Nicht nur Menschen trauern
Wenn einer geht … und einer bleibt
Trauer braucht Zeit. Das kennen wir Menschen auch. Zu Beginn gibt es keinen Trost, und die Trauerarbeit muss sein. Deshalb sollten Tierhalter nicht verzweifeln, wenn das zweite Tier sich zunächst nicht aufmuntern lässt. Nach einiger Zeit gibt sich das, und der Vierbeiner gewöhnt sich an die neue Lebenssituation. Langfristig erkennt er vielleicht sogar Vorteile darin, dass die gesamte Liebe und Aufmerksamkeit der Zweibeiner jetzt ihm ganz allein zuteilwird. Keinesfalls sollte man überstürzt einfach ein neues Tier dazu nehmen. Dieser Schuss kann gewaltig nach hinten losgehen. Denn ähnlich wie unter uns Menschen versteht sich auch in der Tierwelt nicht jeder mit jedem. Und erst recht nicht, wenn man extrem bedrückt ist, weil der lieb gewonnene Freund fehlt. Übereilt man den Zukauf eines neuen Tieres, lässt diese Hast die Wahrscheinlichkeit, dass die Vergesellschaftung mit einem neuen Partner funktioniert, eher sinken.
Umso schöner, wenn sich das neue Paar verträgt und mag. So kann auch das Alter noch echte Sonnenseiten in sich bergen. Darüber hinaus helfen über die ersten, dunklen Tage nach dem Tod natürlich Zärtlichkeiten und Ablenkung jeder Art hinweg. Ausgiebige Schmuseeinheiten und liebevolles Kuscheln trösten enorm. Ausgedehnte Spaziergänge, kulinarische Köstlichkeiten oder ein neues Spielzeug können dafür sorgen, dass ein wenig Licht am Horizont des Zurückgebliebenen erscheint. Letzten Endes kommen unsere Tiere fast immer über den Schmerz hinweg und behalten ihren Freund zumindest vermutlich in liebevoller Erinnerung. Und so gilt auch für sie der weise Ausspruch von Goethe: Der Tod kann uns nicht nehmen, was wir tief in unserem Herzen besitzen.
Besser man wartet einige Zeit, bevor man darüber nachdenkt, ein weiteres Tier als Ersatz für den verlorenen Kumpel anzuschaffen. Und gleichgültig, ob wir von Hunden, Katzen oder Kaninchen reden, muss gründlich darüber nachgedacht werden, welche Eigenschaften das neue Partnertier mit sich bringt oder bringen soll. Passt er oder sie zu meinem Haustier, auch charakterlich? Und von der Altersstruktur her? Ältere Tiere sind von jungen, verspielten Partnertieren manchmal alles andere als angetan, sondern vielmehr genervt. Sie möchten lieber ihre Ruhe haben, als ständig von einem lebhaften Jungtier zum Spiel aufgefordert zu werden. So ist es fraglich, ob man Tiere, die schon sehr alt sind, überhaupt noch mit anderen vergesellschaften sollte. Auch wenn es sich um Rudeltiere wie Kaninchen handelt, muss man sich das gut überlegen. Es soll das Restleben des Tieres ja bereichern und nicht anstrengen. Hier sollte in jedem einzelnen Fall abgewogen werden. Bringt es meinem Schatz einen Mehrwert, wenn ich ihm einen Partner besorge? Oder belastet ihn das eher?
Wenn man versucht, ein hochbetagtes Tier mit einem zweiten zusammenzuführen, ist es ratsam, sicherheitshalber zu vereinbaren, dass man das neue Tier zurückgeben kann, wenn sich die beiden nicht verstehen sollten. Schließlich hat niemand etwas davon, wenn sich die Vierbeiner gegenseitig nerven, attackieren oder gar verletzen.