artenvielfalt
reload
arrow_down

Strukturvielfalt fördert Artenvielfalt

Mein tierfreundlicher Garten

Die Larve des Gefleckten Schmalbocks (Strangalia maculata) ernährt sich von morschem Laubgehölz wie Buche, Birke, Eiche und Weißdorn. © Ursula Bauer
Tiere kommen nicht zum Spaß in unsere Gärten, sondern weil sie hier Nahrung, Unterschlüpfe und Nistmöglichkeiten finden. Schaffen Sie möglichst viele unterschiedliche Lebensräume, denn vielfältige Strukturen sorgen für Artenreichtum. Eichhörnchen und Vögel etwa benötigen Bäume und Sträucher, Schlangen und Eidechsen sind in trocken-warmen Biotopen anzutreffen, und die meisten Frösche und Kröten brauchen eine gewisse Feuchte.
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Steine

Natursteine bereichern jeden Garten. Aus ihnen lassen sich recht einfach und kostengünstig wertvolle Biotope bauen, die bei Mäusen, Igeln, Kröten, Insekten, Schnecken und Spinnentieren, Eidechsen und Blindschleichen als Versteck, überwinterungsmöglichkeit oder zum Sonnen beliebt sind.

Totholz

Abgestorbenes Holz wird von vielen verschiedenen Tieren genutzt. Allein über 1.300 Käferarten sind darauf angewiesen. Wenn Holz langsam verwittert, machen sich zum Beispiel die Larven von verschiedenen Borken-, Bock-, Prachtund Rüsselkäfern an die Arbeit. Die von den Holzfressern genagten Gänge können im Anschluss von Wildbienen und einigen Wespenarten für ihr Brutgeschäft genutzt werden. Schwämme und Pilze, die gerne morsches Holz besiedeln, bieten einen weiteren Lebensraum für spezielle Käfer und Fliegen.

Sie können einfach äste im Garten aufhäufen oder in Form einer Hecke oder eines Zaunes gestalten. Neben Insekten finden hier Eidechsen und Schlangen geeignete Sonnenplätze. Auch Kröten, Igel, Wiesel und Spitzmäuse nutzen Asthaufen als Jagdrevier sowie als Rückzugsund überwinterungsmöglichkeit. Verwenden Sie das in Ihrem Garten anfallende Schnittgut, und denken Sie daran: Laubholz ist grundsätzlich artenreicher als Nadelholz.

Zauneidechsen (Lacerta agilis) bewohnen warme Biotope. Foto: © Ursula Bauer
Bereits ein einfacher Steinhaufen ist eine Bereicherung für jeden Garten. Foto: © Ursula Bauer
Bei einer Mauer aus Naturstein sollten die Fugen offen bleiben, damit sie von Tieren und Pflanzen besiedelt werden können. Foto: © Ursula Bauer
Schön bewachsene Steinspirale. Foto: © Ursula Bauer
Asthaufen. Foto: © Ursula Bauer
Stehendes Totholz ist seltener und daher ökologisch wertvoller als Liegendes. Foto: © Ursula Bauer
Bestimmte Käfer ernähren sich ausschließlich von Baumpilzen. Foto: © Ursula Bauer
Die Erdkröte versteckt sich gerne in Totholzhaufen. Foto: © Ursula Bauer
In diesem Zaun aus Ästen hat ein Igel seinen Unterschlupf. Foto: © Ursula Bauer

Wasser

Ein Feuchtbiotop ist für jeden Garten eine hübsche und ökologisch wertvolle Bereicherung. Es kann ein Teich sein, eine Wassermulde oder ein größeres, wassergefülltes Gefäß. Hat man die Möglichkeit, einen richtigen Teich anzulegen, sollte dieser über unterschiedlich tiefe Zonen verfügen. Tiefe Stellen von mindestens 1m sind wichtig, damit das Gewässer im Winter nicht vollständig durchfriert und Tiere wie Wasserfrösche, junge Molche, Fische und Libellenlarven überwintern können. Flachwasserzonen (etwa 10-40 cm tief) dürfen ebenfalls nicht fehlen, und an den Rändern sollten sanft auslaufende Uferbereiche modelliert werden, über die Teichbewohner leicht hineinund auch wieder herauskommen können.

