Impfungen für unsere Haustiere
Ein Segen oder doch eher Schaden?
Daher muss bevor ein Tier geimpft wird, immer erst der jeweilige Einzelfall genau betrachtet werden. Eine Einheitsimpfung, gerne auch als Jahresspritze bezeichnet, gibt es nicht. Bevor an das Impfen überhaupt gedacht wird, steht allem voran immer die gründliche allgemeine Untersuchung. Nur gesunde Tiere dürfen geimpft werden. Daher ist es die Pflicht des behandelnden Tierarztes, sich einen Eindruck vom Gesundheitszustand des Tieres zu machen. Hat der Vierbeiner momentan sicher keinen Infekt? Wie sehen die Zähne aus? Sind Herz und Lunge in Ordnung? Wie alt ist das Tier? Und erst, wenn diese vorangestellte Untersuchung ohne Auffälligkeiten verlaufen ist, kann zum nächsten Schritt übergegangen werden.
Jetzt wird erörtert, welche Impfungen das Tier überhaupt braucht. Schließlich muss es nur gegen die Erreger geimpft werden, mit denen es auch in Kontakt kommen kann. Deshalb hängt die Wahl des Impfstoffes ganz entschieden davon ab, wie das Tier gehalten wird. Ist es der einzige Vierbeiner im Haushalt, oder gibt es weitere Haustiere? Haben die Katzen Freigang, ja oder nein? Leben die Kaninchen im Haus oder im Garten? Geht der Hund in eine Hundeschule oder wird er im Urlaub in eine Pension gegeben? All diese Fragen muss der Tierarzt mit dem Besitzer klären, um zu entscheiden, welchen Impfschutz das Tier nun benötigt. Denn grundsätzlich gilt die Devise: so wenig wie möglich und so viel wie nötig impfen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen: Viren und Bakterien können nicht nur direkt von Tier zu Tier übertragen werden. Es kann auch zu einer indirekten Übertragung kommen. Damit ist beispielsweise die Verschleppung von Krankheitserregern mittels Händen und Schuhen gemeint. Streichelt der Tierfreund draußen eine kranke Katze, nimmt er beim Nachhause gehen die Viren mit in seine Wohnung und kann im schlechtesten Fall seinen Stubentiger, der sonst nur in der Wohnung lebt, anstecken. Daher sollten auch reine Wohnungskatzen ohne Freigang gegen manche Krankheiten geimpft sein.
Damit wären wir gleich beim nächsten Punkt. Nicht jede Impfung hält gleich lang. Jede Impfstoffverpackung ist mit einem Beipackzettel versehen, auf dem angegeben ist, wie lange eine Immunität ausgebildet wird, wenn man den dazugehörigen Impfstoff verwendet. Ein gewissenhafter Tierarzt impft nur die Komponenten nach, die auch wirklich fällig sind. Dazu muss er das Impfbuch gründlich durchsehen und nachrechnen, welche Impfungen dran sind. Kennt er den vom vorbehandelnden Tierarzt verwendeten Impfstoff nicht, muss er unter Umständen auch mal recherchieren, wann die Auffrischung fällig ist.
Interessierte Tierbesitzer können sich aber auch selber ein Bild machen, welche Impfungen ihr Liebling in welchen Abständen benötigt. Wertvolle Schützenhilfe gibt in diesem Zusammenhang die Impfempfehlungen der StKo Vet. Das Kürzel steht für Ständige Impfkommission Veterinär. Diese Kommission setzt sich aus unabhängigen Wissenschaftlern zusammen, die mit Hilfe von Studien Impfempfehlungen bezüglich der einzelnen Krankheiten und Tierarten aussprechen. Unter https://www.fli.de/de/kommissionen/stiko-vet/ empfehlungen/ finden Tierhalter die Leitlinien zum Herunterladen. Sie werden ständig aktualisiert.
