Veterinärämter am Limit
Zu wenig Personal für den Tierschutz
Seit Jahren beklagen Landkreise und Städte eine zunehmende Überlastung der Veterinärämter. Die Aufgaben werden immer umfangreicher. Neben der Kontrolle von Nutztierhaltungen gehören unter anderem Tiertransporte, Lebensmittelüberwachung, Tierseuchenbekämpfung und der Vollzug zahlreicher gesetzlicher Vorschriften zum Arbeitsalltag. Gleichzeitig stehen vielerorts zu wenige Amtstierärzte und Fachkräfte zur Verfügung. Die Folgen sind gravierend. Eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung zeigte bereits vor einigen Jahren, dass ein Tierhaltungsbetrieb in Deutschland im Durchschnitt nur etwa alle 17 Jahre kontrolliert wird. Zwar gibt es Betriebe, die häufiger überprüft werden – etwa nach Beschwerden oder früheren Beanstandungen. Viele andere erhalten jedoch über Jahre hinweg keinen Besuch der zuständigen Behörde. Dadurch bleiben Missstände häufig lange unentdeckt.
Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen kranke oder verletzte Tiere über längere Zeit nicht versorgt wurden oder gravierende Haltungsmängel bestanden.
Häufig gelangen solche Fälle erst durch Hinweise aus der Nachbarschaft, durch Mitarbeiter, Medienschaffende oder durch Aufnahmen aus den Betrieben an die Öffentlichkeit. Ohne diese Hinweise wären manche Verstöße möglicherweise nie entdeckt worden. Das bedeutet nicht, dass die Beschäftigten der Veterinärämter ihre Aufgaben nicht ernst nehmen. Im Gegenteil: Viele engagieren sich unter schwierigen Bedingungen für den Schutz der Tiere. Das eigentliche Problem liegt im System. Wo Personal fehlt und Tausende Betriebe betreut werden müssen, lassen sich regelmäßige und gründliche Kontrollen kaum sicherstellen. Für die Tiere hat das weitreichende Folgen. Das Tierschutzgesetz kann nur wirken, wenn Verstöße tatsächlich erkannt und konsequent geahndet werden. Bleiben Kontrollen selten oder erfolgen sie erst nach konkreten Hinweisen, besteht die Gefahr, dass rechtswidrige Zustände über Monate oder sogar Jahre andauern. Für die betroffenen Tiere bedeutet jeder Tag unter mangelhaften Bedingungen vermeidbares Leid.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Wer sich an die gesetzlichen Vorgaben hält und in bessere Haltungsbedingungen investiert, hat oft höhere Kosten als Betriebe, die Vorschriften missachten. Werden Verstöße kaum entdeckt oder nur selten sanktioniert, entsteht ein Wettbewerbsnachteil für diejenigen, die verantwortungsvoll wirtschaften. Eine wirksame Kontrolle dient deshalb nicht nur dem Tierschutz, sondern auch fairen Wettbewerbsbedingungen. Die derzeitige Situation macht deutlich, dass gute Gesetze allein nicht ausreichen. Sie müssen auch durchgesetzt werden können. Dafür brauchen die Veterinärämter ausreichend Personal, moderne Ausstattung und die Möglichkeit, risikoorientierte Kontrollen häufiger durchzuführen. Ebenso wichtig sind wirksame Sanktionen, wenn Verstöße festgestellt werden. Tierschutz darf nicht vom Zufall abhängen oder davon, ob jemand Missstände meldet. Eine Gesellschaft, die Tiere gesetzlich schützen will, muss auch die Behörden so ausstatten, dass sie diesen Auftrag erfüllen können. Nur dann wird aus einem gut gemeinten Gesetz ein wirksamer Schutz für die Tiere – und aus dem Anspruch des Tierschutzes gelebte Realität.
Was ist ein Veterinäramt?
Das Veterinäramt ist eine Behörde, die Tiere schützen und die Einhaltung der Tierschutzgesetze überwachen soll. Die Mitarbeiter kontrollieren zum Beispiel Bauernhöfe, Tiertransporte, Schlachthöfe und Tierhaltungen. Wenn Tiere schlecht gehalten oder misshandelt werden, kann das Veterinäramt Anordnungen treffen, Bußgelder verhängen oder Strafanzeigen stellen. In Deutschland gibt es rund 400 Veterinärämter, die bei Landkreisen und kreisfreien Städten angesiedelt sind. Dort arbeiten insgesamt mehrere Tausend Beschäftigte – darunter rund 7.400 Tierärzte im öffentlichen Dienst, die unter anderem für Tierschutz, Tiergesundheit und Lebensmittelüberwachung zuständig sind.