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Karte der Tierquälerei
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Karte der Tierquälerei

Tierschutzrelevante Aufdeckungen durch Tierrechtsorganisationen

In der Massentierhaltung kann keinem Tier ein artgemäßes Leben angeboten werden. Bild: © Jan Peifer
Nachrichten, die über Themen aus der industriellen Massentierhaltung sogenannter Nutztiere berichten, bedeuten fast immer schlechte Schlagzeilen. Längst ist es unter Tierschützern kein offenes Geheimnis mehr, sondern ein bekannter Missstand: Die Bedingungen der modernen Intensivtierhaltung werden aus Prinzip nicht den Bedürfnissen der Tiere angepasst, sondern die Tiere werden in artfremde Haltungsbedingungen gezwungen.
Ein Bericht von Jan Peifer

 Egal ob Schweinemasten, Hühnerzuchten, Legebetriebe oder Rinderfarmen – die Massentierhaltung ist der Inbegriff von Tierquälerei, die Tiere leiden unter Enge, Stress, Mastmethoden und vielem mehr. Alleine in Deutschland leben und sterben jährlich 750 Millionen Tiere in der Massentierhaltung. Laut einer neuen Studie des UN-Umweltprogramms (UNEP) beansprucht die Tierhaltung weltweit mittlerweile 78 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Schon alleine aus Platzgründen wäre eine tiergerechte Haltung für alle Tiere gar nicht möglich. Und dennoch ist ein weiteres Phänomen ebenfalls eine Tatsache.

Sobald Tierrechtler oder Aktivisten einen Missstand aufdecken, Licht ins Dunkel von Mastanlagen oder Zuchtbetrieben bringen, ist die Agrarlobby um keine Ausrede verlegen. Die Aktivisten würden Tatsachen falsch darlegen, Bilder und Videos manipulieren. Lässt sich die Echtheit solchen Materials dann gar nicht mehr widerlegen und abstreiten, handelt es sich nach einhelliger Meinung von Züchtern und Agrarunternehmern grundsätzlich und immer um Einzelfälle, um schwarze Schafe. Diese offiziellen Stellungnahmen passen nicht dazu, dass die Agrarlobby keine Kosten und Mühen scheut, bekannte Tierrechtler, Vereine und NGO´s zu drangsalieren und mundtot machen zu wollen, eben weil sie die Realität in deutschen Mastbetrieben zeigen. Dies aber ist ein gutes Beispiel für die schwierigen Machtverhältnisse. Denn während Tierrechtler alleine mit der Unterstützung der Öffentlichkeit Reichweite und Wirkung erzielen, ist die Agrarindustrie auch in die Politik und Rechtsprechung gut verknüpft. Äußerst selten kommt es im Rahmen eines aufgedeckten Skandals zu einer Verurteilung.

Foto: © Jan Peifer
Foto: © Jan Peifer
Foto: © Jan Peifer

Über 160 Fälle von Tierquälerei in der tierhaltenden Landwirtschaft aus ganz Deutschland werden hier dokumentiert. Ohne die Arbeit der Aktivisten wären sie alle vermutlich unerkannt geblieben. Alle Fälle sind anschaulich über eine Deutschlandkarte abrufbar. Unterlegt werden die aufgedeckten Skandale durch einen umfangreichen Statistikteil. Vor allem der auffällig lasche Umgang mit den zahlreichen tierschutzrelevanten Verstößen wird hier deutlich. In nur 24 der über 160 Fälle kam es zu einer Verurteilung der Verantwortlichen. Nur in drei Fällen wurden Haftstrafen auf Bewährung verhängt. Die meisten Verfahren, wenn es denn überhaupt dazu kam, endeten mit Geldauflagen für die Täter. Leider sind viele Staatsanwaltschaften mit dem Thema Tierrechte nicht firm und fachkundig, sind überlastet oder haben schlicht kein Interesse an einer Strafverfolgung.

Darüber hinaus ist das Missverhältnis von Verstößen gegen tierschutzrelevante Vorschriften und entsprechender Konsequenzen auch eine Folge der unzureichenden Kontrollen. Laut offiziellen Angaben wird ein Mastbetrieb in Deutschland im Schnitt einmal in 17 Jahren kontrolliert. Nach Bundesländern aufgeschlüsselt ist Bayern Spitzenreiter: Nur einmal in 49 Jahren schaut hier das Veterinäramt pro Betrieb nach dem rechten. In den meisten Fällen werden die Kontrollen zudem auch noch vorher angekündigt, sodass es in der Regel kaum zu Beanstandungen kommt. Die neue Internetpräsenz ist daher ein wichtiger Beitrag zu mehr Transparenz in der Agrarindustrie in ihrer elementarsten Form, dem direkten Umgang von Menschen mit Tieren. Gleichzeitig hält sie damit den vollmundigen Werbeversprechungen und Marketingbemühungen der Fleischindustrie einen Spiegel vor, in dem sie aufzeigt, wie die Realität in deutschen Ställen tatsächlich und ungeschönt aussieht.