Können Katzen Zucker haben?
Aus der Tiermedizin
Wie merke ich, dass meine Katze vielleicht Zucker hat? Samtpfoten, die an Diabetes mellitus (so der Fachterminus) erkranken, trinken sehr viel und müssen demzufolge auch große Mengen Urin absetzen. Dem aufmerksamen Tierbesitzer von Wohnungskatzen fällt auf, dass die Urinklumpen in der Katzentoilette viel größer sind, als sie es in der Vergangenheit waren. Katzenbesitzer von Freigängerkatzen tun sich hier schwerer. Oft können sie weder das Trink- noch das Urinabsatzverhalten richtig beurteilen, weil das Tier alles draußen „erledigt“. Ihnen könnte lediglich auffallen, dass ihr Liebling größeren Hunger hat als früher und dabei womöglich an Gewicht verliert. Bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf wirkt zudem das Fell strubbelig und ungepflegt. Manche Tiere wirken schlapp und lustlos. Da alle genannten Symptome auch bei anderen Krankheiten auftreten können, muss nun der nächste Weg zum Tierarzt führen. Eine einfache Blutuntersuchung gibt relativ zweifelsfrei Aufschluss darüber, ob eine Zuckerkrankheit beim Patienten vorliegt, oder ob womöglich andere Ursachen für die Krankheitsanzeichen verantwortlich sind.

Wie entwickelt eine Katze überhaupt einen Diabetes?
Ähnlich wie beim Menschen unterscheidet man hier die angeborene Zuckerkrankheit, die bei Vierbeinern äußerst selten auftritt. Viel häufiger handelt es sich um einen sogenannten Diabetes Typ 2. Faktoren, die diese Form der Krankheit begünstigen, sind eindeutig Übergewicht und Bewegungsmangel. Ganz analog zum Menschen erkranken leider häufig dicke Katzen ohne Freigang. Doch auch das Alter spielt eine Rolle. Betagtere Tiere sind häufiger betroffen als Jungspunde, da es einige Jahre dauert, bis der Stoffwechsel bei unguter Ernährung und mangelnder Fitness entgleist. Eine Sonderform des Diabetes Typ 2 kann durch den Tierarzt entstehen. Anhaltende Gabe von hohen Kortison-Dosen können durch eine tierärztliche Behandlung zu einer erworbenen Zuckerkrankheit führen. Die gute Nachricht: Manchmal ist eine Zuckererkrankung bei Katzen heilbar. Wird sie frühzeitig erkannt und sofort fachmännisch behandelt, ist die Chance, dass die Samtpfote wieder ganz gesund wird, gar nicht so klein.

Wie erreicht man eine komplette Gesundung der Katze?
Die Behandlung des Diabetes bei Katzen ruht auf drei Säulen. Zum einen bedarf es fast immer einer medikamentösen Behandlung, zum zweiten muss die Fütterung verändert werden und drittens ist eine Gewichtsreduktion unerlässlich. Auch hier wieder eine 1:1-Parallele zur Therapie des menschlichen Diabetes.
Was die Medikamente betrifft, war die Therapie für Tierbesitzer früher eine echte Herausforderung. Sie mussten ihre Katzen täglich spritzen. Heutzutage sieht die Sache besser aus. Wird jetzt bei einer Katze eine Zuckerkrankheit diagnostiziert, kann der Besitzer das Medikament auch direkt in den Mund der Katze oder mit einer kleinen Menge Futter verabreichen. Was für eine Erleichterung! Das Spritzen hat den Großteil der Tierbesitzer viel Nerven gekostet. Manche haben es sich gar nicht getraut und die Katze konnte nicht behandelt werden. Der zweite Grundpfeiler der Genesung ist die Futterumstellung. Ab der Diagnose sollte die Katze eine Nahrung erhalten, die reich an Proteinen und arm an Kohlenhydraten ist. Um hier keine Fehler zu machen, ist der Tierbesitzer gut beraten, auf ein Spezialfutter aus dem Zoofachhandel oder vom Tierarzt zurückzugreifen. Dort gibt es spezielle Trocken- und Nassfutter, die für an Zucker erkrankte Katzen geeignet sind. Und „last but not least“, also nicht minder wichtig – das Abnehm-Programm. Übergewichtige Katzen müssen Gewicht verlieren. Wie geht das? Eigentlich ganz einfach. Sie müssen weniger zu fressen bekommen, als sie an Energie für den Tag benötigen. Hier ist der Besitzer gefragt. Er ist derjenige, der die Futtermenge für die Katze vorgibt. Wer sein Tier wirklich liebt, muss hier konsequent sein! Allerdings soll der Abnehmvorgang langsam erfolgen und nicht drastisch. Die Gewichtsreduktion darf Wochen und Monate beanspruchen. Hauptsache, sie erfolgt stetig. Durch regelmäßige Blutkontrollen wird die korrekte Einstellung des Blutzuckers überprüft. Auch wenn sie Stress für das Tier bedeuten und den Geldbeutel des Tierhalters strapazieren, gerade zu Anfang sind sie unerlässlich.
Vor allem bei diesem Krankheitsbild hängt die Gesundheit des Stubentigers von der Einsatzbereitschaft und der Konsequenz des Besitzers ab. Hängt der sich rein und tut alles, was er tun kann, steht einem langen Katzenleben oder womöglich sogar der kompletten Genesung seines Lieblings nichts im Wege.