Ein Hund aus dem Tierheim
Da weiß man nicht, was man bekommt?
Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir wünschen, diesen Satz nicht mehr hören zu müssen. Immer wieder fällt mir auf, dass Menschen, die sich ganz bewusst gegen ein Tierheimtier entschieden haben, diesen Satz sagen. Nur, um zu rechtfertigen, warum sie einen Hund beim Züchter gekauft haben. Meiner Meinung nach ist dieser Satz absoluter Quatsch. Denn wenn man irgendwo etwas über das Wesen eines Hundes weiß, dann im Tierheim! Bei einem Welpen kristallisiert sich dieses erst noch heraus. Der richtige Kenner kann allerdings schon recht früh eine ungefähre Prognose abgeben. Allerdings hängt sehr viel von der Erziehung und dem konsequenten Handeln des Halters ab. Und da sind Anfänger bekanntermaßen ja Experten drin.

Hauptsache süß, und der Rest kommt schon von allein. Man hat sich ja auch deswegen ganz bewusst für eine bestimmte Rasse entschieden. Oft Labrador oder ähnliches. Ich hoffe dann immer, dass der Hund das Rassehandbuch auch gelesen hat, damit er versteht, was seine neuen Besitzer von ihm erwarten, ohne viel dazu beitragen zu müssen. Wenn man dann circa sechs Monate später feststellen muss, dass es super läuft und der Hund macht was er will und auch gerne mal einfach dahin geht, wo er hinwill, hat der Züchterkonsument die Schnauze voll. Und wenn Oskar, Bella, Rex oder wie sie auch alle immer heißen mögen, dann auch noch anfangen, Herrchen anzuknurren, kommen sie wegen Überforderung ins Tierheim. Dafür sind die schließlich da.
Und damit nun zu meinem zweiten Lieblingssatz:
„Man weiß ja nicht, was er vorher erlebt hat.“
Das Schlimme an „da weiß man nicht, was man bekommt und was er vorher erlebt hat“ ist, dass ein Mensch diese Meinung in die Welt trägt und verbreitet und damit vielen Tierheimtieren die Chance auf ein neues Zuhause verwehrt. Denn oft wird diese Einstellung, ohne sie zu hinterfragen, von anderen einfach übernommen. Dieser Satz wird auch gerne genutzt, um so zu tun, als könnte es gefährlich werden, einen Hund aus dem Tierheim aufzunehmen. Nach mehreren Problemhunden kann ich Ihnen eines sagen, es ist vollkommen egal, was vorher war. Es zählt für Hunde nur eines: das, was jetzt ist. Sicherlich ist ein „Problemhund“ nichts für Anfänger. Aber der Großteil der Hunde im Tierheim sind ja auch keine. Sondern einfach nur unüberlegte Anschaffungen. Bei Katzen ist es auch nicht anders.

Jeder Tierheimmitarbeiter wird Ihnen zu fast jedem Tier etwas sagen können: Charakter, Vorgeschichte, Vorlieben und Abneigungen. Man bekommt also eine sehr ausführliche „Betriebsanleitung“ für sein neues Tier. Wäre es dann nicht besser, wenn gerade Anfänger sich ein Tier aus dem Tierheim holen? Ist es so nicht einfacher, die ersten Erfahrungen mit einem eigenen Tier zu sammeln? Vor allem, weil gesettelte Tiere eher Fehler verzeihen? Und glauben die Menschen wirklich immer noch, dass man nur, weil man ihn nicht als Welpe kannte, man ihn nicht so liebhaben kann oder er sich nicht so bindet? Ich hoffe nicht. Wenn doch, können sie mich gerne besuchen kommen und sich Ihre eigene Meinung bilden.
Dieser Artikel soll zum Nachdenken anregen. Reichen sei ihn auch gern weiter. aktion tier ist nicht grundsätzlich gegen Züchter. Wenn sie seriös und verantwortungsvoll arbeiten. Aber oft ist es leider nur eine „Gelddruckmaschine“, mit der Konsequenz, dass sich am Ende der Tierschutz um die Tiere kümmern soll.
Wenn Sie gerade auf der Suche nach einem Haustier sind – besuchen Sie bitte unser Web-Tierheim unter: www.aktiontier-webtierheim.de. Hier sind noch viele weitere Tiere auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Besuchen Sie gerne ein Tierheim in Ihrer Region. Die Tiere werden es Ihnen danken!