left 
Tierkinder auf dem Teller
reload
arrow_down

Tierkinder auf dem Teller

Lammimporte aus Neuseeland – eine Alternative?

Lämmer werden meist im Alter von 6-12 Monaten geschlachtet. Foto: Pixabay
Rund 60 Kilogramm Fleisch konsumiert ein Deutscher im Schnitt pro Jahr. Das Fleisch von Schafen und Lämmern macht dabei nur einen sehr kleinen Teil aus, der jährliche pro-Kopf-Verbrauch liegt bei weniger als einem Kilogramm (zur besseren statistischen Erfassbarkeit wird daher oft Schaf- und Ziegenfleisch zusammengerechnet). Dennoch muss mehr als die Hälfte dieses Fleisches importiert werden, denn in Deutschland spielt die Schafzucht für die Fleischwirtschaft keine große Rolle. Schafe werden bei uns vor allem zur Landschaftspflege etwa auf Deichen in den Küstenregionen eingesetzt. 2018 lebten etwas weniger als 1,6 Millionen Schafe in Deutschland. Während z.B. Geflügel in riesigen Anlagen mit bis zu zehn- oder gar hunderttausenden Tieren lebt, zählt ein schafhaltender Betrieb im Schnitt nur 170 Tiere.
Ein Bericht von Jan Peifer

In anderen europäischen Ländern ist die Nachfrage größer, die Lammfleischproduktion fällt höher aus. Doch auch in den Nachbarländern wird zusätzlich viel Lammfleisch importiert, hauptsächlich aus Neuseeland, dem nach China und Australien drittgrößten Schaffleischproduzenten der Welt. Hier werden die Tiere auf riesigen Farmen gehalten. Die Fleischindustrie gehört zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen. Mehr als eine halbe Million Tonnen Lammfleisch exportiert Neuseeland jährlich, ungefähr die Hälfte findet in den EU-Ländern Abnehmer. Da die Schafe auch zur Gewinnung von Wolle genutzt werden, werden sie größtenteils im Freien in Herden gehalten, damit sich Fell und Wolle voll entwickeln können.

Lämmer werden meist im Alter von 6-12 Monaten geschlachtet, die Muttertiere verbringen den Winter in Ställen. Die Schafzucht ist bisher von der industriellen Massentierhaltung im Großen und Ganzen zwar verschont geblieben; eines der schlimmsten Merkmale artwidriger Unterbringung und Versorgung müssen jedoch trotzdem jährlich viele hunderttausende Lämmer erfahren. In Viehtransportschiffen, die bis zu 100.000 Tiere aufnehmen können, werden sie in einer dreiwöchigen Reise bis nach Ägypten und von hier nach ganz Asien verschifft. Der Grund: Das muslimische Opferfest wird in vielen vorderasiatischen und nordafrikanischen Regionen nach strengen Vorschriften begangen, zu denen auch das Tieropfer zählt. Dafür werden meist Schafe ausgewählt; die klimatischen Bedingungen in den arabischen Ländern erlauben jedoch Schafzucht im großen Stil nicht.

Um sicherzustellen, dass trotzdem nach islamischem Brauch geschächtet (das Tier also durch Durchschneiden der Kehle getötet) werden kann, müssen die Tiere lebend über den Seeweg transportiert werden. Dass die bei Viehtransporten immer wieder festgestellten Mängel an Platz, Wasser und Futter auch hier zum Alltag gehören, zeigt die fest eingeplante „Verlustrate“. Auf einem mit 100.000 Tieren beladenen Schiff werden von den Händlern rund 2.000 tote Lämmer eingeplant, die den Transport nicht überleben, die tatsächliche Todesquote liegt jedoch oft darüber. Die Lämmer leiden bei solchen Transporten aber nicht nur körperliche Qualen, sie leiden besonders auch unter der Trennung von ihren Müttern. Fleischhändler unterscheiden zwischen Mastlämmern und Milchlämmern. Während die Mastlämmer mit etwa einem halben Jahr geschlachtet werden, müssen Milchlämmer schon ab einem Alter von nur acht Wochen sterben; ihr Fleisch gilt als besonders zart und fettarm. Normalerweise bleiben Lämmer mindestens drei bis fünf Monate bei ihren Müttern, mit acht Wochen sind sie also noch im Babyalter.

Schafweide auf Neuseeand. So idyllisch stellen sich viele Verbraucher die Haltung vor. Foto: Holger Detje/Pixabay