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Silvester – ist Böllern noch zeitgemäß?
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Silvester – ist Böllern noch zeitgemäß?

Tipps zum Jahreswechsel

Feuerwerk — schön, aber problematisch. Bild: © Ursula Bauer
Bereits seit über 1.000 Jahren feiern wir den Jahreswechsel mit bunten Raketen und lauten Knallern. Aber ist das heute noch zeitgemäß? Überwiegen die negativen Aspekte des Feuerwerks nicht inzwischen und machen den Spaß daran schal? Vielleicht helfen Ihnen unsere Silvestergedanken bei der jährlichen Entscheidung, Raketen zu kaufen oder lieber doch nicht.
Ein Bericht von Ursula Bauer,
Geschäftsstelle aktion tier Berlin

Wenden wir uns zuerst unseren Haustieren zu. Viele Hunde und Katzen werden schon Tage vor Silvester nervös und wollen am liebsten das Haus nicht mehr verlassen. Sie haben ein wesentlich besseres Gehör als Menschen und nehmen Knaller um ein Vielfaches lauter wahr als wir. Plötzlich explodierende Raketen oder China Kracher versetzen sie regelrecht in Panik, und wer die Hundeleine nicht fest genug hält, sieht seinen Liebling am Ende nur noch kopflos davon stürmen – hoffentlich nicht auf die nächste Straße.

Wer sensible Haustiere besitzt, sollte natürlich keine Silvesterparty zu Hause abhalten und möglich auch nicht ausgehen. Bleiben Sie an der Seite Ihres Tieres, und ziehen Sie sich mit ihm in den ruhigsten Raum der Wohnung zurück. Bei geschlossenen Fenstern und Vorhängen bleibt die Knallerei draußen und wird durch einen angeschalteten Fernseher oder leise Musik immer unbedeutender. Seien Sie möglichst unbeschwert, und gehen Sie ohne Mitleid ganz normal mit Ihrem Vierbeiner um. Wer kann, sollte dem Stress durch Flucht entfliehen. Packen Sie Ihre menschlichen und tierischen Lieblinge ein, und feiern Sie ein gemütliches Fest in einem kleinen Dorf oder besser noch in einer abgelegenen Berghütte. Wer Hund oder Katze lärmresistenter machen möchte, kann auch mit Hilfe eines Experten entsprechende Trainings am besten Wochen oder Monate vor Silvester beginnen.

Hunde beim Gassigehen zur Sicherheit an der Leine führen. Bild: © Ursula Bauer
Mit sehr ängstlichen Hunden am besten raus auf Land fahren. Bild: © aktion tier

Was oft vergessen wird: Auch Wildtiere leiden an Silvester

Da Deutschland dicht besiedelt ist, gibt es kaum ein ruhiges Fleckchen, wo um null Uhr keine Rakete abgeschossen wird. Seien es Wildschweine und Rehe im Wald, Gänse und Enten auf dem Wasser oder Füchse und Eichhörnchen in der Stadt – alle sind betroffen. Der silvesterliche Böllerkrach, das Zischen und die Lichter der Raketen, die Rauchschwaden und der Schwefelgestank mitten in der Nacht bringt sie völlig durcheinander. Auf Angst und Stress reagieren Wildtiere in der Regel mit panischer, kräftezehrender Flucht. Gerade im Winter, wenn die Nah ung knapp ist, müssen sie jedoch mit ihren Reserven haushalten. Kann der durch die Flucht verursachte Energieverlust nicht ausgeglichen werden, droht der Tod.

Auch typische Winterschläfer wie der Igel können vom Silvesterlärm aufgeweckt werden. Dann verbrauchen sie Energie und müssten eigentlich fressen. Insekten und Würmer sind im kalten und vielleicht verschneiten Winter jedoch Mangelware, so dass die Tiere im schlimmsten Fall verhungern können.

Wildtiere, die kopflos vor dem Silvesterkrach fliehen, können leicht überfahren werden. Bild: © Ursula Bauer
Im Winter sollten Wildtiere Ruhe haben. Bild: © Ursula Bauer

Weitere negative Aspekte

Das Silvester-Spektakel versetzt aber nicht nur Tiere in Panik, sondern hat noch diverse andere negative Aspekte. So erfolgt die Herstellung von Feuerwerk vorrangig in Indien und China, wo meistens Menschen die gefährliche Arbeit verrichten, weil sie billiger als Maschinen sind. Der Umgang mit den Bestandteilen des Sprengstoffs wie Schwarzpulver und Schwefel ist gesundheitsschädigend, und es kommt immer wieder zu Unfällen mit Toten und Verletzten.

Aber nicht nur bei der Herstellung, sondern auch beim Abbrennen der Knallkörper und Raketen kommt es hierzulande jedes Jahr, meistens aufgrund des allzu sorglosen Umgangs, zu zahlreichen Verletzten, die unser überlastetes Gesundheitssystem vor zusätzliche Herausforderungen stellen. Daneben ist die „dicke Luft“ infolge der über 2.000 Tonnen Feinstaub, welche jedes Jahr allein durch das Abbrennen von Raketen freigesetzt werden, schädlich für das Klima und für unsere Gesundheit.

Ist der „Spaß“ vorbei, liegen am Neujahrsmorgen dann viele Tonnen Müll in den Straßen. Verpackungsmaterial, abgebrannte Kracher, Raketen, Flaschen. Das meiste wird von der Müllabfuhr weggeräumt. Aber wollten und sollten wir nicht eigentlich Müll vermeiden?

Wollten und sollten wir nicht Müll vermeiden? Bild: © AdobeStock/Mickis Fotowelt

Letztendlich ist das kurze Inferno auch richtig teuer. Da sind schnell 100 Euro in die Luft geschossen. Geld, das man auch für andere, nachhaltigere und weniger schädliche Dinge ausgeben könnte.

Wir wünschen Ihnen einen wundervollen, für alle Beteiligten entspannten Jahreswechsel – am besten ohne Böller!