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Vogeljunge verlassen Nester wegen Hitze
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Vogeljunge verlassen Nester wegen Hitze

aktion tier informiert

Vor allem die Jungen von Schwalben und Mauersegler verlassen bei Hitze ihre Nester. Foto: Ursula Bauer
Egal ob Mensch, Tier oder Pflanze – alle haben unter den Hitzeperioden des vergangenen Sommers gelitten. Ganz besonders heiß wurde es jedoch zahlreichen Vogelkindern. Kein Wunder, schließlich kann sich ein Nest in praller Sonne auf bis zu 100 Grad aufwärmen.
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Extrem der Sonne ausgesetzt sind vor allem Brutstätten an Gebäuden zum Beispiel von Schwalben, Mauerseglern oder Spatzen. Aber auch Vogeljunge in Nistkästen, die an sonnenexponierten Stellen hängen, haben es schwer. Nestlinge können nicht einfach einen kühleren Ort aufsuchen oder Wasser trinken, wenn sie durstig sind. Wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist, flüchten die Kleinen, obwohl sie noch lange nicht flügge sind. Ob sie bei dem Versucht, ein etwas kühleres Eckchen im Nest zu finden herausfallen oder bewusst springen, scheint unter Fachleuten nicht geklärt.

Einige Vogelarten wie Meisen, Rotkehlchen und Spatzen versorgen ihren Nachwuchs auch außerhalb des Nestes, so dass diese Küken reelle Überlebenschancen haben. Für Mauersegler und Schwalben sieht es dagegen schlecht aus. Häufig bringt der waghalsige Sprung oder Fall aus dem hohen Nest den Tod oder schwere Verletzungen. Und wer heil den Boden erreicht hat, verhungert ohne menschliche Hilfe, da Schwalben und Segler ihren Nachwuchs außerhalb der Brutstätte nicht versorgen.

Informationen zur Vogelaufzucht erhält man bei den Auffangstationen, die auch im weiteren Verlauf beratend zu Seite stehen. Die aktion tier-Fachberatung für kleine Wild- und Haustiere (Ingeborg Polaschek, Tel.: 06051 73615 oder 0171 2888 559) steht für eine telefonische Auskunft ebenfalls gerne zur Verfügung. Entsprechende Fachliteratur findet sich außerdem im Internet und Buchhandel.

Hängen Nistkästen in der prallen Sonne, kann es den Vogelbabys zu heiß werden. Foto: Ursula Bauer
In Nestern an Gebäuden (hier 2 Mehlschwalben-Nester) kann es schnell unerträglich warmwerden. Foto: Ursula Bauer
Der kleine Mauersegler ist zu schwach um die Augen zu öffnen. Foto: SaBo
Amseljunge haben meist keine Hitzeprobleme, da die Nester nicht an Gebäuden oder in Höhlen, sondern offen und luftig angelegt werden.

Dass unter der Hitze leidende Jungvögel ihre Nester verlassen, kann man im Grunde nicht verhindern. Sind die Tiere schon recht gut entwickelt und die Elternvögel in der Nähe, ist im Prinzip bei den meisten Vogelarten auch kein Eingreifen erforderlich. Anders verhält es sich bei sehr jungen Küken oder dem Nachwuchs von Schwalben und Mauerseglern, die ohne menschliche Hilfe sterben würden. Wer solch ein Vögelchen findet, sollte sich an eine fachkompetente Pflege- und Auffangstation wenden. Tierheime zu kontaktieren macht wenig Sinn, denn diese sind in der Regel weder entsprechend ausgestattet noch befugt, Wildtiere zu betreuen. Da die wenigen Fachstationen in den Sommermonaten meist chronisch überfüllt und an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit sind, muss man damit rechnen, dass niemand den Nestling aufnehmen kann und man selbst das Päppeln übernehmen muss.

Mauersegler in Not

Anlass für diesen kurzen Bericht war ein kleiner, flaumiger Mauersegler, der im Juli in unsere Geschäftsstelle gebracht worden war, nachdem er sein Nest verlassen hatte. Der Kleine war ausgetrocknet und zu schwach, um die Augen zu öffnen. Wir gaben ihn sofort in die Obhut unserer Mitarbeiterin Jeannette Dressler. Sie ist ausgebildete Tierpflegerin mit Schwerpunkt Wildvogelpflege und kennt sich mit Mauerseglern sehr gut aus. Diese Vögel sind speziell, denn die Küken sperren nicht erwartungsvoll den Schnabel auf, sondern stülpen diesen über den Kopf des Altvogels und schlucken den hervorgewürgten Insektenbrei. Daher müssen Mauersegler in Gefangenschaft immer gestopft werden. Dazu wird der Schnabel sehr vorsichtig aufgebogen und der tierische Nahrungsbrei in den Schlund gegeben. Das ist eine Arbeit für Fachleute! Versuchen Laien, den Schnabel aufzupressen, kann es leicht zu Verletzungen bis hin zur Schnabelfraktur (Schnabelbruch) kommen. Außerdem darf man die Tiere nur mit frischen Insekten füttern. Andere Nahrung schadet ihnen.