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Absurde Trophäenjagd
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Absurde Trophäenjagd

20.000 Elefanten für Deutschland

Bild: © AdobeStock/Stuporter
Der Präsident von Botswana, Mokgweetsi Masisi, machte jüngst mit einem ungewöhnlichen und wohl nicht ganz ernst gemeinten Angebot auf sich aufmerksam: 20.000 wilde Elefanten wolle er nach Deutschland bringen lassen, vorausgesetzt, sie könnten hier in Freiheit leben, so wie in Afrika. Der Hintergrund dieser Geste ist jedoch ernst, denn es geht um Großwild- und Trophäenjagd, Artenschutz und auch um das Zusammenleben von Mensch und Tier.
Ein Bericht von Jan Peifer

Die Bundesrepublik Deutschland ist einer der größten Importeure von Jagdtrophäen geschützter Tiere in die Europäische Union. 2022 wurden 463 eingeführte Trophäen dokumentiert, darunter Köpfe, Felle und weitere Teile von Elefanten, Löwen, Nashörnern, Flusspferden, aber auch Eisbären und vielen weiteren Tierarten. Im letzten Jahr betrug die Zahl der dokumentierten Einfuhren schon 650. Getötet werden dabei noch weitaus mehr Tiere: Rund 18.000 Jagdtouristen töten allein in Afrika jedes Jahr mehr als 120.000 Wildtiere. Bereits vor zwei Jahren hatte die Bundesumweltministerin Steffi Lemke angekündigt, die Trophäenimporte einzuschränken. Im vergangenen Jahr hatten 35 Prominente aus Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft die Ministerin in einem offenen Brief zum Handeln aufgefordert, doch noch immer gibt es hierzu keine Gesetzesinitiative. Wenn es nach dem Willen afrikanischer Länder wie Botswana geht, sollte das auch so bleiben. Denn einerseits profitieren sie ganz offen finanziell von deutschen Jagdreisenden, die nach US-amerikanischen Jägern die zweitgrößte Gruppe von Jagdtouristen bilden.

Elefanten stellen mittlerweile eine ernstzunehmende Herausforderung dar.

In Botswana stehen rund 40 % des Landes unter Naturschutz, doch dieser Platz reicht offenbar nicht mehr aus. Rund 130.000 wildlebende Elefanten zählt das Land aktuell; das sind so viele wie in keinem anderen Land der Welt. Auch in Namibia, Simbabwe und Südafrika werden die Elefanten immer mehr. Fast täglich kommt es zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier, die nicht selten schwere bis hin zu tödlichen Folgen haben, so Präsident Masisi. Daher habe er auch Großbritannien bereits 10.000 Elefanten zur Übernahme angeboten. Nachdem allerdings Frankreich und Belgien die Einfuhr von Trophäen bereits gestoppt haben, hat im Frühling dieses Jahres auch das Londoner Parlament für ein Einfuhrverbot gestimmt. Botswana fürchtet nun, dass weitere Länder folgen werden. In den Niederlanden gibt es seit 2016 ein Einfuhrverbot für Trophäen von bedrohten Arten, in Finnland seit 2023. Das Parlament der Europäischen Union forderte 2022 in einer Resolution, den Import von Jagdtrophäen sämtlicher geschützter Arten in der gesamten EU zu verbieten.

Allein in Afrika werden mehr als 120.000 Wildtiere von rund 18.000 Trophäenjägern getötet. Bild: © AdobeStock/Okyela

In Meinungsumfragen gaben 89 % der Befragten in Deutschland an, die Trophäenjagd abzulehnen. Selbst in Südafrika, dem größten Exporteur von Jagdtrophäen auf dem afrikanischen Kontinent, lehnt die Mehrheit die Trophäenjagd ab. Nur noch 16 % der Befragten befürworten die profitgesteuerte Großwildjagd. Hinzu kommt, dass durch die Großwildjagd eine unnatürliche Selektion stattfindet, die sich negativ auf die Entwicklung der Tierbestände auswirkt. Denn beliebt bei Jägern sind vor allem große, stattliche Tiere wie Leitelefanten mit großen Stoßzähnen oder Mähnenlöwen, die für den Bestand ihrer Rudel enorm wichtig sind. Werden sie geschossen, müssen jüngere, unerfahrenere Tiere Aufgaben übernehmen, denen sie oft nicht gewachsen sind. Auf diese Weise werden bedrohte Arten noch stärker gefährdet. Es bleibt also zu hoffen, dass hier schnellstmöglich ein Riegel vorgeschoben wird und das blutige Hobby bald ein Ende finden wird.

Mit Fotosafaris wird zudem bei weitem mehr Geld erwirtschaftet als mit Jagdreisen, da die Zielgruppe viel größer ist. Dies ist ein schönes Beispiel dafür, dass lebende Tiere viel mehr wert sind als tote Trophäen.

Jagdreisen sind ein großes Geschäft; die Abschussgebühren liegen bei bis zu mehreren Zehntausend Euro pro Tier (wie z. B. für einen Elefanten). Affen können mitunter schon für 50 Euro abgeschossen werden, Giraffen und Zebras für rund 1.000 Euro. Der Abschuss eines Gepards kostet etwa 4.000 Euro, obwohl es weltweit nur noch 6.500 dieser eleganten Tiere gibt. Ein Breitmaulnashorn abzuschießen kostet rund 25.000 Euro, je nach Anbieter. Von den Gewinnen aus den Abschusslizenzen wird nach Angaben botswanischer Politiker nicht nur illegale Wilderei bekämpft - auch etwa 50 Gemeinden werden mit insgesamt umgerechnet rund zwei Millionen Euro unterstützt, unter anderem, um die Schulbildung zu fördern.