Skrupellose Hundezucht
aktion tier Tierheim Zossen, Brandenburg
„Könnt ihr 30 Hunde aufnehmen?“ Mit solchen Anfragen muss man rechnen. Da das eigentlich zuständige Berliner Tierheim keinen Platz hat, machen wir es eben möglich, packen Boxen in die Autos und fahren los. Ziel ist eine ziemlich heruntergekommene Kleingartenanlage im Norden der Hauptstadt. Das kleine Haus ist, typisch Messie, im Grunde unbewohnbar zugemüllt, das Grundstück sieht nicht besser aus. Aus Brettern, Wellblech und Metallresten zusammengebastelte Zwinger reihen sich aneinander. Dazwischen provisorische Gehege aus Gitterelementen. Überall steht und liegt Gerümpel, leere Näpfe, Transportboxen. Und überall Hunde.
Vertreter von Polizei, Ordnungsund Veterinäramt erwarten uns. Wir erfahren, dass für einen erwachsenen Hund jede Hilfe zu spät gekommen sei. Er lag tot in einer Box. Fünf Vierbeiner hatte man bereits in eine Tierklinik gebracht, darunter vier erst sechs Wochen alte Welpen, die dehydriert und unversorgt in einer Box auf dem Hof gelegen hatten. Einer der Kleinen ist später auch verstorben. Auch diese Hunde kamen nach ihrer Entlassung aus der Klinik zu uns ins Tierheim nach Zossen.
Die Hunde
Bei den von uns aufgenommenen Vierbeinern handelt es sich überwiegend um Miniature Bull Terrier, zum Teil auch vermischt mit anderen Rassen. Ein Yorkshire Terrier, ein LabradorMix sowie diverse kleine Mischlingshunde sind auch noch dabei. Die Hunde sind teilweise sehr verängstigt und zittern, sobald man sich ihnen nähert. Viele haben alte Bissverletzungen. Dass es offensichtlich Beißereien unter den friedfertigen Miniature Bull Terrier gegeben hat, ist ein Zeichen, dass die Haltung sehr beengt und stressig gewesen sein muss. Einige Tiere sind außerdem unterernährt, und es gibt sehr ungepflegte Exemplare mit verfilztem, dreckigem Fell. Unsere Tierheim Tierärztin stellte unter anderem bei mehreren Hunden eitrige Augenentzündungen, extrem verdreckte Ohren, zu lange Krallen und katastrophal schlechte Zähne mit Zahnstein und Zahnfleischentzündungen fest.
Warum können wir helfen, wenn andere abwinken?
- Weil wir vorrangig Fundtiere, also entlaufene oder ausgesetzte Tiere aus Gemeinden aufnehmen, mit denen wir Verträge haben. Da wir diese vertraglichen Verpflichtungen zur Aufnahme erfüllen müssen, halten wir immer entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten vor. Unser Tierheim ist also in der Regel nie komplett belegt.
- Weil wir NEIN sagen, wenn Menschen bei uns ihre aus welchen Gründen auch immer nicht mehr gewollten Vierbeiner abgeben möchten. Wir nehmen nur echte Notfälle, zum Beispiel wenn ein alleinstehender Halter plötzlich verstorben ist.
- Weil wir über ein enges Netz an Partner-Tierheimen verfügen, mit denen wir kooperieren und gegebenenfalls Tiere weitergeben können.
- Weil Sie, liebe Mitglieder, uns unterstützen. Herzlichen Dank!
Die Halterin…
… hat sich bei Nacht und Nebel angeblich mit 13 Hunden aus dem Staub gemacht. Sie übernimmt keine Verantwortung, sondern versteckt schnell ihre wahrscheinlich wertvollsten Zuchthunde, damit das Geschäft an einem anderen Ort gleich weitergehen kann. Bedauerlich, dass das nicht verhindert wurde, aber die Behörden suchen in ganz Berlin nach der Flüchtigen und den Tieren. Es handelt sich anscheinend um eine dieser skrupellosen Züchter, denen es ausschließlich um Vermehrung und den gewinnbringenden Verkauf der Welpen geht. In die Tiere wird nur das Nötigste investiert. Sie bekommen Billigfutter und ein Plätzchen im dreckigen Zwinger. Gassigehen, ausgiebige Schmusestunden, Familienanschluss oder ein gemeinsamer Ausflug stehen hier nicht auf dem Programm.
Dosenöffner gesucht
Wir machen es unseren Pfleglingen im Tierheim so schön wie möglich. Jeder Hund hat Auslauf im Freien, bekommt hochwertiges Futter, Zuwendung und Streicheleinheiten sowie eine exklusive tierärztliche Betreuung. Dafür machen unsere engagierten Mitarbeiter jede Menge Überstunden.
Rechtliche Konsequenzen
Das zuständige Veterinäramt wird ein Halte- und Betreuungsverbot erteilen, und die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Vor allem der vorsätzlich oder durch unterlassene Hilfe verursachte Tod von zwei Hunden gilt gemäß §17 Tierschutzgesetz als Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden kann. Wir hoffen sehr, dass es zu einer entsprechenden Anklage kommt und das Strafverfahren mit einem harten Urteilsspruch endet. Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun und als Abschreckung für andere Hundehändler und -vermehrer.
Hände weg!
In diesem Zusammenhang bitten wir noch einmal, keine Welpen aus undurchsichtigen Quellen zu kaufen! Damit unterstützen Sie nur die profitorientierte Welpen Mafia, zu der nicht nur die Vermehrer, sondern auch Zwischenhändler und sogar Tierärzte gehören.
Futterspende
Anlässlich dieses schlimmen Tierschutzfalls hat uns der HappyWuff-Hundeimbiss aus Luckenwalde einen ganzen Berg leckerer Kausnacks und Spielzeug als Beschäftigung für die Neuankömmlinge und natürlich auch für die „alten Hasen“ geschenkt.
Wir bedanken uns recht herzlich!
„Das große Geschäft mit den kleinen Hunden“
Bestellen Sie gerne kostenlos unseren informativen Flyer zum Thema!Unter: aktiontier@aktiontier.org oder laden Sie sich den Flyer hier herunter!
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