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Blutige Merinowolle
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Blutige Merinowolle

Tierliebhaber achten darauf, wo ihre Wolle herstammt. Foto von Derek Sewell auf Pixabay
Merinowolle hatte bis dato eigentlich ein gutes Image. Was kaum einer weiß: An ihr haften häufig Gräueltaten. Die Wolle produzierenden Schafe werden dem sogenannten Mulesling unterzogen. Ohne Narkose entfernen ihnen die Produzenten mit Instrumenten, die am ehesten noch alten Gartenscheren ähneln, ganze Hautlappen.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Etwa 25 Millionen Schafe werden in Australien jährlich dieser Prozedur unterzogen. Während ihnen die Haut weggeschnitten wird, bekommen sie weder ein Betäubungs- noch ein Schmerzmittel verabreicht. Fliegen legen in diese Falten Eier ab, und es kommt zu schweren Entzündungen, was mit Tierverlusten und auch Gewinneinbußen einhergeht. Doch anstatt auf faltenfreie Züchtung zu setzen oder Insektenschutzmittel zu verwenden, wählen die Merinoproduzenten einen kostengünstigeren Weg: Die betroffenen Hautareale werden bei vollem Bewusstsein der Schafe herausgeschnitten. Darunter kommt das blanke Muskelfleisch zum Vorschein. Für den Akt an sich werden die Tiere auf dafür vorgesehene Vorrichtungen festgeschnallt, freiwillig halten sie natürlich nicht still. Verheilt der verletzte Bereich und eine Narbenbildung setzt ein, ist die Haut im Anschluss quasi gestrafft.

In Neuseeland ist Mulesling seit 2018 verboten. Australien sieht derzeit noch keinen Anlass für ein flächendeckendes Verbot. Tierliebhaber achten deshalb darauf, wo ihr Wollpullover herstammt, wenn es denn Merino sein muss. Einige Hersteller werben mit der Verwendung von Mulesling freier Wolle. Sie sollten beim Kauf bevorzugt werden.