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„Gib‘ Küsschen!“
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„Gib‘ Küsschen!“

Warum Papageien sprechen

Wenn ein Papagei spricht, finden wir das meistens amüsant. Oft kommen die Worte unerwartet und auch ein wenig seltsam klingend aus dem Schnabel, so dass wir lachen müssen. Dabei ist der Grund für das Geplapper alles andere als lustig
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Die Ordnung der Papageien (Psittaciformes) umfasst rund 350 Arten. Zu den bekanntesten zählen Ara, Kakadu und Graupapagei sowie Sittich-Arten wie Nymphen- und Wellensittich. Papageienvögel sind sozial und gesellig. In freier Natur leben die meisten innerhalb eines großen Schwarms in einer festen Partnerschaft. Um in der Gruppe zum Beispiel ein Familienmitglied zu finden, ahmen sie dessen charakteristischen Ruf nach. Alle Papageien können also pfeifen, rufen und verschiedene Laute kopieren. Werden sie als Haustiere gehalten, imitieren sie vieles von dem, was sie hören. Unter anderem Musik, das Klingeln von Handys, Hundegebell und Töne aus der Umgebung. Daneben sind vor allem Vertreter größerer Arten wie Amazonen, Aras und Graupapageien in der Lage, Wörter und sogar Sätze ihrer Halter nachzuahmen. Die körperliche Voraussetzung liefert die für Papageienvögel typische besonders dicke und bewegliche Zunge. Sie wird ganz ähnlich gebraucht wie wir Menschen dies tun, um zu reden.

Leider sind es vorrangig Vögel in nicht artgerechter Einzelhaltung, die versuchen, mit Menschen zu kommunizieren, indem sie das Gehörte nachsprechen. Obwohl Papageien angeblich so klug wie ein fünfjähriges Kind sein können, ist davon auszugehen, dass sie die Worte nur nachplappern, ohne deren Sinn zu begreifen. Die Tiere sind einfach frustriert, weil sie keine Artgenossen haben, mit denen sie sich „unterhalten“ können und versuchen, über das Nachahmen menschlicher Laute, Zuwendung und Aufmerksamkeit zu erhalten. Ein sprechender Papagei wird oft für besonders intelligent gehalten, dabei ist er nur besonders einsam.

Aus Tierschutzsicht sollten Papageien daher immer nur aus der Not heraus von Menschen großgezogen werden! Zum Beispiel, wenn medizinische Gründe oder der Verlust der Eltern vorliegen.

Auf die Spitze getrieben wird das Ziel, einen superzahmen, auf Menschen geprägten und noch dazu gesprächigen Papageienvogel zu erhalten, indem man die Küken von Hand aufzieht. Dazu werden bereits die Eier im Brutkasten ausgebrütet oder die frisch geschlüpften Vögelchen ihren Eltern weggenommen. Handaufzuchten sind begehrt, das Internet ist voll von Suchanzeigen und natürlich auch Angeboten. Die Motivation der Züchter ist klar – es geht ums Geld. Erstens sind die von Menschen großgezogene Papageienvögel wesentlich teurer als Naturbruten und zweitens brüten die Vogeleltern recht schnell erneut, wenn ihnen ihre Kinder fortgenommen wurden. Es gibt also reichlich Nachschub, der wieder teuer verkauft werden kann.

Dass eine unnatürliche und bewusst mit viel Menschenkontakt durchgeführte Handaufzucht sowohl sozial als auch sexuell fehlgeprägte, verhaltensgestörte Problemvögel hervorbringt und die Wegnahme der Küken natürlich auch für die Elternvögel erheblichen Stress bedeutet, scheint alle Beteiligten wenig zu interessieren. Selbst wenn die Halter irgendwann einsichtig werden und ihrem Papageien einen Partner zugestehen, gelingt die spätere Vergesellschaftung von Handaufzuchten meistens nicht. Die Opfer dieses skrupellosen Vorgehens erwartet folglich ein einsames und frustriertes Vogelleben.

Auch der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) ist ein Schwarmvogel und hat meistens einen festen Partner. Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Während kurzzeitiges Rupfen zum Beispiel auf Parasitenbefall hindeutet, sind die Ursachen von langjährigem Rupfen meist psychische Probleme. Gelbbrustara (Ara araraun). Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Papageien, die ohne Artgenossen und Elternvögel von Menschen großgezogen wurden, sind häufig gesundheitlich angeschlagen und verhaltensgestört. Graupapagei (Psittacus erithacus). Foto: aktion tier, Ursula Bauer
Gelbwangenamazone (Amazona autumnalis) in tierquälerischer Einzelhaltung. Foto: aktion tier, Ursula Bauer

Die Käufer der bedauernswerten Handaufzuchten handeln aus purem Egoismus. Um ein möglichst junges Vogelküken völlig auf sich zu fixieren und an sich zu binden, wollen sie häufig die letzte Phase der Aufzucht selbst übernehmen. Auch wenn sie keine Erfahrung mit dieser sehr speziellen Aufgabe haben. Mit Tierliebe hat das nichts zu tun. Dabei können mit Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen auch glückliche Papageien, die mit einem oder mehreren Artgenossen zusammenleben, sehr zutraulich werden und vielleicht sogar das Sprechen lernen.