Es empfiehlt sich, Sauerstoffpflanzen wie Wasserfeder (Hottonia palustris) oder Tannenwedel (Hippuris vulgaris) in den Teichgrund zu pflanzen, da diese das Teichwasser klar halten, das Algenwachstum reduzieren und Sauerstoff abgeben. Große und kleine Steine am Ufer, auf denen Insekten rasten und sonnenbaden können, sind sinnvolle, zusätzliche Strukturelemente. Für den Rückzugsund Fortpflanzungsraum eignen sich Sumpfpflanzen wie TeichBinse (Schoenoplectus lacustris), Rohrkolben (Typha angustifolia), Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacorus), Wasserdost (Eupatorium cannabinum) und Blutweiderich (Lythrum salicaria). In Flachwasserzonen können Sie Arten wie Froschlöffel (Alisma plantagoaquatica), Wasserminze (Mentha aquatica) oder Froschkraut (Luronium natans) setzen. Für den Tiefwasserbereich eignen sich untergetauchte oder schwimmende Pflanzen wie Weiße Seerose (Nymphaea alba), gelbe Teichrose (Nuphar lutea) und Krebsschere (Stratiotes aloides).

Artenreich bepflanzter, naturnaher Gartenteich. Foto: © Ursula Bauer
Am häufigsten finden sich Grünfrösche am Gartenteich ein. Foto: © Ursula Bauer
Selbst solch ein kleines Wasserbecken ist sinnvoll. Foto: © Ursula Bauer
Sogar der in Deutschland sehr selten gewordene Laubfrosch (Hyla arborea) ist gelegentlich in Gärten mit Teichen zu finden. Foto: © aktion tier e.V.
Der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) ist eine Großlibellenart, die sich gerne an pflanzenreichen Teichen aufhält. Foto: © Ursula Bauer

Die Bepflanzung des Gartenteichs

Die Bepflanzung sollte nicht zu dicht sein, damit sich die Vegetation von selbst ganz natürlich entwickeln kann. Sie können sich Anregungen aus der Natur holen und naturnahe Seen, Teiche und Tümpel näher untersuchen. Aber bitte entnehmen Sie keine Pflanzen, sondern kaufen Sie diese in einer Gärtnerei!

Ein naturnah gestalteter Garteneich wird meist schon nach wenigen Wochen von den ersten Libellen besucht, und in der Regel stellen sich dann auch bald Frösche, Kröten und Molche ein. Weitere, an Wasser gebundene Tierarten wie Wasserläufer, Köcherfliegen und Wasserwanzen kommen im Laufe der Zeit von allein dazu. Viele Vögel werden die Uferbereiche zum Baden und Trinken nutzen, und auch andere Gartenbewohner wie Igel, Mäuse und Schmetterlinge können hier ihren Durst löschen.

Wenn der Platz für einen Teich nicht ausreicht, lässt sich auch aus einem Holzfass, einer Zinnwanne oder einem ausgehöhlten Stein mit anspruchslosen Pflanzen wie Binsen, Seerosen und Sumpfdotterblumen leicht ein Mini-Feuchtbiotop zaubern. Frösche und Molche werden sich hier natürlich nicht ansiedeln. Aber Wasserschnecken bekommen Sie oft über die gekauften Wasserpflanzen automatisch dazu, und auch Libellen und andere Insekten werden in der Regel von kleinen Wasseroasen magnetisch angezogen. Alle Behältnisse mit geraden, hohen Wänden brauchen aber unbedingt eine Ausstiegshilfe wie beispielsweise ein angerautes Holzbrett oder einen dickeren Ast mit rauer Rinde.

In einem Naturteich sollten Sie selbstverständlich auf jegliche Chemie sowie den Einsatz technischer Geräte wie Schlammsauger verzichten! Algen lassen sich auch gut mit einem Kescher entfernen.