Das Küken-Töten geht weiter
Verbraucherschutztipps
Wie Medien berichteten, haben mindestens drei Brütereien aus NordrheinWestfalen im vergangenen Jahr einen anderen Weg gefunden, das Verbot zu umgehen: Sie transportierten die aussortierten Küken einfach ins Ausland, denn das Verbot des Kükentötens gilt nicht überall in der EU. Obwohl offiziell fast alle Mitgliedsstaaten die Einführung eines Verbots unterstützen, nimmt Deutschland noch eine Vorreiterrolle ein. Ein Verbot gibt es z.B. auch in Österreich; zu Futterzwecken dürfen Küken jedoch noch immer getötet werden. Werden sie also offiziell zur Abgabe an Zoos oder Greifvogelstationen deklariert, dürfen männliche Küken weiter vergast werden. Auch in Frankreich gibt es ein Verbot, allerdings nur für bestimmte Rassen von Legehennen. In unserem Nachbarland werden die Eier durchleuchtet, um das Geschlecht zu bestimmen. Dieses Verfahren funktioniert allerdings nur bei bestimmten Rassen. Die Küken anderer Legerassen dürfen weiter getötet werden. In den Niederlanden, wohin die Küken aus Nordrhein-Westfalen transportiert worden waren, gibt es noch kein Verbot.
Viele Tierschützer feierten die Einführung des lange angekündigten Verbots des Kükentötens als riesigen Erfolg. Da das Verbot aber nicht EU-weit gilt, sorgte die Einführung auch für neue Probleme.
Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft berichtete, dass die Zahl der in Deutschland ansässigen Brütereien sich fast halbiert habe. Auch die Anzahl der hierzulande geschlüpften Junghennen sei um die Hälfte zurückgegangen. Da der Import von jungen Legehühnern aus Ländern ohne Verbot des Kükentötens legal ist, sei dieser gleichzeitig spürbar angestiegen. Hier muss also dringend nachgebessert werden, denn sonst wird das Problem einfach weiter verschoben.
Auch die EU-Agrarminister sind sich dessen wohl bewusst. So forderten die Agrarminister aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Finnland, Luxemburg, Österreich, Portugal und Zypern die EU-Kommission auf, ein EU-weites Verbot des Kükentötens bei der nächsten Neufassung der EU-Tierschutzvorschriften mit aufzunehmen. Eine einfachere Alternative wäre schneller umsetzbar. Legehühner stammen heute aus Hochleistungszuchtrassen, sie können enorm viele Eier legen und setzen dabei kaum Fleisch an. Sogenannte Zweinutzungsrassen legen zwar etwas weniger Eier, können aber auch für die Fleischproduktion gezüchtet werden. Außerdem sind sie robuster und vertragen viel flexibleres Futter als ihre spezialisierten Artgenossen. So wäre ihre Verwendung auch wirtschaftlicher als die bisher oft angewandte Aufzucht der „Bruderhähne“, denn diese brauchen die doppelte Zeit zur Erreichung des Schlachtgewichts wie reine Masthähnchenrassen.
Wie die Zukunft der Eierproduktion auch immer aussehen mag, sie kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit ihr viel Leid verbunden ist.
Egal, welche Rassen verwendet werden, Tiere werden ausgenutzt und unter artwidrigen Bedingungen gehalten. Anders ließe sich die große Nachfrage nach Eiern nicht befriedigen: Rund 230 Eier pro Jahr isst im Schnitt jeder Deutsche. Hierzu zählen nicht nur frische Eier, sondern vor allem auch Eier in verarbeiteten Produkten wie Nudeln oder Gebäck. Besonders diese Eier jedoch könnten ohne Schwierigkeiten weggelassen werden. Original italienische Pasta besteht ohnehin nur aus Hartweizengrieß und Wasser, beim Kuchenbacken können Eier durch Apfelmus oder reife Bananen ersetzt werden. Omeletts und Rührei lassen sich mit Tofu zubereiten, und für den typischen Eigeschmack sorgt das schwarze Schwefelsalz Kala Namak. Ein Verzicht auf Eier ist leicht. Die einfachste Möglichkeit, Tierleid zu beenden ist es, sie einfach nicht mehr zu kaufen.