Vogeljunge verlassen Nester wegen Hitze
aktion tier informiert
Extrem der Sonne ausgesetzt sind vor allem Brutstätten an Gebäuden zum Beispiel von Schwalben, Mauerseglern oder Spatzen. Aber auch Vogeljunge in Nistkästen, die an sonnenexponierten Stellen hängen, haben es schwer. Nestlinge können nicht einfach einen kühleren Ort aufsuchen oder Wasser trinken, wenn sie durstig sind. Wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist, flüchten die Kleinen, obwohl sie noch lange nicht flügge sind. Ob sie bei dem Versucht, ein etwas kühleres Eckchen im Nest zu finden herausfallen oder bewusst springen, scheint unter Fachleuten nicht geklärt.
Einige Vogelarten wie Meisen, Rotkehlchen und Spatzen versorgen ihren Nachwuchs auch außerhalb des Nestes, so dass diese Küken reelle Überlebenschancen haben. Für Mauersegler und Schwalben sieht es dagegen schlecht aus. Häufig bringt der waghalsige Sprung oder Fall aus dem hohen Nest den Tod oder schwere Verletzungen. Und wer heil den Boden erreicht hat, verhungert ohne menschliche Hilfe, da Schwalben und Segler ihren Nachwuchs außerhalb der Brutstätte nicht versorgen.
Informationen zur Vogelaufzucht erhält man bei den Auffangstationen, die auch im weiteren Verlauf beratend zu Seite stehen. Die aktion tier-Fachberatung für kleine Wild- und Haustiere (Ingeborg Polaschek, Tel.: 06051 73615 oder 0171 2888 559) steht für eine telefonische Auskunft ebenfalls gerne zur Verfügung. Entsprechende Fachliteratur findet sich außerdem im Internet und Buchhandel.
Dass unter der Hitze leidende Jungvögel ihre Nester verlassen, kann man im Grunde nicht verhindern. Sind die Tiere schon recht gut entwickelt und die Elternvögel in der Nähe, ist im Prinzip bei den meisten Vogelarten auch kein Eingreifen erforderlich. Anders verhält es sich bei sehr jungen Küken oder dem Nachwuchs von Schwalben und Mauerseglern, die ohne menschliche Hilfe sterben würden. Wer solch ein Vögelchen findet, sollte sich an eine fachkompetente Pflege- und Auffangstation wenden. Tierheime zu kontaktieren macht wenig Sinn, denn diese sind in der Regel weder entsprechend ausgestattet noch befugt, Wildtiere zu betreuen. Da die wenigen Fachstationen in den Sommermonaten meist chronisch überfüllt und an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit sind, muss man damit rechnen, dass niemand den Nestling aufnehmen kann und man selbst das Päppeln übernehmen muss.
Mauersegler in Not
Anlass für diesen kurzen Bericht war ein kleiner, flaumiger Mauersegler, der im Juli in unsere Geschäftsstelle gebracht worden war, nachdem er sein Nest verlassen hatte. Der Kleine war ausgetrocknet und zu schwach, um die Augen zu öffnen. Wir gaben ihn sofort in die Obhut unserer Mitarbeiterin Jeannette Dressler. Sie ist ausgebildete Tierpflegerin mit Schwerpunkt Wildvogelpflege und kennt sich mit Mauerseglern sehr gut aus. Diese Vögel sind speziell, denn die Küken sperren nicht erwartungsvoll den Schnabel auf, sondern stülpen diesen über den Kopf des Altvogels und schlucken den hervorgewürgten Insektenbrei. Daher müssen Mauersegler in Gefangenschaft immer gestopft werden. Dazu wird der Schnabel sehr vorsichtig aufgebogen und der tierische Nahrungsbrei in den Schlund gegeben. Das ist eine Arbeit für Fachleute! Versuchen Laien, den Schnabel aufzupressen, kann es leicht zu Verletzungen bis hin zur Schnabelfraktur (Schnabelbruch) kommen. Außerdem darf man die Tiere nur mit frischen Insekten füttern. Andere Nahrung schadet ihnen.