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Schlagwort ”chemische Kastration“
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Schlagwort ”chemische Kastration“

Aus der Tiermedizin

Manch einer wird sich fragen, was soll das denn sein? Doch viele Rüdenbesitzer wissen bereits, wovon die Rede ist – die hormonelle Kastration ohne Operation mit Hilfe von Medikamenten. Doch was genau sie davon eigentlich halten sollen, das wissen auch die bereits einigermaßen kundigen Tierhalter oft nicht…
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Über die Kastration eines männlichen Hundes mittels Spritze oder eines Chips unter die Haut kursieren im Internet die wildesten Gerüchte. Kein Wunder, dass viele Tierhalter verunsichert sind. Man liest von Langzeitschäden, Krebs oder einer mangelnden Wirksamkeit. Doch was ist an diesen Halbwahrheiten wirklich dran?

Um einen Rüden ohne Operation unfruchtbar zu machen, existieren derzeit zwei Wege. Zum einen kann ihm eine Spritze verabreicht werden. Die wirkt nach zwei bis drei Tagen und hält etwa einen knappen Monat an. Sie kann zum Einsatz kommen, wenn beispielsweise eine läufige Hündin zu Besuch erwartet wird und eine kurzfristige Unterbindung des Geschlechtstriebes des männlichen Tieres erwünscht ist. Diese Spritze dauerhaft alle vier Wochen zu verabreichen ist eher nicht ratsam, da sie langfristig etliche Nebenwirkungen hat.

Bei der zweiten Variante wird dem Rüden ein Arzneiimplantat unter die Haut injiziert, das je nach Stärke sechs oder zwölf Monate anhält. Der Wirkstoff wird protrahiert, also nach und nach freigesetzt, solange bis das ganze Medikamentenpäckchen aufgebraucht ist. Das Präparat hindert die Hypophyse daran, die Bildung von Testosteron in Auftrag zu geben und hat, wenn es eingesetzt wird, zur Folge, dass der Rüde denselben Hormonhaushalt sein eigen nennt, wie ein fachgerecht chirurgisch kastrierter Hund.

Ist der gesamte Arzneistoff aufgebraucht, beginnt der Hundekörper wieder das männliche Geschlecht shormon zu produzieren. Und jetzt kommt ein weiterer Nachteil des Chips zum Tragen. Schreitet man zu diesem Zeitpunkt nicht ein und setzt erneut einen Chip oder kastriert mittels Operation, beginnt der Hundekörper mit der Hormonproduktion „en masse“. Das liegt daran, dass der Organismus feine Regelmechanismen hat. Solange ein „normaler“ Testosteronspiegel vorhanden ist, wird auch nur ein wenig nachproduziert. Wird der Chip gesetzt und die Hormonherstellung künstlich ausgeschaltet, sinkt der Spiegel auf null. Hört der Chip dann auf zu wirken und die physiologischen Regelkreise funktionie-

Die Implantation an sich birgt keinerlei Risiken, wenn die Injektion unter die Haut ordnungsgemäß vorgenommen wird. Ein Nachteil der chemischen Kastration mittels Arzneimittel-Chip sind die Kosten: Je nach Wirkdauer können sie sich auf knapp 200 Euro belaufen.

Mittels einer Spritze wird der hormonelle Wirkstoff verabreicht.