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Unterwegs auf vier Pfoten
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Unterwegs auf vier Pfoten

Rücksicht und Umsicht kommen an!

Felanitx, ca. 7. Monate alt. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Seit gut acht Jahren begleitet mich mein Hund Felanitx, der mich und meinen Mann während eines Mallorca Urlaubes gefunden hat. Ich bin zwar mit einem Schäferhund groß geworden und vielen anderen Tieren, doch einem Hund die Grunderziehung beizubringen – das war für mich nun auch neu. Ungewohnt sind viele Situationen. Warum sprechen einen auf einmal so viele Fremde auf der Straße an? „Ach, ist der süß! Wo kommt der denn her?“, „Darf ich den streicheln?“, und „Oh, der versteht sich bestimmt super mit meiner Hündin …“ waren für mich gänzlich neue Kommentare im Alltag. Felanitx, damals geschätzte sieben Monate alt, kannte tatsächlich nicht viel. Autofahren war ein großes Problem, und es war beinahe unmöglich, an einem Restaurant vorbei zu gehen – da steckte sein Bettel- Instinkt als Straßenhund noch zu tief in ihm.
Ein Bericht von Alexandra Pfitzmann

Wir besuchten gemeinsam eine Hundeschule, nahmen an gemeinsamen Junghundetreffen im Wald teil und sind heute ein untrennbares, eingeschweißtes Team. Glücklicherweise darf er mich immer zur Arbeit begleiten, sodass wir mehr oder weniger 24 Stunden am Tag zusammen sind. Und zum perfekten Restaurantbegleiter hat er sich auch entwickelt.

In Berlin leben ca. 300.000 Hunde

Seit ich mit Hund auf Tour bin, fallen mir immer wieder verschiedene Dinge auf, die so mancher Hundebesitzer entweder nicht verstanden hat oder dieser sich schlicht und ergreifend rücksichtslos verhält. In Berlin leben schätzungsweise gut 300.000 Hunde (offiziell gemeldet sind 103.000 – nach Schätzungen des Statischen Landesamtes sind fast 200.000 Hunde nicht registriert).

Die Hauptstadt wurde 2011 und 2012 von einem Hundemagazin sogar zur hundefreundlichsten Stadt Deutschlands gewählt. Kaum vorstellbar eigentlich, wenn man bedenkt, dass ca. 3,4 Millionen Einwohner hier leben. Neben zahlreichen Freilaufflächen in Parks oder Teilen von diesen, gibt es in den Berliner Wäldern und Forsten allein zwölf große Hundeauslaufgebiete, in denen Hunde sich ohne Leine frei bewegen können. In den übrigen Waldgebieten müssen Hunde an der Leine geführt werden. Sehr beliebt ist das Auslaufgebiet rund um den Grunewaldsee im Bezirk Charlottenburg/ Wilmersdorf. Es ist das größte zusammenhängende Auslaufgebiet in Berlin, inklusive Badestellen für Hunde. Hier fahre ich mit meinem Felanitx regelmäßig hin. Gerade im Sommer ist es herrlich, wenn der Hund sich im kühlen Nass erfrischen kann.

Alexandra Pfitzmann, nicht ohne Felanitx! Foto: © Regina Welk
Beim Hundetraining mit Felanitx. Foto: © Privat
Bitte berücksichtigen Sie diese Hinweisschilder in Grünflächen. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Enten jagen ist natürlich verboten! Foto: © Alexandra Pfitzmann

Bitte berücksichtigen Sie beim Waldspaziergang immer die Hinweise des Forstamtes. Es gibt zu verschiedenen Jahreszeiten Schonzeiten für bestimmte Wildtierarten. Wer in dieser Zeit bspw. mit einem Jagdhund unterwegs und dieser nicht sofort abrufbar ist, stört den Wildbestand. Jedes Jahr sterben Jungtiere, weil sie von Hunden zu Tode gehetzt werden.

Der Grunewald ist mit knapp 74 Hektar wirklich riesig. Mir erscheint es daher auch irgendwie logisch, dass es hier so gut wie keine Mülleimer gibt – wer soll sie denn auch leeren? Seit langer Zeit fällt mir das skurrile Verhalten so manches Hundebesitzers auf. Da werden die Hinterlassenschaften des Hundes mit Kottütchen aufgesammelt, um diese dann ordentlich mit Knoten an den Wildschutzzaun zu binden. Hä? Was soll das denn? Von besonders intelligentem Verhalten zeugt das jedenfalls nicht, wenn man bedenkt, wie lange so ein Tütchen dann an diesem Platz hängen wird … Eines Tages erwischte ich eine Frau sozusagen tatsächlich „in Flagranti“ und fragte sie, warum sie das tut. Ihre Antwort, das machen doch alle so, verblüffte mich ein wenig, und ich bat sie inständig, dies in der Zukunft bitte sein zu lassen. Lustigerweise erging dies wohl vielen Waldbesuchern so, sodass sich tatsächlich eine Facebookgruppe gründete mit dem Ziel, den Wald sauber zu halten. Regelmäßig hängen kleine Schilder an den Zäunen, die darauf hinweisen, bitte keine Beutel hier festzubinden.

