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Tipps zur privaten Hühnerhaltung
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Tipps zur privaten Hühnerhaltung

Aufs Huhn gekommen

Die gefährdete Hühnerrasse Italiener in Hobbyhaltung.
Die gefährdete Hühnerrasse Italiener in Hobbyhaltung. Foto: © David Keller, Pixabay
Hühner haben sich in Deutschland zu einem regelrechten Trend entwickelt. Was es bei ihrer Haltung zu beachten gilt, erfahren Sie hier.
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Eine Hühnerschar im Garten liefert frische Bioeier, und viele Menschen haben Freude daran, diese interessanten Vögel aus nächster Nähe zu erleben. Häufig fehlt jedoch das Bewusstsein dafür, dass man sich vor der Anschaffung gründlich informieren sollte. So sind Probleme mit Behörden oder Nachbarn oft vorprogrammiert. Entsprechend häufen sich bei aktion tier die Anrufe überforderter Hühnerhalter, die ihr Federvieh wieder abgeben möchten. In der Regel können wir nicht weiterhelfen, da Tierheime meist keine Genehmigung zur Aufnahme von Nutztieren haben.

Die in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung festgelegten Anforderungen für Hühner stellen gesetzliche Mindeststandards dar und gelten in erster Linie für die gewerbsmäßige Haltung großer Bestände. In der Hobbyhaltung sollten diese Vorgaben stets übertroffen werden, um eine artgerechte Unterbringung im Sinne des § 2 Tierschutzgesetzes zu gewährleisten. Dieses schreibt Sachkenntnis vor und verpflichtet dazu, eine bedürfnisgerechte Haltung zu gewährleisten sowie ausreichend Bewegung und artgemäßes Verhalten zu ermöglichen.

Zum artgemäßen Verhalten gehört das Sandbaden, das der Gefiederpflege, der Parasitenabwehr und dem Stressabbau dient.
Zum artgemäßen Verhalten gehört das Sandbaden, das der Gefiederpflege, der Parasitenabwehr und dem Stressabbau dient. Foto: © 철민 박/Pixabay

Artgerechte Haltung

In einer artgerechten Haltung können Hühner ihre natürlichen Bedürfnisse befriedigen und ihre charakteristischen Verhaltensweisen ausleben. Voraussetzung hierfür sind ein großer, sauberer Stall mit Sitzstangen und Nestern zum Eierlegen, Schutz vor Witterung und Raubtieren, ständiger Zugang zu Futter und frischem Wasser sowie ein großzügiger Auslauf im Freien mit der Möglichkeit zum Sandbaden und Scharren. Außerdem sind Hühner soziale Herdentiere, die niemals einzeln gehalten werden dürfen. Die kleinste Gruppe sollte aus drei bis fünf Tieren bestehen.

Im Stall können sich 3-4 Hennen ein Nest teilen. Henne der alten Zweinutzungsrasse Wyandotte.
Im Stall können sich 3-4 Hennen ein Nest teilen. Henne der alten Zweinutzungsrasse Wyandotte. Foto: © Ursula Bauer
Eine Gruppe einheimischer Lakenfelder Hühner (gefährdet) auf Sitzstangen im Stall.
Eine Gruppe einheimischer Lakenfelder Hühner (gefährdet) auf Sitzstangen im Stall. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer

Indoor Hühner 

Die Haltung von Hühnern in der Wohnung, wie sie öfter in den sozialen Medien gezeigt wird, ist nicht artgerecht. Hühner sind keine Haustiere wie Hunde und Katzen, sondern gelten als Nutztiere. Da sie arttypische Verhaltensweisen wie Scharren, Picken, Sandbaden und Futtersuche in einer Wohnung ohne Auslauf nicht ausleben können, verstößt eine derartige Haltung gegen das Tierschutzgesetz.

Es geht auch ohne Hahn

Wer Nachwuchs haben möchte und die Voraussetzungen dafür erfüllt, benötigt natürlich einen Hahn. Hähne übernehmen meist die Rolle eines fürsorglichen „Haremswächters“, indem sie auf die Hennen achtgeben, sie auf Leckerbissen aufmerksam machen und für Ordnung in der Gruppe sorgen. Ihre Eigenschaft, zur Sicherung ihres Reviers je nach Charakter mitunter häufig und lautstark zu krähen, kann jedoch die Nachbarn stören und für Streit sorgen. Deshalb sollte besonders in Wohngebieten gut überlegt werden, ob man auf den „Herrn der Schöpfung“ nicht besser verzichtet. Die Hennen legen auch ohne ihn Eier und organisieren sich selbst innerhalb einer sozialen Rangordnung, in der sie harmonisch zusammenleben können.

Diese stark gefährdeten Krüper-Hühner kämen auch ohne ihren prächtigen Hahn gut zurecht.
Diese stark gefährdeten Krüper-Hühner kämen auch ohne ihren prächtigen Hahn gut zurecht. Foto: © Kathrin_Masse, Pixabay

Wir empfehlen die Haltung traditioneller ZweinutzungsHühnerrassen, die sowohl Eier als auch Fleisch liefern. Die Anschaffung von braunen und weißen HochleistungsHybridhennen, die in der privaten und gewerblichen Haltung allgegenwärtig sind, sollte dagegen zumindest kritisch hinterfragt werden. Diese Hühner werden von spezialisierten Unternehmen züchterisch auf eine maximale Legeleistung optimiert, ohne Rücksicht auf Tierwohl und körperliche Folgen, so dass gesundheitliche Probleme und eine geringe Lebenserwartung die Regel sind. Durch den weit verbreiteten Einsatz dieser Legehybriden wurden traditionelle Rassen sukzessive verdrängt. Man findet sie heute meist nur noch in Hobbyhaltungen und in zunehmendem Maße auf der Roten Liste der gefährdeten Haustierrassen.

