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Die Rache der Tiere
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Die Rache der Tiere

Wie die Natur auf den Menschen reagiert

Bild: © Gerd Altmann/Pixabay
Noch immer hat die Covid-19-Pandemie ihren Schrecken nicht verloren. Zwar wurden viele Restriktionen zwischenzeitlich aufgehoben, doch bestimmt Corona vielerorts auf der Welt weiterhin das Leben vieler Menschen. Wohl auch als Folge der nachlassenden Sicherheitsvorkehrungen breitet sich das Virus wieder verstärkt und in Wellen aus; Menschen sterben, Millionenstädte verharren im Lockdown. Der Ursprung der Pandemie ist nicht abschließend geklärt, es gilt jedoch als sehr wahrscheinlich, dass der Übersprung des Virus vom Tier auf den Menschen auf chinesischen Märkten, sogenannten „wet markets“ stattgefunden hat. Hier werden Tiere verschiedenster Arten, Herkünfte und Habitaten auf engstem Raum und unter katastrophalen hygienischen Bedingungen gemeinsam gehalten, geschlachtet und tot oder auch lebend verkauft.
Ein Bericht von Jan Peifer

Einige dieser Märkte wurden geschlossen, andere haben ihren Betrieb wieder aufgenommen. Schon lange stehen die „wet markets“ nicht nur in der Kritik von Tierrechtlern und Tierschützern. Auch Mediziner warnen vor den gesundheitlichen Risiken, die auch für Menschen von solchen Märkten ausgehen. Denn Corona ist nicht die erste Pandemie, die durch eine Zoonose ausgelöst wurde, also eine Krankheit, die von Tieren auf Menschen übertragen wurde. Die bekanntesten und berüchtigtsten sind sicher Ebola und Aids, aber auch Sars, Vogelgrippe und Affenpocken wurden von tierischen Wirten auf Menschen übertragen.

Rund 75% aller neu auftretenden Infektionskrankheiten stammen ursprünglich aus dem Tierreich, die allermeisten aus dem Kontakt mit wildlebenden Tieren.

Längst nicht alle Zoonosen haben so gravierende Folgen wie Corona, doch auch Parasiten wie Salmonellen oder Würmer, die immer wieder in tierischen Erzeugnissen wie Fleisch, Milch oder Eiern nachgewiesen werden, können bei Übertragung durch Verarbeitung und Verzehr ersthafte gesundheitliche Schäden bis hin zum Tod anrichten. Nahezu alle diese Fälle lassen sich auf einen Grund zurückführen: einen unverantwortlichen und rücksichtslosen Umgang mit Tieren und Umwelt durch uns Menschen.

Einsatz durch ein Veterinäramt. Hier werden Vögel getötet. Bild: © Jan Peifer

Rund um den Globus werden Tiere, egal ob Wildtiere oder domestizierte Nutztiere den Bedingungen angepasst, unter denen sie am besten ausgebeutet werden können. Hierzu zählt das Eingreifen in die Natur und das Einfangen und Entnehmen von Wildtieren genauso wie das Phänomen der industriellen Massentierhaltung, ohne die der gigantische weltweite Fleischkonsum gar nicht möglich wäre. Dabei ist die Massentierhaltung für viele Tierschützer der Inbegriff von Tierquälerei. Sie verkörpert die Missachtung der Tiere als Lebewesen und ihre Degradierung als Rohstoffe für unseren Lebensstil. Obwohl der Großteil von Verbrauchern in Studien angibt, besonders viel Wert auf Tierschutz zu legen und dafür beim Kauf tierischer Produkte auch mehr Geld zu zahlen, stammen je nach Untersuchung noch immer 98-99% aller gehandelten Fleisch- und Wurstwaren aus genau dieser Haltungsform. Ebendiese überleben viele Tiere aber nur bis zur Schlachtung, wenn in großem Stil Antibiotika und andere Medikamente zum Einsatz kommen, die die Ausbreitung von Krankheiten verhindern sollen. Regelmäßig empören Verbraucherschützer sich in der Folge über Medikamentenrückstände und multiresistente Keime in Fleisch und Wurst.

In Deutschland unvorstellbar, aber in Fernost werden Hunde gegessen. Bild: © Jan Peifer

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus – dieses Sprichwort mag in dem Zusammenhang pathetisch klingen, doch führt es uns vor Augen: Wir als Menschheit haben es in der Hand, Einfluss zu nehmen auf das, was wir zurückbekommen, wie die Natur auf uns reagiert. Deswegen ist die Aufklärungsarbeit, die wir Tierschützer Tag für Tag leisten, so wichtig. Das Ziel unserer Arbeit ist es, dass man diese Arbeit irgendwann nicht mehr braucht, dass alle Menschen Verantwortung übernehmen und sich dementsprechend verhalten. Gehen wir mit unserer Natur und unseren Mitgeschöpfen so um, wie wir auch möchten, dass mit uns umgegangen wird: mit Respekt und in Würde. Denn wir haben nur diese eine Welt, dessen müssen wir uns gerade in schweren Zeiten immer bewusst sein.