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Die richtige Auslastung des Hundes
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Die richtige Auslastung des Hundes

Nicht nur um den Block …

Aufmerksamkeitstraining während des Spaziergangs ist wichtig und stärkt die Bindung zwischen Hund und Mensch. © aktion tier, Ursula Bauer
Häufig stellen sich Hundebesitzer:innen die Frage, ob ihr Hund ausreichend ausgelastet ist. Doch was heißt Auslastung eigentlich, und reicht es nicht, wenn der Hund sich den ganzen Tag im Garten frei bewegen kann oder seinen täglichen Spaziergang an der Leine bekommt? Auslastung bedeutet für einen Hund, dass er regelmäßig alle seine angeborenen und erlernten, sowohl körperlichen als auch geistigen Talente, Fähigkeiten und Sozialbeziehungen ausleben und einsetzen kann.
Ein Bericht von Ann Kari Sieme, aktion tier-Geschäftsstelle Berlin

Viele Hundehalter:innen reduzieren die Auslastung jedoch immer noch auf die rein körperliche Auslastung und sind der Meinung, dass der Hund spätestens nach einer ausgiebigen Fahrradtour komplett ausgelastet ist. Doch die Auslastung des Hundes beinhaltet deutlich mehr als Bewegung und setzt sich aus mehreren Bereichen zusammen, die alle im Zusammenleben mit unserem Hund Beachtung finden sollten.

Die körperliche Auslastung

Hier geht es wirklich um die Bewegung. Diese sollte immer dem Alter, Gesundheitszustand und Trainingsstand des Hundes angepasst sein. Das Bewegungsbedürfnis einzelner Hunde kann sehr unterschiedlich ausfallen. Genauso sollte die Wahl der Art der Bewegung ganz individuell auf den einzelnen Hund angepasst werden. Manche Hunde sind schon zufrieden mit einem gemütlichen Spaziergang an lockerer Leine, während andere auch nach einem 1,5-stündigen strammen Marsch über Stock und Stein erst so richtig warm gelaufen sind.

Die soziale Auslastung

Als hochsoziales Lebewesen hat der Hund, neben dem Kontakt zum Menschen, auch Bedarf an ausreichend und regelmäßigen Sozialkontakten mit Artgenossen. Hier sind Treffen mit zwei bis drei festen „Hundekumpels“ deutlich mehr zu empfehlen, als das tägliche kurze Zusammentreffen fremder Hunde. Im Freilauf können Hunde Sozialverhalten lernen und ausüben. Beim Thema soziale Auslastung sollte aber auch das Spielen mit dem Menschen, der ebenfalls als Sozialkontakt für den Hund zählt, nicht vergessen werden. Wie bei der körperlichen Auslastung, sollte die Intensität der sozialen Auslastung immer individuell angepasst werden.

Konkrete Empfehlungen zur körperlichen Auslastung sind erst nach Berücksichtigung der individuellen Leistungsgrenzen möglich und sollten keinesfalls pauschal erfolgen. Klar ist jedoch, dass zu wenig Bewegung genauso schädlich wie zu viel Bewegung sein kann

Das Spiel mit einer Frisbee Scheibe ist abwechslungsreich. © aktion tier, SABO
Feste Treffen mit Hundekumpels. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Die geistige/mentale Auslastung

Die geistige bzw. mentale Auslastung des Hundes regt das Lernen an, macht glücklich, fördert das Selbstbewusstsein des Hundes und stärkt die Beziehung zwischen Hund und Halter. Bei der geistigen Auslastung des Hundes sind der Phantasie von Herrchen und Frauchen kaum Grenzen gesetzt. So kann diese beispielsweise über Trickarbeit, Clickertraining oder Intelligenzspielzeuge befriedigt werden. Zur mentalen Auslastung zählt alles, wobei der Hund sein „Köpfchen“ benutzen muss. Auch das Übertragen bestimmter Aufgaben kann sehr erfüllend für den Hund sein. So wird er beispielsweise beim Anund Ausschalten des Lichts auf ein bestimmtes Signal nicht nur mental ausgelastet, sondern durch das Übernehmen von Aufgaben in der sozialen Gruppe auch hervorragend in diese integriert.

Die olfaktorische Auslastung

Der Hund ist ein Makrosmatiker (lat. „Großriecher“). Der Geruchssinn des Hundes ist also sehr gut entwickelt und spielt eine elementare Rolle in der Wahrnehmung seiner Umwelt. Die intensive und gezielte Beanspruchung der Hundenase ist bedeutend für die optimale Auslastung des Hundes und zum Glück gar nicht schwer in der Umsetzung. Von der einfachen Futtersuche in Wohnung oder Garten, über das Anbieten eines Schnüffelteppichs, bis hin zur gezielten Suche einer versteckten Person (Mantrailing) ist für die olfaktorische Auslastung fast alles möglich. Auch das Prüfen von Duftmarken anderer Artgenossen zählt nicht nur zur sozialen, sondern vor allem auch zur olfaktorischen Auslastung. Die olfaktorische Auslastung hat eine breite Schnittmasse mit der geistigen/ mentalen Auslastung.

Rassespezifische Auslastung

Die rassespezifische Auslastung dient vor allem dem Ausleben von persönlichen Fähigkeiten bzw. dem Nachgehen von Aufgaben, für die der Hund ursprünglich gezüchtet wurde. Sie stellt eine Mischform bzw. individuelle Zusammenstellung der anderen AuslastungsArten dar. So können Hütehunde beispielsweise beim Treibball ihre absolute Erfüllung finden, während Windhunde ihre rassespezifische Auslastung wohl eher auf der Rennbahn erleben. Die verschiedenen Arten der Auslastung lassen sich in der Regel wunderbar miteinander kombinieren, wenn man sich ein wenig Mühe gibt. So stellt ein ausgiebiger Spaziergang mit Schnüffelpausen, kurzen Trainingseinheiten und Sozialkontakten mit Artgenossen für die meisten Hunde eine ganzheitliche Auslastung dar. Auch der in vielen Vereinen und von Trainer:innen angebotene Hundesport in den verschiedensten Variationen enthält in der Regel sowohl eine körperliche, als auch eine geistige (olfaktorische) und soziale Komponente.

Zur mentalen Auslastung zählt alles, wobei der Hund sein „Köpfchen“ benutzen muss, wie hier bei einem Suchspiel. Foto: © Ann Kari Sieme
Ein sogenannter Leckerlibaum ist spannend und motiviert. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Wenn man nun betrachtet, was für die Auslastung eines Hundes wichtig ist, lässt sich schnell feststellen, dass der alleinige, wenn auch ganztägige Aufenthalt im eigenen Garten oder die kurze Runde an der Leine um den Block für kaum einen Hund ausreichend sein und einen Spaziergang mit facettenreichem Reizangebot nicht ersetzen kann. Dies bestätigt auch eine Studie von Kobelt et al. aus dem Jahr 2003, die mit über 200 Hunden in Australien durchgeführt wurde, die ganztags im Garten gehalten wurden. Je weniger Auslauf die Hunde außerhalb des Gartens hatten, desto häufiger zeigten sie Verhaltensprobleme wie Hin- und Herlaufen, exzessives Bellen, im Kreis drehen, übermäßiges Herumrennen und sonstige Ausbrüche.