Also, ich persönlich benutze im Wald nie Kottütchen. Man ist in der Natur! Natürlich – wenn Hundi meint, mitten auf dem Spazierweg sein Geschäft zu hinterlassen, dann schnappe ich mir ein paar große Blätter vom Baum – im Wald gibt es reichlich davon – oder einen Ast und entferne das Häufchen. Muss ja nicht jeder reintreten … Und ja, das darf dann auch ins Gebüsch fliegen. Natur eben … In der Stadt ist das natürlich etwas anderes. Es sollte für jeden Hundehalter selbstverständlich sein, die Geschäfte des Hundes mit Tütchen aufzusammeln und in den nächsten Mülleimer zu befördern. Mittlerweile gibt es sogar umweltfreundliche Kottütchen!

Herrlich am Grunewaldsee in Berlin. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Richtig auspowern am See! Foto: © Alexandra Pfitzmann
So wird das Tütchen richtig entsorgt. © Alexandra Pfitzmann
Ein Hinweisschild einer Facebookgruppe,um aufzuklären. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Völlig blödsinnig: Hundetütchen am Wildtierschutzzaun festgebunden. Foto: © Alexandra Pfitzmann

Müll gehört nicht in den Wald!

Wir Hundebesitzer werden oft beschimpft; wir würden mit den Hunden Dreck hinterlassen, die Seen verschmutzen und, und, und. An einem anderen See in Berlin, dem Schlachtensee, führte dies leider dazu, dass man auf einer Seeseite nun gar nicht mehr mit Hund entlang laufen darf, nicht mal angeleint. Wenn ich mich dann im Wald so umschaue, so sehe ich leider oft achtlos weggeworfene Kaffeebecher, Softdrinkdosen, Flaschen, Taschentücher usw.

Liebe Leute, wer etwas im Wald verzehrt, bitte, aber bitte nehmt den Müll dann auch wieder mit. Es ist nicht so schwer.

Und an die Hundebesitzer gerichtet: Auch wenn man sich in einem Hundeauslaufgebiet befindet, kann es doch tatsächlich vorkommen, dass Hundelose Menschen, manchmal mit Kindern, an einem vorbeigehen oder Fahrrad fahren. Völlig verrückt. Der Hund sollte dem Radfahrer nicht gerade vors Rad laufen oder hechelnd hinterhersprinten, und nicht jede Familie findet es toll, wenn der Adrenalin geladene Vierbeiner aus lauter Freude dem Kind mit sabbernder Zunge einen fetten Schmatzer gibt. Ich habe tatsächlich Hundebesitzer erlebt, die bei Beschwerden dann ausriefen „Na, dann gehen Sie doch nicht im Hundeauslaufgebiet spazieren!“. Hallo? Jeder ist doch willkommen, und jeder sollte sich umsichtig verhalten. Dann passt das doch alles zusammen.

In der Stadt …

Wer mit Hund in der Stadt unterwegs ist, sollte auch so manches beachten. Wenn der Hund aufs Wort hört und sofort abrufbereit ist, der kann in Berlin auf ruhigeren Straßen mit seinem Hund ohne Leine laufen (Achtung: Es gilt offiziell die allgemeine Leinenpflicht im öffentlichen Raum). Mit meinem Felanitx ist das leider ein Ding der Unmöglichkeit, da er jedem Eichhörnchen bedingungslos hinterherrast und am Ende mit den Vorderbeinen den Baumstamm umwickelt auf dem das Hörnchen, fast hämisch von oben grinsend, nach geglückter Flucht hockt. Erlebt habe ich schon, dass Hunde vor lauter Freude in fremde Autos springen, sich erwartungsvoll in Position bringen und den Vordersitz mit einer Schleimspur versehen. Auch nicht schön …

Kinderwagen sind auch ein heißes Thema. Viele Hundebesitzer meinen, ihr Hund sei ja besonders Kinderlieb, da er stets bei Kinderwagen aufmerksam stehenbleibt. Nee, nee – meist sind die Kinder vollkommen uninteressant. Es sind vielmehr die Plastikspielzeuge, Stofftiere, womöglich Kekse oder angekaute Sandwichreste, die sich irgendwo im Wagen befinden, die dem Hund in die Nase steigen. Auch hier ist daher Rücksicht gefragt, wenn man sich im Zweifelsfall hysterisch werdende Mütter oder Väter ersparen möchte. Mein Hund hat einmal im Park meine fehlende Aufmerksamkeit ausgenutzt und hat einer ganz offensichtlich super frischen Mami, die mit ihrem Baby hübsch drapiert auf einer Picknickdecke saß, von selbiger den knautschigen Spielzeugball direkt vor der Nase des Babys geklaut. Au weia. Da habe ich Glück gehabt, da sich die Mutti offenbar noch in einem Zustand des vollkommenen Geburtsglückhormonrauschs befand … Ok, aber so etwas darf nicht passieren. Auf Kinderspielplätzen hat ein Hund natürlich gar nichts zu suchen – aber das sollte selbstverständlich sein.

