Der Pelz gehört dem Tier!
Pelzfarmen auf dem Rückzug
Immer mehr Menschen wollen das Geschäft mit dem Tierleid nicht mehr unterstützen und achten beim Kauf von Bekleidung wie Winterjacken, aber auch von Accessoires wie Mützenbommeln, Jackenkragen, Schlüsselanhängern oder Schuhbesätzen darauf, keinen Echtpelz mehr zu kaufen. Zahlreiche Textilhersteller und -händler, darunter ebenso Modemarken wie Designerlabel, haben den Trend schon erkannt und Produkte mit Echtpelz aus ihren Sortimenten verbannt. Auch dank des unermüdlichen Einsatzes vieler Tierschutzvereine, Verbände und Aktivisten gibt es in Deutschland seit 2019 keine Pelztierfarm mehr. Damit befinden wir uns in guter Gesellschaft, denn u. a. Großbritannien, Frankreich, Italien, die Niederlande, Österreich, Slowenien und Kroatien haben die Pelztierzucht bereits gesetzlich verboten. Andere Länder wie Malta, Belgien, Irland, Estland und Bulgarien haben ein Verbot verkündet und befinden sich auf dem Weg, die letzten verbleibenden Farmen zu schließen.


Laut EU-Richtlinie müssen Textilproduzenten darauf hinweisen, wenn sie tierische Bestandteile verarbeiten, solange der Anteil insgesamt unter 20% liegt. Der Hinweis auf dem Etikett lautet dann: „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“. Dies trifft bei Jackenkrägen, Mützenbommeln oder ähnlichem zu, nicht aber bei Lederjacken oder Pelzmänteln. Allerdings müssen weder die Tierart noch die Herkunft angegeben werden – daher werden bei Stichproben nach wie vor auch Pelzteile aus Katzen- oder Hundefell festgestellt.
In Deutschland gibt es kein explizites Verbot von Pelztierfarmen; allerdings wurden die Anforderungen an die Haltungsbedingungen schrittweise so sehr angehoben, dass sich das Betreiben einer Pelzfarm nicht mehr lohnt.
In der Schweiz sind diese Anforderungen noch höher, sodass es auch hier seit langem keine Pelzfarmen mehr gibt: Nerze oder Füchse, die zur Pelzgewinnung gezüchtet werden sollen, müssten unter den gleichen Standards wie Zoos betrieben werden, was eine Massenzucht mit Profitabsicht völlig unrentabel macht. Auch die Pandemie hat die Pelztierzucht weiter zurückgedrängt.
So wurde in den Niederlanden der ohnehin geplante Ausstieg vorgezogen, nachdem auf zunächst zwei Betrieben, bald aber auf fast allen Nerzfarmen im Land positive Covid-Fälle sowohl unter Tieren als auch unter Mitarbeitern festgestellt worden waren. Die Nerze dienten als Zwischenwirte für das Virus, weshalb die Regierung beschloss, den gesamten Bestand zu töten und die Farmen nicht mehr wieder zu eröffnen.
Auch in Dänemark, dem wichtigsten Land für die europäische Pelzproduktion, wurden sämtliche Nerze getötet – insgesamt mehr als 17 Millionen Tiere. Hier allerdings wird damit gerechnet, dass der Betrieb wieder aufgenommen werden könnte. Obwohl die Zucht von Pelztieren in fast allen europäischen Ländern entweder verboten oder so unattraktiv ist, dass dies einem Verbot gleichkommt, ist der Import und Verkauf größtenteils noch erlaubt. Nur die Einfuhr von und der Handel mit Hunde- und Katzenfellen ist EU-weit (und auch in der Schweiz) seit 2008 verboten.
Mittlerweile gibt es Kunstpelze, die von echtem Pelz kaum noch zu unterscheiden sind. Die Herstellung solch hochwertiger künstlicher Felle ist allerdings viel teurer als der Einsatz von echtem Pelz, weshalb regelmäßig Echtpelz nicht als solcher deklariert wird. Tier- und Verbraucherschützer rufen daher dazu auf, auf Kragen und Bommel ausPelz ganz zu verzichten, unabhängig von der Deklaration. Pelzkragen an Jacken waren ursprünglich als Schneefang gedacht; in unseren Fußgängerzonen sind sie also ohnehin überflüssig. Moderne Kunstfasern sind derweil so leistungsfähig, dass sie auch die Wärmeleistung von Pelz übertreffen. Pelz tragen sollte deshalb heute nur noch das Tier, dem er auch gehört.

Das Sterben der Pelzfarmen geht weiter:
Nun hat auch Rumänien ein Verbot ab 2027
angekündigt