Die Impfung selber sollte für das Tier so angenehm wie möglich gestaltet werden. Es gibt einen einfachen Kniff, damit der Patient von der Spritze so wenig wie möglich mitbekommt. Nachdem der Tierarzt die Nadel durch die kleinen Glasfläschchen gesteckt hat, um den Impfstoff aufzuziehen, sollte er – bevor er spritzt – nochmal eine neue Kanüle auf die Spritze aufsetzen. Denn allein beim Durchstechen durch den Plastikpfropfen wird die Nadel schon stumpf. Verwendet man diese dann, um damit dem Tier die Injektion zu setzen, tut das weh! Verwendet man hingegen eine frische Nadel, ist die noch messerscharf und gleitet ganz widerstandlos in den Tierkörper. Mit etwas Glück merkt der Vierbeiner davon überhaupt nichts. Und ein Leckerli danach zum Loben ist eigentlich sowieso Pflicht.
Wird wie vorher beschrieben verfahren, sind Impfreaktionen extrem selten. Dennoch ist es ratsam, im Anschluss an die Impfung dem Tier keine starke körperliche Anstrengung zuzumuten. Auch lange Reisen im Auto oder andere psychische Anstrengungen sollte man besser auf Termine legen, die nicht in zeitlicher Nähe zur Impfung liegen. Viel besser ist es, alles ein bis zwei Tage langsamer zu tun. So ermöglicht man dem Immunsystem, sich ganz auf die Produktion von Antikörpern zu konzentrieren. Damit entwickelt sich ein optimaler Impfschutz im Tierkörper. So haben Besitzer und Tier lange Freude aneinander.
Kaninchenimpfung
Man kann es nicht genug betonen. Auch Kaninchen sollten geimpft werden. Derzeit mehr denn je. Im Moment haben wir mit einem Seuchenzug in Deutschland zu kämpfen, der seinesgleichen sucht. Kaninchen in Heimtierhaltung müssen vor allem gegen Myxomatose und RHD (Rabbit haemorrhagic disease) geschützt werden. Das Gemeine: Derzeit kursiert eine neue Variante des RHD-Virus gegen den es bei Redaktionsschluss noch keinen zugelassenen Impfstoff gab. Man weiß aber, dass Kaninchen, die mit der alten Impfstoffvariante im halbjährlichen Rhythmus geimpft sind, zwar erkranken, aber wenigstens nicht versterben. Deshalb sei allen Kaninchenhalten angeraten, ihre Fellnase bald impfen zu lassen.
Tollwut
Tierhalter, die ihren Schatz mit ins Ausland nehmen wollen, haben keine Wahl. Sie müssen ihr Tier gegen Tollwut impfen lassen. Das ist per Gesetz so vorgeschrieben. Tierbesitzer, die Deutschland nicht mit ihrem Haustier verlassen, können impfen, müssen es aber nicht tun. Gegen die Impfung spricht: Die letzte in Deutschland stattgefundene Übertragung des Tollwutvirus liegt etliche Jahre zurück. Daraus kann man schließen, zum Schutz des eigenen Tieres ist die Impfung nicht zwingend erforderlich. Doch leider gibt es noch die andere Seite der Medaille: Tritt nun doch mal ein Tollwutfall auf, darf das Veterinäramt die Tötung aller Haustiere anordnen, die mit dem kranken Tier Kontakt gehabt haben könnten und nicht gegen Tollwut geimpft sind. Will man nicht Teil dieses Horrorszenarios sein, impft man sein Tier sicherheitshalber.
Staupe
Staupe galt lange als in Deutschland nicht existent. Das hat sich seit 2010 geändert und macht an dieser Stelle klar: Das gebunden sein von Krankheiten an bestimmte Regionen ist nicht in Stein gemeißelt. Erst recht nicht im Zuge der Globalisierung. Je mehr die Mobilität und das Reisen mit Haustieren zunehmen, umso mehr werden Krankheiten in die verschiedensten Gegenden mit verschleppt. Daher ist die Impfung gegen Staupe wieder dringend anzuraten. Das Virus ist für Mensch und Katze harmlos, umso schlimmer trifft es den Hund. Und genauso heftig erkranken Füchse und Marder. Nicht selten gehen Infektionen tödlich aus. Die Symptome einer Staupeinfektion sind vielfältig und damit nicht leicht zu erkennen: Sie reichen von Durchfall, über Verhaltensauffälligkeiten bis hin zu Hautveränderungen und Krämpfen. Das Virus kann nicht nur durch direkten Tierkontakt, sondern auch indirekt zum Beispiel durch Ausscheidungen infizierter Tiere übertragen werden. Somit ist jeder Haushund potentiell gefährdet. Sehr guten Schutz bietet eine Impfung.