Wenn man einem entgegenkommenden Menschen schon ansieht, dass Hunde nicht zu dessen Lieblingstieren gehören, dann ruft man seinen Hund zu sich oder nimmt die Leine etwas kürzer. Provokationen und Gleichgültig sind hier fehl am Platz!

Müll im Wald. Foto: © Alexandra Pfitzmann
Neue Bekanntschaften finden sich überall. © Alexandra Pfitzmann
Mit Hundekumpels. © Alexandra Pfitzmann

Auch wenn es praktisch erscheint …

bitte binden Sie Ihren Hund nicht vor einem Supermarkt an! Es ist nicht verboten – aber in Berlin sind wirklich schon einige Hunde dann geklaut worden. Im strömenden Regen, großer Hitze oder bei eisiger Kälte ist das Warten draußen für den Hund auch kein Vergnügen. Das sei aber nur als Empfehlung gesagt.

Was Sie bitte NIE, NIE, NIE tun ist den Hund bei warmen Temperaturen im Auto zu lassen! Auch wenn die Fensterscheiben Spaltweise geöffnet sind, auch wenn das Fahrzeug im Schatten steht. Die Erde dreht sich (!), und ganz fix steht das Auto in der prallen Sonne. Es reichen zehn Minuten, um den Innenraum in eine richtige Backröhre zu verwandeln. Sie können es an sich selbst ja einmal ausprobieren.

Jedes Jahr verenden Hunde in den überhitzten Autos der Besitzer. Im Juni dieses Jahres konnte in letzter Sekunde ein Jack Russell aus einem Auto befreit werden. Herrchen war gemütlich am See baden, während sein vierbeiniger Kumpel um sein Leben kämpfte. Also, lassen Sie Ihren Pfiffikus besser Zuhause, wenn Sie Erledigungen machen müssen.

Essen gehen mit Hund…

Berlin ist, wie oben bereits erwähnt, sehr hundefreundlich. Auch fast alle Restaurants, ich kenne wirklich nur wenige Ausnahmen, erlauben die Mitnahme von Bellos. Felanitx musste ich damals regelrecht trainieren, um ruhig an einem Restaurant vorbeizugehen, geschweige denn entspannt hineinzugehen. Wir haben monatelang geübt. Noch heute nehme ich seine „Ausgehdecke“, eine Flugzeugdecke der Korean Air, mit, sodass er einen Orientierungsplatz hat. Das ist praktisch und auch für den Hund schön, falls ein Fußboden mal kalt oder sehr unbequem sein sollte. Ja, er ist ein verwöhnter Prinz … Im Restaurant selbst hat ein Hund natürlich überhaupt nichts am Nachbartisch zu suchen, so verlockend das darauf platzierte Schnitzel auch riechen mag. Es wird nicht an Nachbarsbeinen geschnüffelt, und es wird natürlich nicht gebellt oder gejault, weil die Bedienung aus der Küche für Fiffi nichts dabeihat. Wer sich gar nicht zu helfen weiß, kann ja einen Kauknochen mitnehmen. Also, für den Hund natürlich. Vom Tisch füttern sollte tabu sein – aber wir aus dem „inner Circle“ der wohlerzogenen Hunde wissen um die Schwierigkeit, diese Regel konsequent einzuhalten… Nun gut. Das lassen wir mal so stehen.

Hunde sind so tolle Begleiter und schenken unglaublich viel Freude. Ich möchte meinen Felanitx nicht eine Sekunde lang missen und finde, wir machen das ganz prima zusammen. Ich versuche ihm das Leben so schön als möglich zu machen – und er gibt mir unendlich viel zurück. Er ist mein Herzenswärmer, Seelentröster, Sportmotivator und Kuscheltier. Und wenn er nach einem Spaziergang zufrieden im Traum glucksend und die Pfötchen bewegend schläft, bin ich auch glücklich. Rücksicht und Umsicht sollten für alle Lebenslagen gelten, und erst recht, wenn man mit dem Vierbeiner unterwegs ist. Denn schließlich ist nicht jeder ein Hundefan.