left 
Bandscheibenvorfall beim Hund
reload
arrow_down

Bandscheibenvorfall beim Hund

Ein plötzlicher Notfall

Bild: Sabrina St./Pixabay
Es kommt aus dem Nirgendwo. Einmal vom Sofa gesprungen und nichts ist mehr wie vorher. Der Bewegungsapparat streikt. Die Hinterbeine machen nicht mehr das, was sie sollen. Wir sprechen von einem akuten Bandscheibenvorfall.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Bandscheibenvorfälle treten bei Hunden weitaus häufiger auf als bei Katzen. Hier sind es vor allem die so genannten chondrodystrophischen Rassen, zu denen die eher kurzbeinigen Hunde gehören. Bei ihnen ist das Knorpel- und Knochenwachstum genetisch bedingt gestört. Es führt zu verkürzten Gliedmaßen und oft zu frühzeitiger Degeneration der Bandscheiben. An erster Stelle stehen hier die Dackel, daher wird die Erkrankung im Volksmund auch Dackellähme genannt. Doch auch Jack Russell Terrier, Shi Tzus, Französische Bulldoggen und viele andere Hunderassen neigen zu diesen Veränderungen am Skelettsystem.

Wie erkenne ich einen Bandscheibenvorfall?

Das ist gar nicht so einfach. Die Symptome variieren. Von einer leichten Hinterhandslahmheit, bei der ein Füßchen ein bisschen hinterherschleift, bis zur vollständigen Lähmung aller vier Gliedmaßen, ist hier alles drin. Manchmal können die Vierbeiner nur das Hinterteil nicht mehr anheben oder das Gangbild wirkt insgesamt steif und ungelenk. Wie stark und welcher Natur die Symptome sind, hängt davon ab, auf welcher Höhe sich im Wirbelkanal die betroffene Bandscheibe befindet und wie weit sie in den Wirbelkanal hineindrückt. Je stärker die Nerven gequetscht werden, desto ausgeprägter ist die Symptomatik. In jedem Fall muss schnell gehandelt werden. Denn je früher mit der Therapie begonnen wird, umso größer ist die Chance, dass der Patient komplett geheilt werden kann.

Was macht der Tierarzt?

Zunächst steht eine gründliche neurologische Untersuchung an, um die Verdachtsdiagnose Bandscheibenvorfall überhaupt festmachen zu können. Dann muss in jedem Einzelfall entschieden werden, wie es weiter geht. Bei der Behandlung werden zwei grundsätzliche Varianten unterschieden. Ist der Bandscheibenvorfall weniger ausgeprägt, kann eine konservative Therapie ausreichen. Sie umfasst die Gabe von Schmerzmitteln und/oder Entzündungshemmern sowie strikte Ruhe und Schonung. Jede Bewegung, die einen erneuten Vorfall begünstigt, muss unterbunden werden. Dazu gehören hohe Sprünge hinauf und vor allem hinab, aber auch wildes Tollen auf der Wiese ist erstmal tabu. Fachgerechte Physiotherapie kann helfen, schnelle Genesung herbeizuführen. In fortgeschrittenen Fällen hilft nur eine Operation, da ist die konservative Vorgehensweise nicht ausreichend. Diese ist allerdings Fachkliniken vorbehalten. Es handelt sich um einen diffizilen Eingriff, der nur von versierten Chirurgen durchgeführt werden sollte. Leider geht dieser mit hohen Kosten einher. Wohl dem, der eine OP-Versicherung für sein Tier abgeschlossen hat. Denn schon allein um herauszufinden, wo der Vorfall genau sitzt, muss ein CT oder ein MRT in Narkose gemacht werden, in einigen Fällen sogar beides.

Wie sieht die Zukunft eines Bandscheibenpatienten aus?

Es gibt erkrankte Tiere, die vollständig genesen und andere, die trotz aller Mühen und Eingriffe erlöst werden müssen, weil weder Schmerzen noch Lähmungserscheinungen in den Griff zu bekommen sind. Sicher ist: Wird zu lange gewartet, sterben Nerven durch den Druck ab und können nicht wieder reaktiviert werden. Besonders Hundehalter von Rassen die prädisponiert für Bandscheibenvorfälle sind, sollten sich Gedanken machen, wo Fallen im Haushalt lauern, die zu einem Bandscheibenvorfall führen können. Als Beispiel seien hier Couch und Bett genannt, die zu riskanten Sprüngen verführen können. Kleine Stufen können an den entsprechenden Stellen platziert als eine Art Trittleiter dienen, um diese gefährlichen Situationen zu entschärfen. Statt einem Riesenhüpfer kann über diese locker hochund runtergetippelt werden. Denn besonders im Zusammenhang mit dem Krankheitsbild Bandscheibenvorfall gilt „Vorsorge ist besser als Nachsorge“.