left 
Die Magendrehung – ein echter Notfall
reload
arrow_down

Die Magendrehung – ein echter Notfall

Aus der Tiermedizin

Die Deutsche Dogge neigt zu Magenverdrehungen. Bild: Joshua Stoner/Pixabay
Manche Hunderassen sind eher selten betroffen, bei anderen tritt eine Magendrehung richtig häufig auf. Wohl dem, der gewappnet ist und weiß, wer besonders gefährdet ist, wie sich eine Drehung bemerkbar macht und was im Ernstfall zu tun ist, oder noch besser – wie eine Magendrehung vermieden werden kann.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Um diese Wissenslücken zu schließen, muss man sich mit dem Wesen dieser Erkrankung vertraut machen: Vereinfacht ausgedrückt hängt der Hundemagen an Bändern befestigt in den Bauchraum hinein. Je größer der Hund ist, desto länger sind diese Bänder und desto größer ist die Gefahr. Nach der Fütterung ist der Magen schwer und voll und schwingt bei Bewegung wie ein Pendel im Bauchraum hin und her. Tobt der Hund nun mit gefülltem Magen wild auf der Wiese herum oder wird er im Spiel zu Hause über den Rücken auf dem Teppich herumgerollt, kann es passieren, dass sich der an den Bändern hängende volle Magen einmal um die eigene Achse verdrillt. So schnell kann es gehen, und schon ist die Magendrehung passiert. Oft wird in diesem Zusammenhang die Milz mitverdreht, da sie am selben Aufhängeapparat befestigt ist. Dies kann das Geschehen zusätzlich dramatisieren. Der Vorgang der Verdrehung an sich ist nicht schmerzhaft und zunächst auch nicht schlimm. Doch von allein dreht sich der Magen nun nicht mehr selbst zurück. Der darin enthaltene Futterbrei kann nicht mehr in den Darm weiterwandern. Es bildet sich Gas, was die Verdrehung zusätzlich verfestigt. Doch das ist noch nicht das Hauptproblem. Die eigentliche Krux an der Sache ist, dass die Blutgefäße, die die Magenwand versorgen, durch die Verdrillung abgequetscht werden. Die Magenwand wird nicht mehr mit Blut versorgt. In der Folge stirbt sie ab. Und ohne Magen kann ein Tier nicht leben.

Der durch Gasbildung nach einer Magendrehung vergrößerte Magen ist im Röntgenbild gut erkennbar. Bild: © aktion tier, Dr. Tina Hölscher

Wie erkennt der Besitzer, dass das Tier eine Magendrehung erfahren hat?

Zunächst ist meist eine Fütterung vorangegangen, gefolgt von Bewegung, eventuell im Spiel mit Rollen über den Rücken. Die Symptome entwickeln sich in der Folge dieser Vorgeschichte dann rasch innerhalb von wenigen Stunden. Der Hund beginnt zu hecheln und wird unruhig. Der Bauch bläht zunehmend auf. Es kommt ein Würgereiz hinzu, ohne dass der Hund tatsächlich Mageninhalt erbricht. Beim vorsichtigen Abklopfen des Bauchraumes hört der Untersucher ein trommelähnliches, hohles Geräusch. Die Krankheitsanzeichen nehmen stetig zu, und das Allgemeinbefinden des Tieres wird schlechter. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt. Denn ohne Operation geht es nicht. Es muss sofort ein Tierarzt oder, fast besser noch, eine Tierklinik aufgesucht werden, da nicht jede Tierarztpraxis zu jeder Tages- und Nachtzeit über Ausrüstung und Arbeitskräfte verfügt, eine derartige Operation durchzuführen. Der Bauch muss eröffnet, der Magen zurückgedreht und, um ein Rezidiv zu vermeiden, eventuell an der Bauchwand befestigt werden. Unter Umständen wird zudem die Entfernung bereits abgestorbener Organteile notwendig.

Die Nachbehandlung besteht aus einer Dauertropfinfusion und meist der begleitenden Gabe von Antibiotika und Schmerzmitteln. Zu fressen gibt es Schonkost in jeweils kleinen Portionen, bis nach einiger Zeit auf normales Futter umgestellt werden kann. Aber auch nach gelungener Operation kann nicht direkt Entwarnung gegeben werden. Erst etwa 48 Stunden nach dem Eingriff zeichnet sich ab, ob das Tier überleben wird.

Das Beste ist, dem Tier nicht zu viel Futter aufeinmal zu geben. In Tierbedarfsgeschäften gibtes auch sogenannte Schlingnäpfe, die ein zu schnelles essen verhindern. Bild: © AdobeStock/gismo2015

Wie lässt sich eine Operation verhindern?

Oft ist das Wissen um die Gefahr die halbe Miete. Besonders häufig tritt die Magendrehung bei jungen, großwüchsigen Hunden wie Doggen oder Dobermännern auf. Nur in Einzelfällen kann es auch alte und kleine Hunde erwischen. Also gilt es, besonders bei diesen Rassen und deren Mischlingen, Vorsicht walten zu lassen. Sie versorgt man besser zweimal am Tag als nur einmal täglich mit Futter, um zu vermeiden, dass Riesenportionen im Magen landen. Nach der Fütterung ist eine strikte Ruhezeit von mindestens einer Stunde – besser sind zwei Stunden – einzuhalten. Wildes Spiel und Rollen über den Rücken sind in diesem Zeitraum tabu. Wird die geruhsame Verdauungsphase nach der Fütterung und die Gabe kleinerer Portionen gewissenhaft beachtet, ist die Gefahr einer Magendrehung weitgehend gebannt.