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Happy End für Chiara
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Happy End für Chiara

Ältere Hunde verdienen eine zweite Chance

Chiara im Dezember 2024. Foto: © privat
Chiara ist eine goldige Retriever-Hündin wie sie im Buche steht und damit das ganze Glück ihrer Familie. Sanft, zugewandt, ausgeglichen, einfach ein Sonnenschein. Sie hat in ihrem Zuhause denselben Stellenwert wie andere Familienmitglieder, auch wenn das Menschen, die wenig oder gar nichts mit Tieren zu tun haben, nicht verstehen können.
Ein Bericht von Dr. Tina Hölscher,
Tierärztin bei aktion tier – menschen für tiere e.V.

Daher war die Sorge groß, als Chiara Anfang 2025 einige Symptome entwickelte, die schwer zuzuordnen waren. Die Hündin war zu diesem Zeitpunkt schon fast 14 Jahre alt. Sie hüstelte auf einmal verdächtig oft, aber ohne tatsächlich zu husten. Das Gangbild wurde zunehmend instabil und wackelig, gelegentlich knickten die Hinterbeine ein. Sie trank plötzlich mehr, ohne dass dafür eine Ursache gefunden wurde. Und sie verlor an Gewicht, fast zwei Kilo, auch das ohne erkennbaren Grund. Außerdem zuckte sie im Schlaf vermehrt und das irgendwie anders als früher bei wilden Träumen.

Da die allgemeine klinische Untersuchung keine brauchbaren Ergebnisse lieferte, wurde Chiara Blut abgenommen und in ein Labor geschickt. Hier fanden sich nun Auffälligkeiten. Chiara hatte einen erhöhten Calcium-Spiegel sowie zu niedrige Phosphatwerte. Nun machte sich auch der Haustierarzt wirkliche Sorgen und überwies Chiara in eine Tierklinik. Er vermutete ein Problem im Zusammenhang mit der Nebenschilddrüse mit dem in der Fachsprache komplizierten Namen Hyperparathyreoidismus. In der Klinik wurden Röntgenaufnahmen und Ultraschalluntersuchungen von Bauch und Hals gemacht, außerdem noch einmal Blut genommen. Am Ende stand fest, ja, Chiara hat ein Problem mit der Nebenschilddrüse und soll operiert werden! Hierbei muss das Gewebe entfernt werden, das Schuld an dem ganzen Dilemma ist. Außerdem erhielt die Hündin sofort Medikamente, um den Calcium-Spiegel zu senken. Denn bleibt die Krankheit unbehandelt, kommt es zu Herzrhythmusstörungen, Nierenproblemen und Muskelschwäche. Auch neurologische Verwirrungszustände können ohne Therapie auftreten. Für Chiaras Besitzer war die Diagnose ein Schock. Was sollten sie nur tun? Zur OP zustimmen oder nicht? Wie wird Chiara die Narkose in ihrem Alter verkraften? Wie geht es weiter, wenn nicht operiert wird? Fragen über Fragen. In enger Abstimmung mit dem Haustierarzt wurde entschieden: „Ja, wir wagen es, denn hilflos zusehen, wie Chiara immer schwächer wird, ist keine Option“. Wenigstens hatte die Hündin eine OP-Versicherung, so dass die Kosten nicht noch zusätzliche Kopfschmerzen bereiteten.

Chiara hat wieder Spaß an der Ostsee. Foto: © privat
Chiara hat wieder Spaß an der Ostsee. Foto: © privat

Mitte Februar war es dann soweit. Der Tag der OP war da, alle fieberten mit.

Als Chiara schlief, wurde zunächst eine Computertomographie durchgeführt, um genau zu wissen, wo das Skalpell ansetzen muss. Außerdem kann auf diese Weise überprüft werden, ob Lymphknoten in der Gegend verändert sind und gegebenenfalls mit entfernt werden müssen. Und, was soll man sagen? Chiara hat die OP prächtig überstanden, trotz ihres Alters!

Wieder daheim mit Kragen, den sie sich immerin die Wunde rammte. Foto: © privat
Wieder daheim nach Not-OP, diesmal ohne Kragen. Foto: © privat

Im weiteren Verlauf lief dann aber doch nicht alles hundertprozentig glatt. Die Wunde infizierte sich und musste noch einmal in einer zweiten Narkose aufwändig neu umschnitten und vernäht werden. Aber spätestens ab diesem Zwischenfall ging es nur noch bergauf.

Die Medikamente konnten nach und nach reduziert werden. Die Blutkontrollen ergaben immer tolle Werte.

Wundinfektion entlang der Narbe mit nekrotischem Gewebe.
Halsnarbe noch mit Fäden, eine Woche nach Not-OP
Halsnarbe 3 Wochen nach Not-OP, Fäden gezogen. Foto: : © privat

Im Sommer 2025 war die Hündin komplett gesund. Sie ist nun topfit und munter, viel fröhlicher und agiler als zu Beginn der Erkrankung. Diesen Herbst durfte Chiara dann sogar von Süddeutschland aus mit auf große Urlaubsreise an die Ostsee. Wer hätte das zu Jahresbeginn gedacht? Dort kann sie ihrer Aufgabe als Sonnenschein nun wieder voll gerecht werden… 

Was für eine schöne Tiergeschichte mit Happy End!

Foto: : © privat