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Die Haselmaus
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Die Haselmaus

Wildtier des Jahres 2017

Foto: Saguari. Lizenz: CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)
Diese kleinen, nachtaktiven Nagetiere (Muscardinus avellanarius) sind eigentlich keine Mäuse, sondern man zählt die etwa daumengroßen Haselmäuse zur Familie der Bilche – auch Schlafmäuse genannt – die ebenfalls wie Baumschläfer, Gartenschläfer und Siebenschläfer bei uns heimisch sind.
Ein Bericht von Ingeborg Polaschek
aktion tier-Beratungsstelle für Wild- und kleine Haustiere

Ihre großen Augen weisen auf die nächtliche Lebensweise hin, und ihr Fell zeichnet sich aus durch die Schönheit der gelblichbraunen Fellfärbung mit hellerem Bauch sowie weißer Kehle. Die zierliche Gestalt ermöglicht es ihnen, auch Nistkästen unserer gefiederten Freunde zu beziehen. Haselmäuse haben kleine, runde Ohren und wiegen etwa 15 bis 40 Gramm. Ihr etwa 6 cm langer, dicht behaarter Schwanz hilft ihnen die Balance zu halten, wenn sie im Geäst umherspringen und klettern. Die kleinen Nachtschwärmer haben ihren angestammten Lebensraum – alte Eichenwälder – zum größten Teil durch die moderne Forstwirtschaft verloren. Baumhöhlen sind sozusagen Mangelware, auch gibt es dort oft schon andere ”Untermieter“. Als gute Kletterer haben die wendigen Haselmäuse in Laub- und Mischwäldern neue Lebensräume gefunden. Im Gegensatz zum Siebenschläfer, der alte Scheunen, Gartenhütten, Felsspalten und andere strukturreiche Stellen vorzieht, nehmen die kleinsten Vertreter der Bilchfamilie im Sommer mit ihren selbst gebauten Kugelnestern etwa zwei Meter über dem Boden im Gesträuch vorlieb. Ihre Nester aus Zweigen, Blättern und Gras polstern sie weich aus mit Gras, Moos und Blättern. Hier ist für die zierlichen, gesellig lebenden Haselmäuse, die dort in der Nacht ihren geräuschvollen Tatendrang ausleben, in der Umgebung ausreichend Nahrung vorhanden. Diese ist abhängig von der Jahreszeit. Im Frühjahr ernähren sie sich vorwiegend von Knospen, Blüten und Samen und im Sommer, während der Jungenaufzucht, verschiedenen Früchten, Insekten, Würmern und Schnecken. Größere Schäden richten sie im Garten kaum an. Reichlich gedeckt ist der Tisch auch im Herbst für hungrige Haselmäuse. Fettreiche Kost wie Eicheln, Bucheckern, Haselnüsse und Kastanien sorgen für den nötigen Winterspeck der kleinen Schläfer. Sie verschlafen die kalten Monate in ihrem Winternest am Boden und beenden den Winterschlaf erst, wenn es zuverlässig warm geworden ist. Das ist auch die Zeit, um für Nachkommen zu sorgen. Zwei bis sieben Junge bleiben etwa zwei Monate bei der Mutter und gehen dann ihrer Wege. Ein zweiter Wurf ist in nahrungsreichen Monaten im Sommer möglich.

Während der Zeit des Winterschlafs von Oktober bis April liegen meist mehrere kugelig zusammengerollte Haselmäuse gut eingegraben in einem Laub-Erdgemisch wobei sich ihre Körperfunktionen energiesparend verlangsamen. Nach dem Winterschlaf haben sie etwa die Hälfte ihres Gewichts verloren. Nun ist es besonders wichtig, dass die kleinen, scheuen und nachtaktiven Bilche einen intakten Lebensraum vorfinden. Sie stehen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes und sind auch nach dem europäischen Recht geschützt. Das heißt, sie dürfen nicht gefangen, gestört oder aus ihrem Lebensraum entfernt werden. Für das Kontrollieren der von Haselmäusen bewohnten Nistkästen benötigt man eine Genehmigung von der zuständigen Naturschutzbehörde.

Nicht stören!

Leider sind Haselmäuse in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete selten geworden oder gar verschwunden. Sie stehen daher unter dem Schutz des Naturschutzgesetzes und sind auch nach dem europäischen Recht geschützt. Man darf deshalb keine Haselmaus stören, fangen, verkaufen oder zu Hause halten. Wie bereits erwähnt, benötigt man eine Genehmigung für das Kontrollieren der Nistkästen.