Legehybriden wie dieses Lohmann Brown-Classic-Huhn sind keine Rasse und können daher auch nicht aussterben.
Legehybriden wie dieses Lohmann Brown-Classic-Huhn sind keine Rasse und können daher auch nicht aussterben. Foto: © aktion tier, Ursula Bauer
Robuste Hühnerrassen wie dieses Sussex- Huhn kommen auch mit Schnee und Kälte gut zurecht.
Robuste Hühnerrassen wie dieses Sussex- Huhn kommen auch mit Schnee und Kälte gut zurecht. Foto: © Ihor pilatus/Pixabay

Gefährdete Hühnerrassen

Laut der Roten Liste der gefährdeten einheimischen Nutztierrassen 2025 der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung verzeichnen 61 Hühnerrassen, das sind mehr als die Hälfte, zurückgehende Bestände. Sechs Rassen werden als extrem gefährdet eingestuft, 18 als stark gefährdet und 11 als gefährdet. Weitere 26 stehen unter Beobachtung.

Zweinutzungs-Rassehühner wie dieses extrem gefährdete Brabanter- Haubenhuhn bezieht man am besten direkt vom Züchter.
Zweinutzungs-Rassehühner wie dieses extrem gefährdete Brabanter- Haubenhuhn bezieht man am besten direkt vom Züchter. Foto: © Bediicco,/Pixabay

Gefährdete Hühnerrassen sind erhaltenswert, weil sie über ein wertvolles Erbgut verfügen, das Robustheit, Langlebigkeit, Anpassungsfähigkeit an regionale Bedingungen und Krankheitsresistenz umfasst und damit sowohl die Agrar-Biodiversität als auch die Zukunftsfähigkeit der Geflügelzucht sichert. Im Gegensatz zu Hochleistungs-Hybridhennen haben traditionelle Rassen eine längere Lebens- und Legephase von 5 bis 10 Jahren, lassen sich gut nachzüchten, suchen einen Großteil ihres Futters selbst und eignen sich hervorragend für eine extensive, naturnahe Haltung. Besitzer schätzen zudem ihren zutraulichen und ausgeglichenen Charakter. Alte Zweinutzungsrassen liefern einzigartige Eier und Fleischsorten und stellen ein wertvolles Stück regionales Kulturgut dar. Ihr Erhalt, vor allem in Hobbyhaltungen, sichert diese Vielfalt für kommende Generationen.

Nachwuchs sollte nur gezüchtet werden, wenn klar ist was mit den Tieren, vor allem mit den Hähnen, geschehen soll.
Nachwuchs sollte nur gezüchtet werden, wenn klar ist was mit den Tieren, vor allem mit den Hähnen, geschehen soll. Foto: © Marcel Langthim/Pixabay

So gelingt die Hühnerhaltung

Eine artgerechte und konfliktfreie Hühnerhaltung braucht gute Vorbereitung. Die folgenden Punkte geben einen kompakten Überblick über die wichtigsten Voraussetzungen.

Grundvoraussetzungen 

  • Sachkunde über Haltung, Pflege und Bedürfnisse von Hühnern. 
  • Kenntnis und Einhaltung des Tierschutzgesetzes (vor allem § 2). 
  • Zeit und Durchhaltevermögen: Hühner werden im Durchschnitt 5–7 Jahre alt. 
  • Ausreichend Platz: Mindestens 10 m², besser jedoch 20 m² sicherer Freilauf pro Huhn

Konfliktprävention

  • Mieter müssen vor der Anschaffung die Erlaubnis des Vermieters einholen. 
  • Gespräch mit den Nachbarn vor der Anschaffung. 
  • Beschwerden können ein Haltungsverbot nach sich ziehen. 
  • Laut verschiedener Gerichtsurteile gelten in Wohn- und Mischgebieten maximal 20 Hühner als Obergrenze des Zumutbaren für Nachbarn.

Bürokratische Pflichten 

  • Anmeldung der Hühnerhaltung beim Veterinäramt vor der Anschaffung. 
  • Registrierung bei der Tierseuchenkasse vor der Anschaffung und jährliche Bestandsmeldung. 
  • Gesetzlich vorgeschriebenes Führen eines Bestandsbuches.

Der Stall 

  • Muss raubtiersicher und artgerecht ausgestattet sein. 
  • Pro Huhn sind mindestens 0,5 m², besser 1 m² Stallfläche erforderlich, damit sich die Tiere auch im Winter oder bei Aufstallung (z. B. wegen Vogelgrippe) wohl fühlen. 
  • Bei Neubau eines Stalls sind die Vorgaben des öffentlichen Baurechts zu beachten.

Tiergesundheit 

  • Gesetzliche Impfpflicht gegen das Newcastle-Virus bei erwachsenen Hühnern. 
  • Empfohlene Impfungen für Küken 
    • gegen Kükenruhr = bakterielle Erkrankung (Salmonellen) 
    • Kokzidiose (parasitäre Darmerkrankung) 
    • Infektiöse Bronchitis (IB) 
    • Mareksche Krankheit (Marek) 
  • Eine regelmäßige Kotuntersuchung und bedarfsorientierte Entwurmung werden empfohlen
Bei der Hobby-Hühnerhaltung muss einiges beachtet werden. Im Bild: Vorwerk-Hühner, eine alte Zweinutzungsrasse.
Bei der Hobby-Hühnerhaltung muss einiges beachtet werden. Im Bild: Vorwerk-Hühner, eine alte Zweinutzungsrasse. Bild: © Innviertlerin, Pixabay