Das Leiden der Enten
Zwölf Wochen Quälerei pur
Schon seit langer Zeit sind Enten Begleiter menschlicher Zivilisation. Hierfür gibt es Belege u.a. aus dem alten Ägypten, die um das Jahr 1.300 v. Chr. datieren; auch in China und Südostasien werden Enten seit rund 3.000 Jahren gehalten und vom Menschen genutzt. Als Geflügel in der Fleischproduktion werden sie heute weltweit geschätzt, gezüchtet und gemästet. Dabei hat das Leben der Mastenten mit dem ihrer wildlebenden Vorfahren und Artgenossen aber nur noch wenig zu tun. Enten sind Wasservögel. Rund die Hälfte der Zeit verbringen sie in freier Wildbahn mit Baden, Körperpflege und Nahrungssuche im und am Wasser – davon können Mastenten nur träumen. Vor allem sogenannte Peking- und Moschusenten werden heute gezüchtet, sie sind die weltweit beliebtesten Arten zur Zucht und zur Mast.
In riesigen Gruppen von mehreren tausend Tieren werden sie meist in halbdunklen Ställen gehalten, teils auf Einstreu, teils auf bloßen Gitterböden. Pro Quadratmeter werden Enten mit einem Lebendgewicht von 20-35 kg gehalten, das entspricht mehr oder weniger dem Platz eines DIN-A4-Blattes pro Tier. Zugang zu ihrem bevorzugten Element Wasser haben die Enten nicht, lediglich Nippeltränken liefern ein Mindestmaß an Flüssigkeitsversorgung. Um Kannibalismus vorzubeugen, einer weit verbreiteten Verhaltensstörung in der industriellen Massentierhaltung, werden auch die Enten ihren Haltungsbedingungen angepasst, nicht umgekehrt: Ähnlich wie in der Hähnchenmast werden auch bei Enten die Schnabelspitzen amputiert und Krallen gekürzt. Solche Eingriffe sind eigentlich durch das Tierschutzgesetz verboten und dürfen nur in besonderen Ausnahmefällen durchgeführt werden, doch auch in der Entenmast ist dieser Ausnahmefall fast überall zur Regel geworden. Die Haltung von Mastenten unterliegt kaum Vorschriften, das macht die Mast beliebt und profitabel. Zwar gibt es eine Haltungsempfehlung der EU sowie vereinzelte, meist freiwillige Vereinbarungen in den Bundesländern, doch eine einheitliche und vor allem verbindliche Haltungsverordnung fehlt. Und so sind wie so oft die Leidtragenden die Tiere.
Viele Enten sterben qualvoll schon vor dem Ende der Mastzeit
Enten, die in freier Wildbahn problemlos 10 bis 15 Jahre und in menschlicher Obhut sogar mehr als doppelt so alt werden können, werden in der Mast je nach Rasse schon mit höchstens 12 Wochen geschlachtet, in der Regel jedoch weit früher. Moschusenten, die schwersten Zuchtenten, haben dann ein Schlachtgewicht von fünf Kilogramm erreicht, Pekingenten bis zu drei Kilogramm. Da alle Mastenten auf einen schnellen Fleischansatz gezüchtet werden, würde ihr Knochenapparat dieses in kürzester Zeit erreichte Gewicht nicht viel länger tragen können, und auch so sterben viele Tiere schon weit vor dem geplanten Ende der Mast.
Eine sogenannte Ausfallquote von 8-10% wird während der gesamten Zucht mit eingeplant; knapp jedes 10. Tier stirbt also schon vorzeitig an den Folgen der nicht artgerechten Haltung. Vor allem der durch schnelles Wachstum und Enge hervorgerufene Bewegungsmangel (teilweise noch in Verbindung mit der Haltung auf Gitterböden ohne Einstreu) und die fehlende Flugfähigkeit führen zu schweren Schäden; auch der mangelhafte oder gar nicht vorhandene Zugang zu Wasser ist nicht nur artwidrig, sondern führt zu ernsthaften Gesundheitsschäden. Hinzu kommt die Beeinträchtigung durch die Amputation von Krallen und besonders der Schnabelspitzen, denn diese sind durchblutet und mit Rezeptoren besetzt. So werden die Nahrungsaufnahme und die Körperpflege stark beeinträchtigt; dass amputierte Enten darüber hinaus nicht nur unter akuten, sondern auch unter chronischen oder Phantomschmerzen leiden, vermuten viele Wissenschaftler und Experten längst. Offenbar wird das Leid der Enten in der Öffentlichkeit dennoch nur am Rande wahrgenommen. Rund 20 Millionen Tiere werden jedes Jahr in Deutschland geschlachtet, der durchschnittliche Verzehr pro Jahr und Verbraucher liegt bei knapp 800 bis 900 Gramm Entenfleisch.
Entenfleisch ist sehr beliebt, dabei gibt es schon längst zahlreiche leckere und gesunde Alternativen. Wer das grausame Geschäft nicht unterstützen möchte, muss schon lange keinen Verzicht mehr hinnehmen. Halten Sie doch einfach mal beim nächsten Einkauf im Bioladen die Augen auf, und lassen Sie sich z.B. vom veganen „Entenbraten“ überraschen.