left 
Tierhalter unter Druck
reload
arrow_down

Tierhalter unter Druck

Was tun, wenn Tierarztkosten nicht bezahlt werden können?

Medikamente und Spezialnahrung bei chronischen Krankheiten können eine große finanzielle Belastung sein. Bild: © aktion tier, Ursula Bauer
Viele Menschen geraten durch steigende Lebenshaltungskosten in finanzielle Schwierigkeiten. Bei Tierhaltern kommen die Kostensteigerungen durch die vor einigen Jahren erhöhte Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) hinzu.
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Die Probleme verstärken sich häufig, weil keine Kranken- oder OP-Versicherung abgeschlossen wurde.So merken Tierbesitzer oft erst bei einem Unfall oder dem Ausbruch einer ernsten Krankheit, wie schnell Tierarztkosten in die Höhe schießen können. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, die man zumindest prüfen sollte. 

Sprechen Sie mit dem Tierarzt über Ihre finanziellen Probleme VOR der Behandlung. Bild: © aktion tier

Ein frühzeitiges Gespräch mit der Tierarztpraxis ist dabei oft der wichtigste Schritt. Viele Praxen ermöglichen Ratenzahlungen, spätere Rechnungsstellung oder sogar zinsfreie Finanzierungen über Dienstleister wie BFS health finance oder Medipay. Auch die Konzentration auf das medizinisch Dringendste kann Kosten reduzieren. Sinnvoll ist außerdem, Preisvergleiche einzuholen, sobald feststeht, welche Behandlung notwendig ist. Tierärzte dürfen für identische Leistungen den einfachen, zweifachen oder dreifachen Satz der für Tierärzte verbindlichen Gebührenordnung (GOT) berechnen. Entsprechend stark können die Preise zum Beispiel zwischen Praxen in Randlagen oder ländlichen Gebieten und Innenstadtlagen variieren.

Einige Tierkliniken bieten zudem vergünstigte Sprechstunden an oder verfügen über Sozial- bzw. Härtefallfonds, über die in Einzelfällen und stets innerhalb der GOT-Zuschüsse, Rabatte oder Ratenzahlungen gewährt werden. Auch Universitätskliniken können bestimmte Behandlungen günstiger anbieten, da Studierende beteiligt sind und häufig niedrigere GOT-Faktoren angewendet werden. Nachfragen lohnt sich.

Außerdem nutzen vor allem für lebensrettende Notfall-Operationen immer mehr Tierhalter erfolgreich Crowdfunding über Plattformen wie GoFundMe oder soziale Medien.

Auf Crowdfunding-Plattformen können Tierbesitzer um finanzielle Unterstützung bitten. Bild: © Pixabay

 Aus Erfahrung sollte man lernen. Nach einer teuren Behandlung empfehlen wir auf jeden Fall zu prüfen, ob eine Krankenoder OP-Versicherung sinnvoll ist, um sich vor zukünftigen, unerwarteten Kosten zu schützen.

Vor allem Operationen können extrem teuer werden. Bild: © Pixabay

Bei allem Verständnis für die finanzielle Lage der Tierbesitzer: Wenn die notwendige tierärztliche Versorgung nicht finanziert werden kann und keine Hilfe, Ratenzahlung oder Unterstützung gefunden wird, muss das Wohl des Tieres an erster Stelle stehen. Hund, Katze, Kleintier oder Pony dürfen nicht aus Geldmangel unbehandelt leiden! In solchen Fällen ist die Abgabe an ein Tierheim, einen Tierschutzverein, eine Pflegestelle oder verantwortungsvolle neue Halter mit den nötigen finanziellen Möglichkeiten der einzig richtige und verantwortungsvolle Schritt.

Wer sein verletztes oder krankes Tier nicht unverzüglich behandeln lässt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Bild: © aktion tier, Ursula Bauer